Das Lampenfieber Teil 1

by Stefan Maus

Musik ist etwas Schönes. Erst recht, wenn wir anderen Menschen damit eine Freude bereiten können. Trotzdem haben viele Musiker mit Lampenfieber zu kämpfen, das manches Mal so stark ist, dass das Spiel darunter leidet.
In dieser Serie will ich versuchen, dem einen oder anderen bei der Bekämpfung von allzu großem Lampenfieber zu helfen.

Was ist Lampenfieber?

Der deutsche Ausdruck Lampenfieber schildert nur ungenügend das Problem. Weitaus treffender ist der englische Ausdruck stage fright, also Bühnenangst. Wir haben Angst vor der Bühne, Angst vor dem Auftritt, Angst davor, uns zu blamieren.
Jeder Mensch hat anders gelagerte Ängste, jeder geht anders damit um, und bei jedem Menschen hat die Angst andere Auswirkungen.
Entsprechend schwierig ist es, allgemeingültige Aussagen zu treffen, wie das Problem in den Griff zu bekommen ist, weil es sich bei jedem in anderer Weise äußert.
Lampenfieber ist ein psychologisches Phänomen, das nichts mit Technik zu tun hat.

Wovor haben Sie eigentlich Angst?

Haben Sie sich einmal diese Frage gestellt? Angst ist häufig etwas irrationales, und so lange wir nicht wissen, wovor wir überhaupt Angst haben, können wir wenig dagegen tun. Wir können nur die Angst bekämpfen, die wir kennen, die wir benennen können.
Sehen wir uns einige Beispiele aus dem täglichen Leben an. Stellen Sie sich die Frage, woraus Ihre Angst besteht, wie sie begründet ist.

Haben Sie Angst vor Arbeitslosigkeit?
Sie können im Vorfeld bereits etwas gegen diese Angst tun, in dem Sie z.B. einen Nebenberuf ergreifen, wenn es möglich ist, oder Sie legen genügend Geld auf die hohe Kante, das Ihnen über die ärgste Zeit hinweghelfen kann. Oder Sie versuchen, reich zu heiraten, oder Sie machen sich von vornherein selbständig.

Haben Sie Angst vor dem Fliegen?
Besuchen Sie entsprechende Seminare, lernen Sie etwas über die Fliegerei, so dass Sie die Abläufe besser verstehen, sprechen Sie mit Piloten oder mit Fluglotsen.

Haben Sie Angst vor Spinnen?
Versuchen Sie, die Faszination dieser kleinen nützlichen Tiere zu erfassen, beginnen Sie mit kleinen Spinnen und arbeiten sich langsam zu den größeren Exemplaren vor.

Diese Tips müssen nicht unbedingt funktionieren, ich bin auch kein Experte für Arachnophobie. Es geht nur darum, dass Sie sich zunächst im Klaren darüber sein müssen, wie Ihre Angst genau aussieht.

Stellen Sie sich die Situation auf der Bühne vor. Das Orchester oder der Pianist sitzen hinter Ihnen, das Publikum, 2000 Menschen in ausverkauftem Haus, sitzen vor Ihnen, erwartungsvoll, das Saal-Licht geht aus, die Scheinwerfer an, es wird still, das letzte Geknister des Bonbonpapiers der alten Dame in der dritten Reihe verstummt, und Sie beginnen, Ihre Geige zu stimmen.

Wovor haben Sie in diesem Augenblick genau Angst?

Diese Vorstellung können und sollten Sie sehr konzentriert, am besten mit geschlossenen Augen in einer ruhigen Minute ablaufen lassen. Werden Sie sich bewusst, was in Ihnen geschieht. Trainieren Sie diese Vorstellung. Gewöhnen Sie sich mental an diese Situation. Der Schock, dann plötzlich in der Realität auf der Bühne zu stehen ist zum einen geringer, zum anderen können wir in der nächsten Folge deutlich besser an diesen Ängsten arbeiten.

Ich bitte Sie, liebe Leserinnen und Leser, schreiben Sie einmal auf, wovor Sie auf der Bühne Angst haben und verfassen Sie einen Kommentar!
Ich werde dann in den nächsten Folgen genau auf Ihre Probleme eingehen.

