Das Vibrato Teil 3

by Stefan Maus on August 27, 2008

In der letzten Folge hatte ich bereits eine Grundregel vorweggenommen: Bei unserer Bewegung muss der jeweilige Finger stehen bleiben. Er darf keinesfalls hin- und herrutschen wie es bei einem Lagenwechsel der Fall wäre. Trotzdem muss sich die Tonhöhe verändern, um ein Vibrato zu erzeugen.

Die Lösung ist ganz einfach: Wir lassen den Finger auf der Kuppe rollen wie einen Ball. Auf die Art bleibt er an Ort und Stelle, und trotzdem verändert sich die Tonhöhe.

Wie sieht das jetzt in der Praxis aus?
Zunächst ist es wichtig, dass unsere Handstellung korrekt ist und der Daumen an der richtigen Stelle steht, also mehr oder minder gegenüber vom Zeigefinger. Dort, wo er im lockeren Zustand von alleine zum Liegen kommt.
Das sieht folgendermaßen aus:

vibrato01.jpg
Im folgenden beziehe ich mich zunächst auf das Armvibrato. Beim Armvibrato benutzen wir eine ähnliche Armbewegung wie bei den Lagenwechseln, nur viel kleiner. So, als ob wir Lagenwechsel in der Größenordnung von unter einem Viertelton ausführen wollten.
Und damit sind wir wieder bei unserer Sinuskurve aus dem ersten Teil. In der Mitte steht unser Kernton, der Ton, den wir mit einem Vibrato versehen wollen. Durch die winzigen Lagenwechsel entstehen die Schwingungen um diesen Ton herum. Mal höher, mal tiefer.
Das einzige, was unser Vibrato von einem Lagenwechsel unterscheidet ist, abgesehen von der Größe, die Tatsache, dass unser Finger stehen bleibt.

Wenn wir jetzt einen “Lagenwechsel” nach unten vollführen, sieht das so aus:

vibrato02.jpg
Der Finger rollt über die Kuppe, und durch den Zug des Armes streckt sich der Finger. Für das Foto habe ich die Bewegung etwas stärker ausgeführt, als sie in der Praxis auftreten wird.
Dadurch, dass der Finger eine Rollbewegung ausübt, wird der Ton tiefer.
Nun führen wir einen “Lagenwechsel” nach oben durch. Der Arm zieht nach oben, in unserem Fall von der dritten in Richtung vierte Lage, der Finger rutscht nicht, er rollt. Das Resultat sieht so aus:

vibrato03.jpg
Der Finger steht nun quasi am Anschlag, so rund es geht, ohne Kraft aufzuwenden.
Noch einmal: Die Armbewegung ist die eines kleinen Lagenwechsels. Der Daumen und der vibrierende Finger bleiben locker an Ort und Stelle stehen. Der Finger rollt über die Kuppe.

Diese Bewegung - rauf und wieder runter - wird einige Male wiederholt, bei steigender Geschwindigkeit, und fertig ist unser erstes Armvibrato. Übemethoden dazu werde ich im Laufe der Serie im einzelnen aufzeigen.

In der nächsten Folge beschäftigen wir uns aber zunächst mit den Grundzügen des Handvibratos.

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Das Vibrato Teil 2

by Stefan Maus on August 25, 2008

Um das Vibrato und die damit verbundenen Techniken und Anwendungsgebiete besser verstehen zu können, müssen wir zunächst einige Begriffe klären.

Bei der physikalischen Beschreibung von Wellen (in unserem Falle Tönen) unterscheiden wir zwischen drei Hauptbegriffen:
Frequenz, Wellenlänge und Amplitude.
Die Frequenz eines Tones ist gleichbedeutend mit der Tonhöhe. Je höher die Frequenz, desto höher der Ton. Frequenz ist, vereinfacht ausgedrückt, nichts anderes als die Anzahl von Schwingungen pro Zeiteinheit. Für Musiker sind das Hz, also Schwingungen pro Sekunde.
Die Wellenlänge ist für uns uninteressant. Sie hängt direkt von der Frequenz ab. Je höher die Frequenz, desto niedriger bzw. kleiner die Wellenlänge, nur der Vollständigkeit halber.
Die Amplitude ist die Schwingungsweite, also wie groß die Schwingungen vom Ruhezustand abweichen, ebenfalls vereinfacht ausgedrückt. Für Töne gilt: Je größer die Amplitude, desto lauter der Ton. Die Amplitude entspricht also dem Schalldruck, den wir erzeugen.

