Buchtip: Tennis und Psyche

by Stefan Maus

Gestern kam eine Schülerin zu mir in den Unterricht, mit der ich vor einiger Zeit mit dem Vibrato begonnen habe. Ihr Bewegungsablauf sieht sehr gut aus, und trotzdem klappt es noch nicht so, wie wir beide uns das vorstellen.
Ihr Problem: Sie ist zu aktiv. Anstatt das Vibrato geschehen zu lassen, anstatt sich selbst zuzuschauen, wie die Hand schwingt, versucht sie, jede einzelne Schwingung bewusst, gesteuert auszuführen. Und deshalb ist ihr Vibrato noch ungleichmäßig.
Bei unseren Übungen fiel mir ein Buch ein, das ich vor Jahren gelesen hatte:

W. Timothy Gallwey
Tennis und Psyche
- Das innere Spiel -
Erschienen 1977 bei Wila Verlag München
ISBN 3-87910-132-9

“Was hat denn Tennis mit Geigen zu tun?” werden Sie zu Recht fragen. Ich stellte meinem damaligen Lehrer dieselbe Frage, als er mir vor vielen Jahren den Tip gab. Seine Antwort war klar und wenig aufschlussreich: “Lies!”

Ich las und staunte. Da beim Tennis ein korrekter Bewegungsablauf ähnlich wichtig ist wie bei der Geige, sind die Probleme, die beim Erlernen und Ausführen dieser Bewegungen auftreten können, durchaus vergleichbar.
Der Untertitel Das Innere Spiel zeigt, dass sich dieses Buch nicht mit technischen Problemen des Returns beschäftigt. Es geht vielmehr um die Selbst-Beobachtung erlernter Bewegungsabläufe und der anschließenden Analyse der Fehler, die möglicherweise aufgetreten sind. Eine Vorgehensweise, die für die geigerische Technik sehr hilfreich sein kann, wenn wir etwaige Verkrampfungen abbauen und weiteren Problemen vorbeugen wollen.
Für unsere Bedürfnisse müssen wir lediglich die Begriffe Aufschlag, Volley und Return durch Vibrato, Lagenwechsel und Spiccato o.ä. ersetzen, je nachdem, wo unsere Problembereiche liegen.

Dieses Buch ist ein Muss für jeden ernsthaften Geiger, denn es hilft in sehr anschaulicher Weise, unsere Denkweise bei komplexen Bewegungen zu verstehen.

Ich schließe mich meinem damaligen Lehrer an: Lesen Sie’s!

Technorati Tags: , , ,

Share and Enjoy:
  • E-mail this story to a friend!
  • Print this article!
  • StumbleUpon
  • Digg
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • blogmarks
  • MisterWong.DE
  • Technorati
  • TwitThis

Related posts

{ 3 comments… read them below or add one }

ute knobloch January 23, 2013 at 22:25

Zwei sehr hilfreiche Bücher zu diesem Problem:

Linda Langeheine: Üben mit Köpfchen.Mentales Training für Musiker

Renate Klöppel:Mentales Training für Musiker. (etwas ausführlicherund anspruchsvoller – vielleicht eher für Profi-Musiker)

Für Kinder und Anfänger oder Wiedereinsteiger:

Linda Langeheine: Üben? – Und wie!? Die Übefibel mit Tipps und Tricks für ei besseres Üben für Kinder ab 10 Jahren und für Alle, die das Üben üben wollen

Reply

Frederica August 21, 2015 at 20:04

Ich fand das Buch “Cello üben” von G. Mantel sehr hilfreich. Es ist wohl für Musikstudenten geschrieben worden, ist aber für den Laien auch verständlich und handelt das systematische Üben allg., das Üben bestimmter Aspekte wie Vibrato, Intonation etc., sowie das Üben schwieriger Stellen und das Auswendiglernen ab.

Ich fand das Buch sehr hilfreich, weil es gerade keine Übungen enthält – nur Notenbeispiele, die aber für das Cello – sondern erklärt, wie man ruhig, systematisch und effizient übt, wie man verhindert, dass man sich zu sehr unter Druck setzt, wie man mit Schwierigkeiten umgeht, wie Üben auch Spaß machen kann ohne immer “das Stück” im Auge zu haben.
Ich hatte vorher sehr gestresst geübt, immer mit dem aktuellen Stück im Blick und bin durch die Lektüre zum richtigen Übungsjunkie geworden und habe ein Jahr fast gar keine Stücke gespielt, sondern nur “Technik” geübt bzw. an einem sehr schweren Stück immer wieder einzelne Aspekte geübt.

In dem Buch wird auch die Parallele zum Sport gezogen.

Reply

checker my works - check my essay December 20, 2017 at 9:30

Their movement looks very good, and yet it will not work, as we both imagine.

Reply

Leave a Comment

Previous post: Was möchten Sie lesen?

Next post: Carbonbögen – reloaded