Gestern kam eine Schülerin zu mir in den Unterricht, mit der ich vor einiger Zeit mit dem Vibrato begonnen habe. Ihr Bewegungsablauf sieht sehr gut aus, und trotzdem klappt es noch nicht so, wie wir beide uns das vorstellen.
Ihr Problem: Sie ist zu aktiv. Anstatt das Vibrato geschehen zu lassen, anstatt sich selbst zuzuschauen, wie die Hand schwingt, versucht sie, jede einzelne Schwingung bewusst, gesteuert auszuführen. Und deshalb ist ihr Vibrato noch ungleichmäßig.
Bei unseren Übungen fiel mir ein Buch ein, das ich vor Jahren gelesen hatte:
W. Timothy Gallwey
Tennis und Psyche
- Das innere Spiel -
Erschienen 1977 bei Wila Verlag München
ISBN 3-87910-132-9
“Was hat denn Tennis mit Geigen zu tun?” werden Sie zu Recht fragen. Ich stellte meinem damaligen Lehrer dieselbe Frage, als er mir vor vielen Jahren den Tip gab. Seine Antwort war klar und wenig aufschlussreich: “Lies!”
Ich las und staunte.
Da beim Tennis ein korrekter Bewegungsablauf ähnlich wichtig ist wie bei der Geige, sind die Probleme, die beim Erlernen und Ausführen dieser Bewegungen auftreten können, durchaus vergleichbar.
Der Untertitel Das Innere Spiel zeigt, dass sich dieses Buch nicht mit technischen Problemen des Returns beschäftigt. Es geht vielmehr um die Selbst-Beobachtung erlernter Bewegungsabläufe und der anschließenden Analyse der Fehler, die möglicherweise aufgetreten sind. Eine Vorgehensweise, die für die geigerische Technik sehr hilfreich sein kann, wenn wir etwaige Verkrampfungen abbauen und weiteren Problemen vorbeugen wollen.
Für unsere Bedürfnisse müssen wir lediglich die Begriffe Aufschlag, Volley und Return durch Vibrato, Lagenwechsel und Spiccato o.ä. ersetzen, je nachdem, wo unsere Problembereiche liegen.
Dieses Buch ist ein Muss für jeden ernsthaften Geiger, denn es hilft in sehr anschaulicher Weise, unsere Denkweise bei komplexen Bewegungen zu verstehen.
Ich schließe mich meinem damaligen Lehrer an: Lesen Sie’s!
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