Beim Vibrato geht es jedoch um die Beschreibung von Bewegungen, so dass die Definition unserer Begriffe angepasst werden muss.
Die Frequenz unseres Vibratos bedeutet die Anzahl der Schwingungen pro Sekunde. Je schneller ich “wackele”, desto höher ist die Vibrato-Frequenz.
Die Amplitude des Vibratos ist gleichbedeutend mit der Größe meiner Hand- bzw. Armbewegung.

Daraus folgt:
Wenn ich meine Vibrato-Frequenz verändere, verändert sich am Ton eigentlich nichts. Nur der Eindruck, den der Hörer bekommt.
Wenn ich jedoch die Amplitude meines Vibratos verändere, habe ich keinesfalls eine Schalldruck-Änderung sondern vielmehr eine größere Frequenzänderung des Tones, da ich meine Hand stärker bewege.

Bei allen weiteren Betrachtungen werde ich mich physikalisch begrifflich auf die Beschreibung des Vibratos beziehen, nicht auf die Töne.

Ich will Sie, liebe Leserinnen und Leser, noch nicht mit diesem Crash-Kurs “Wellenmechanik für Vibrateure” entlassen. Als kleiner Vorgeschmack auf das Kommende:

Nach allem, was wir bisher gelesen haben, ist klar: Ein Vibrato ist eine kontrollierte und möglichst gleichmäßig schwingende Tonhöhenveränderung.
Diese Schwingung wird durch den jeweiligen Finger erzielt, der den Ton greift, der gerade erklingt. Dabei darf der Finger aus klanglichen Gründen keinesfalls die Griffstelle verlassen. Er bleibt stehen!

Wie bewerkstelligen wir das? Wie kommt ein Vibrato zustande, ohne dass wir auf der Saite auf- und abrutschen?
Das und vieles mehr in der nächsten Folge - demnächst in diesem Theater! :)

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I will survive

by Stefan Maus on August 23, 2008

Für alle Fans von Igudesman & Joo hier ein Video, das ich auf YouTube entdeckt habe. Mehr Informationen finden Sie auf ihrer Website.

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Das Vibrato

by Stefan Maus on August 21, 2008

Viele Menschen sind der Meinung, das Vibrato gehöre zur hohen Schule des Geigenspiels. Das ist jedoch nur bedingt richtig. Zwar gehört ein gut ausgeführtes Vibrato zum Rüstzeug eines jeden ernsthaften Geigers, jedoch sollten wir schon relativ früh anfangen, uns mit dieser Manipulation des Tones auseinanderzusetzen.
Voraussetzung für den Beginn der ersten Übungen sollte auf jeden Fall eine sichere Intonation sein, denn Vibrato bedeutet für uns nichts anderes als eine gezielte Frequenzänderung des gespielten Tones, und das bedingt eine gewisse Übung und Sicherheit, was die Sauberkeit betrifft.

In meiner Serie über das Vibrato werden wir uns im Laufe der einzelnen Folgen mit den Schwierigkeiten, den Techniken und den Übungen auseinandersetzen.

Im Laufe der Jahrhunderte hat die Spielweise auf unserem Instrument einige Entwicklungen und Veränderungen erfahren. An dieser Stelle möchte ich jedoch auf eine genauere geschichtliche Betrachtung verzichten. Es würde den Rahmen entschieden sprengen und uns, die wir primär Interesse an den technischen Aspekten haben, nicht wirklich weiterbringen.
Nur so viel sei hier gesagt - Vibrato ist ein Stilmittel. Und ebenso, wie Musikstile einer beständigen Entwicklung unterworfen sind, ist es auch das Vibrato.
Wenn wir uns ältere Aufnahmen großer Solisten anhören, können wir zum Teil gravierende Unterschiede zu heutigen Geigern feststellen. Nicht nur die Stellen, an denen vibriert wurde und wird sind unterschiedlich. Auch die Art der Ausführung hat sich zum Teil stark verändert. Die Vibrato-Frequenz ist heutzutage eine völlig andere als damals, und die Amplitude hat sich geändert.
Wenn wir Aufnahmen zur Hand nehmen, um Anregungen für unser eigenes Spiel zu bekommen, müssen wir uns dessen bewusst sein. Abgesehen davon, dass wir vermutlich niemals die Qualität Jascha Heifetz’ erreichen werden, hatte er ein vollkommen anderes Vibrato als z.B. Shlomo Mintz, was weniger darauf zurückzuführen ist, dass er einen anderen Charakter hatte, als vielmehr darauf, dass er Jahrzehnte vorher seinen geigerischen Zenit erreichte.
Ähnliches können wir beobachten, wenn wir historische Opernaufnahmen anhören. Bereits bei “neueren” historischen Aufnahmen einer Maria Callas hören wir große stimmliche Unterschiede im Vergleich zu heutigen Sängerinnen. Damals galt Maria Callas als das Maß aller Dinge, heutzutage würde keine Sopranistin mit dieser Art von “Vibrato” singen. Es ist nicht mehr zeitgemäß.

