In der vergangenen Woche bekam ich eine Zuschrift mit der Bitte, ich möge mich etwas eingehender mit dem Einüben schneller Läufe und Aufgänge auseinandersetzen.
In dieser Folge schauen wir uns einige Takte aus dem Violinkonzert Nr. 1 von Max Bruch an:

Etwas weiter unten finden wir eine Parallelstelle, deren Lauf wir heute auseinandernehmen werden:

Ein etwas unangenehmer Lauf, bei dem überdies die Übearbeit durch die Septole erschwert wird. Wir können hier kaum unsere bekannten und gängigen Rhythmus-Veränderungen einsetzen, da der Lauf auch relativ kurz ist und die Septole nicht in unser Vierer-Schema passt.
Ich persönlich tendiere dazu, solche Läufe “von hinten” aufzurollen. Das hat den Vorteil, dass ich den schwierigsten Teil, die hohe Lage, bereits geübt und quasi in der Hand liegend habe. Damit richtet sich alles, was ich darüber hinaus übe, nach den Gegebenheiten, die die Hand später in der hohen Lage vorfinden wird.
Wir beginnen also am Schluss des Aufgangs:

Dabei ist darauf zu achten, dass der Strich und die Bogeneinteilung dem Original entsprechen. Ebenso natürlich der Fingersatz.
Wenn die Intonation in Ordnung ist, sollten wir versuchen, diese Töne auch im Originaltempo zu spielen.
Danach gehen wir ein Stück weiter nach vorn:

Ich habe hier bewusst auf die Einzeichnung von Fingersätzen verzichtet, da die meisten Geiger ihre eigenen Vorstellungen vom grifftechnischen Optimum haben. Vielfach wird aber das “D” noch in der dritten Lage mit dem vierten Finger gespielt, danach folgt der Lagenwechsel zum “G” mit dem zweiten Finger in der achten Lage.
Auf diese Weise üben wir den Lagenwechsel. Sollten wir hier Probleme bekommen, müssen wir den Lagenwechsel isoliert üben, also nur bestehend aus den beiden Tönen “D” und “G”.
Wenn wir damit glücklich sind, kleben wir wieder ein Stückchen dran:

In diesen Schluss-Aufgang kommen wir durch die Sechzehntelbewegung, die wir hier gesondert üben:

Danach setzen wir zusammen, was wir bisher geübt haben:

Jetzt kommt der interessanteste Teil für uns. Wir haben, wie erwähnt, eine Septole vorliegen, die rhythmisch etwas schwieriger vorzustellen und zu üben ist. Erfahrungsgemäß werden solche Gruppen leichter spielbar, wenn wir sie in Gedanken in leichter fassbare Gruppen einteilen.
In unserem Fall könnten wir uns zuerst eine Triole und dann eine normale Vierergruppe vorstellen:

Um Missverständnissen vorzubeugen – wir spielen diese Gruppe nicht auf diese Weise. Wir stellen sie uns nur dergestalt vor und üben sie auch entsprechend. Im Zusammenhang gespielt entsteht wieder eine Septole.
Beginnen wir mit dem Üben dieser Gruppe:

Auch hier rollen wir den Aufgang von hinten auf. Sollten wir Probleme bekommen, zerlegen wir die Vierergruppe weiter.
Wenn wir im Originaltempo angelangt sind, üben wir den ersten Teil der Septole:

Sie sehen, wir beschränken uns niemals auf die zu übende Gruppe sondern hängen immer mindestens den ersten Ton der folgenden Gruppe an, um von vornherein etwaige Nahtstellen unhörbar zu machen.
Da diese Gruppe sehr unangenehm zu spielen ist, hängen wir noch einen weiteren Ton an:

Und gleich noch einen weiteren:

Denken Sie bitte daran, die fehlerfreien Wiederholungen sind immens wichtig. Nur durch das Wiederholen lernen wir eine Stelle. Wenn Sie eines der abgedruckten Beispiele fehlerfrei im Tempo spielen können, wiederholen Sie es vier- oder fünfmal. Erst danach sollten Sie zum nächsten Beispiel übergehen.
Wenn wir diesen Teil bewältigt haben, setzen wir auch diesen Abschnitt des Laufs zusammen:

Danach können wir versuchen, den gesamten Aufgang wie anfangs abgedruckt zu spielen. Die Chancen stehen gut, dass es jetzt klappen wird!












