Das effiziente Üben Teil 10

by Stefan Maus

In der heutigen Folge werden wir uns mit den Akkorden im Violinkonzert g-Moll von Max Bruch beschäftigen.
Dieser Art von Akkorden begegnen wir in zahlreichen Stücken, so dass die Übeweise im großen und ganzen übertragbar ist, egal ob wir Bruch, Vieuxtemps oder Waxman spielen.
Schauen wir uns die Stelle einmal an:

bruchakk01.jpg

Auf den ersten Blick ein Tohuwabohu von Noten, die wir erst einmal sortieren müssen. Wir zerlegen dazu jeden einzelnen dreistimmigen Akkord in leichter spielbare Doppelgriffe:

bruchakk02.jpg

Die Akkorde sollten im Original alle im Abstrich gespielt werden. Durch die Bindung in unseren Doppelgriffen erreichen wir nicht nur, dass wir mit der ersten Bindung bereits den ersten Akkord gebrochen spielen, sondern wir gewährleisten obendrein, dass jeder neue Akkord wieder im Abstrich erscheint. Wir üben also genau das, was auch später gefordert wird.
Auf diese Weise arbeiten wir uns durch die gesamte Stelle hindurch. Wir können dabei taktweise wiederholen, je nach Bedarf.
Sobald ein Intonations- oder Geläufigkeitsproblem auftritt, wiederholen und verbessern wir den betreffenden Abschnitt, bis er sicher sitzt.
Fühlen wir uns sicher genug, gehen wir weiter:

bruchakk03.jpg

Jetzt greifen wir alle drei Töne, spielen jedoch nur einen, den oberen Ton. Anfangs ist das schwierig, wir können aber wahre Wunder bewirken, wenn es um die Intonation geht.
Wichtig dabei ist, dass wir den Original-Fingersatz und -Strich spielen. Aber bitte daran denken: Wir müssen alle drei Töne greifen, kippen den Bogen jedoch auf die E-Saite, so dass nur der oberste Ton erklingt.
Auf diese Weise spielen wir auch wieder die gesamte Stelle. Wenn Ungenauigkeiten auftreten, müssen wir den entsprechenden Abschnitt noch einmal üben, zur Not mit der Version davor.
Wenn wir damit durch sind, gehen wir an die mittleren Noten:

bruchakk04.jpg

Das Prinzip ist dasselbe. Wir greifen alle drei Noten des Akkordes, spielen aber nur die mittlere Note. Dasselbe geschieht dann mit der unteren Note.

Erst, wenn wir diese Übungen bewältigt haben und es obendrein gut und sauber klingt, setzen wir die Stelle zusammen.
Dazu verbinden wir jeden Akkord mit dem darauffolgenden:

bruchakk05.jpg

Wir müssen jeden einzelnen Akkord pflegen. Wenn wir am Schluss die komplette Stelle spielen und ein Akkord zwischendurch aus dem Rahmen fällt, klingt es sonst sehr unschön und fällt sehr negativ auf.
Bei dreistimmigen Akkorden wir hier ist es wichtig, dass alle drei Töne gleichzeitig erklingen. Es sollte kein gebrochener Akkord entstehen, bei dem die Töne nacheinander gespielt werden. “Zielen” Sie mit dem Bogen auf die mittlere Note und streichen Sie mit sehr viel Schwung im Abstrich. “Mit Schmackes!” hätte ein früherer Lehrer von mir gerufen.
Durch den Druck und den Schwung treffen wir gleichzeitig die benachbarten Saiten, und es entsteht ein dreistimmiger Akkord.
Das führen wir dann weiter fort, in dem wir vier Akkorde miteinander verbinden:

bruchakk06.jpg

Wenn wir auch damit erfolgreich waren, müssten wir die Stelle im ganzen spielen können. Notfalls müssen wir einzelne Akkorde noch einmal wiederholen.
Wenn Sie sich an diese Anleitung halten, sollten Sie die anfangs so schwierig erscheinende Passage innerhalb weniger Stunden in einer sehr guten Qualität spielen können.

Ich wünsche Ihnen viel Freude dabei!

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{ 1 comment… read it below or add one }

Carolin January 20, 2009 at 14:55

Ich bin wie immer begeistert!:-)

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