Was ist überhaupt ein Vibrato?

Vibrato ist der Versuch, die menschliche Stimme mit ihren Tonhöhen-Schwingungen nachzuahmen. Ich werde mich hier auf das gängigste Vibrato beschränken, auf das Vibrato der linken Hand bzw. des linken Arms.
Wir haben es also mit einer Frequenzänderung des Tones zu tun. Wir verändern die Tonhöhe, während wir spielen. Oder salopp ausgedrückt: Der Ton “eiert” um den eigentlichen Kernton herum, mal höher, mal tiefer, ähnlich einer Sinuskurve:

sinus.jpg

In unserer Grafik stellt die senkrechte y-Achse die Frequenz dar, auf der x-Achse sehen wir die Zeit. Die x-Achse selbst ist der Kernton, derjenige, der gespielt werden soll. Wir schwingen um den Ton herum.
Nach allgemeiner Lehrmeinung hat dieses Schwingen sowohl nach oben als auch nach unten zu geschehen, um den Eindruck des Kerntones zu erhalten und den Finger trotzdem an der gewohnten Stelle aufzusetzen.
Eine Ausnahme bildet in diesem Zusammenhang Ivan Galamian, der die Meinung vertrat, es sei besser, den Ton etwas höher anzusetzen und dann nach unten zu vibrieren. Eine Auffassung, die ich nicht teile, da sie die Intonation unnötig verkompliziert und keine wesentliche Klangverbesserung zur Folge hat.

In der nächsten Folge werden wir uns u.a. mit den Begriffen Frequenz und Amplitude auseinandersetzen, die beim Vibrato auf physikalischer und bewegungstechnischer Seite vollkommen unterschiedliche Bedeutungen haben.

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Pro und Kontra Schulterstütze

by Stefan Maus on August 19, 2008

In meinem Artikel über die Haltung der Geige habe ich diesen Beitrag bereits angekündigt: Heute beschäftigen wir uns mit den Vor- und Nachteilen von Schulterstützen.

Wenn Sie sich noch einmal die Fotos aus o.a. Artikel anschauen, sehen Sie, wie die Haltung in etwa aussehen sollte. Zusammenfassend können wir zur Haltung der Geige folgendes festlegen:

  • Die Schultern müssen vollkommen entspannt sein, keine Schulter darf hochgezogen werden.
  • Der Kopf sollte gerade bleiben und in keiner Weise geneigt, gedreht oder gekippt werden, um die Halswirbelsäule zu entlasten.
  • Die Geige sollte in einem Winkel von ungefähr 45 Grad nach links zeigen.
  • Sie müssen in der Lage sein, das Instrument ohne Unterstützung der linken Hand bequem zu halten, um damit eine möglichst problemlose Ausführung von Lagenwechseln und Vibrato zu ermöglichen.

Was bedeutet das für den Gebrauch von Schulterstützen?
Einfache Antwort: Kommt darauf an.

Vor allem kommt es auf den Körperbau des Spielers an. Generell lässt sich jedoch folgendes sagen:

Wenn die Länge des Halses größer ist als die Entfernung zwischen Boden der Geige und Oberseite des Kinnhalters, benötigen wir höchstwahrscheinlich eine Schulterstütze.

Wenn wir in diesem Fall keine Stütze benutzen, müssen wir die fehlenden Zentimeter überbrücken. Das geht dadurch, dass wir entweder die Schulter hochziehen oder aber unseren Kopf so lange verdrehen, bis der Kieferknochen auf dem Kinnhalter landet, was orthopädisch gesehen auf Dauer sehr ungesund ist.
Die Alternative wäre, wir lassen die Haltung wie sie ist und halten die Geige mit der linken Hand hoch, was aus Gründen der Intonation, der Lagenwechsel und des reibungslosen Vibratos nicht empfehlenswert wäre.

Wenn Sie eine völlig anders geartete Anatomie aufweisen und einen sehr kurzen Hals besitzen, wenn Sie also das Instrument halten können, ohne die Schulter nach oben zu ziehen, ohne den Kopf zur Seite zu neigen und ohne den linken Arm zu Hilfe zu nehmen, brauchen Sie natürlich aus o.g. Gründen keine Schulterstütze. Das trifft jedoch nur auf eine relativ kleine Minderheit zu, da die meisten Menschen einen Hals besitzen, der zumindest eine Kleinigkeit länger ist als die Höhe des Instruments plus Kinnhalter.

Worauf müssen wir achten, wenn wir eine Schulterstütze kaufen?
Wenn Sie noch keine große Erfahrung mit dem Geigen haben, nehmen Sie jemanden mit, der Sie beraten kann. Fragen Sie Ihren Lehrer, vielleicht unterstützt er Sie bei der Wahl.
Es gibt diverse Stützen der unterschiedlichsten Hersteller auf dem Markt. Die bekanntesten sind wohl die Firmen Kun und Wolf, jedoch gibt es noch sehr gute anderer Hersteller. Der Vorteil einer guten Stütze ist - sie ist justierbar und trotzdem sehr stabil. Wir können sie sowohl in der Höhe als auch in der Breite und Neigung einstellen, um so das Optimum für unseren individuellen Körperbau zu erzielen.

Das wichtigste beim Kauf aber ist: Probieren Sie sie in Ruhe aus. Vergleichen Sie sie mit anderen Stützen. Sie selbst sollen damit klarkommen und nicht irgendein Bekannter, der auf dieses Fabrikat schwört. Das ist der Grund, weshalb Sie eine Stütze benutzen wollen. Sie soll bequem sein - für Sie!

Was sind die Nachteile von Schulterstützen?

  • Früher haben die Menschen auch keine benutzt.

Das ist erstens kein Nachteil und zweitens nur bedingt wahr. Trotzdem wird dieses Argument gerne gegen Schulterstützen genannt. Im 18. und auch 19. Jahrhundert gab es sicherlich keine Stützen heutiger Bauart. Trotzdem haben sich auch damals die Geiger ihre Arbeit erleichtert, in dem sie z.B. ein Tuch o.ä. zwischen Schulter und Geige gestopft haben, um ein ermüdungsfreies und bequemeres Musizieren zu ermöglichen. Auch heutzutage benutzen einige Geiger mit kürzeren Hälsen diese historische “High-Tech-Version”, z.T. mit großem Erfolg.

  • Schulterstützen sind unsportlich.

Lachen Sie nicht, dieses Argument habe ich tatsächlich schon gehört. Entweder will ich so gut und bequem wie möglich spielen oder aber ich gehe ins Sportstudio. Beides zusammen geht nicht.
Ich möchte diesen Unsinn hier nicht weiter kommentieren.

  • Schulterstützen verschlechtern die Klangqualität.

Da ist etwas dran. Aber nur wenig. Die Stützen müssen in irgendeiner Form am Instrument befestigt werden. Das geschieht in den meisten Fällen durch kleine Gummifüße oder Klammern aus Kunststoff. Nach dem Prinzip des Dämpfers wird der Resonanzkörper Geige minimal am Schwingen gehindert, vergleichbar mit einem winzigen Dämpfer. Diese klangliche Veränderung ist jedoch zu vernachlässigen. Es ist klanglich nicht hörbar, ob jemand mit oder ohne Stütze spielt. Bei einem direkten Vergleich desselben Spielers mit derselben Geige, einmal mit, einmal ohne Stütze, ist unter Umständen ein Unterschied hörbar, das kommt auch auf die Geige an.
Auf jeden Fall wird dieser Unterschied minimal und kaum hörbar sein.

Zusammenfassend muss ich sagen, ich würde unter keinen Umständen auf eine Schulterstütze verzichten. Die Vorteile überwiegen sehr deutlich. Meine Haltung ist durch den Einsatz der Stütze so, dass ich keine orthopädischen Probleme bekommen werde, ich habe keine haltungsbedingten Intonationsschwierigkeiten z.B. bei Lagenwechseln, da ich mein Instrument nicht ständig festhalten muss, und ich kann mich in Ruhe um mein Vibrato kümmern, da die Hand vollkommen frei schwingen kann. Meine Geige wird ausschließlich auf der Schulter gehalten, ohne Zuhilfenahme des linken Arms.

Wenn ich dadurch minimale klangliche Einbußen erleide, kann ich damit sehr gut leben.

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