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{ 10 comments… read them below or add one }

Sophia April 25, 2009 at 9:17

Mein Buchtipp: Gerhard Mantel: “Mut zum Lampenfieber”

AUF derBühne habe ich kein Lampenfieber, hinter der Bühne bin ich dafür besonders aufgeregt, es könnte ja so vieles schief gehen- eine Saite könnte reißen, eine Gedächtnislücke könnte kommen, die Finger könnten zittern, der Dirigent oder Pianist könnten das falsche Tempo wählen…… Dagegen hilft nur gute Vorbereitung. Diese Art von Kopfkino produziert doch erst richtiges Lampenfieber. Deshalb finde ich es besser sich genau vorzustellen wie man eine sehr gute Vostellung spielt. Man geht auf die Bühne, erwartungsvolles Schweigen im Saal, alle sind gekommen um mich Geigen zu hören, man verbeugt sich, stimmt die Geige, absolute Stille, man fängt an zu spielen, das Gefühl ist so gut, dass man besser als je zuvor spielt, danach riesiger Applaus, den Zuhörern hat es gefallen und was die Kritik schreibt ist doch egal, die Zuhörer werden ja beim nächsten Konzert wieder kommen.

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Stefan Maus April 25, 2009 at 11:00

Das ist großartig, wenn man von sich sagen kann, dass man auf der Bühne kein Lampenfieber hat. Leider geht es sehr vielen Musikern anders. Und diese Menschen müssen durch das Kopfkino erkennen, wo ihre Ängste liegen. Aufgeregt sind wir sowieso, und das ändert sich durch das Kopfkino auch nicht.
Wir können nicht an unseren Ängsten arbeiten, wenn wir nicht einmal wissen, wovor wir uns fürchten. Wenn wir uns nur ein schönes Konzert vorstellen müssen, um das Lampenfieber abzustellen, wäre das Leben viel einfacher…

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Deb April 25, 2009 at 11:35

Ich habe es nicht so verstanden, dass ich mir ein Katastrophenkonzert vorstellen soll. Stattdessen sollte ich herausfinden, wovor genau ich Angst habe, wenn das Lampenfieber in mir hochkommt.

Und ich muss sagen, das ist gar nicht so einfach!

Bogenzittern? Grobes Verspielen? Verkrampfte Finger? Nein, nicht wenn ich so gut vorbereitet bin.

Ich habe wahrscheinlich eher Angst davor, dass ich mich nicht konzentrieren kann und dann blockiert bin.

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Herald April 26, 2009 at 16:03

Mein Lampenfieber hat mit Geige nichts zu tun. Ähnlich unangenehm fühle ich mich dann, wenn ich vor mehreren Menschen die Aufmerksamkeit erlange. Sogar dann, wenn ich mich in einer Runde mit einigen Sätzen vorstellen muss. Es hat also nichts mit Leistungsdruck oder einer schlechten Vorbereitung zu tun.
Oft liest man Kritiken über Prominente: Er kommt sehr angenehm rüber, weil er sich nicht so wichtig nimmt. Ich nehme mich wahrscheinlich zu wichtig vor der Öffentlichkeit. Bei einer Aufführung mit der Geige würde sich das so äußern, dass ich nur an die Stellen denken könnte, wo ich Schwierigkeiten habe. Diese Konzentration darauf, keinen Fehler zu machen, würde jegliches Leben aus der Darbietung nehmen.

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Valerie April 26, 2009 at 22:33

Ich habe Angst davor nervös zu werden, denn ich sage nur dort zu mit- oder vorzuspielen, wenn ich weiß, dass die ich die Stücke bewältigen kann und ich weiß auch, dass Fehler menschlich sind. Also habe ich weder Angst vor Versagen noch vor Überforderung, sondern nur Angst davor vor dem Publikum nervös zu werden (inklusive Bogenzittern, Flüchtigkeitsfehlern, rutschende, verkrampfte linke Hand,…); ich habe also Angst vor der Angst. …eigentlich eine dumme Angst.

Ich habe auch festgestellt, dass ich mehr Angst habe vor 10 mir bekannten Menschen zu spielen als vor 200 Unbekannten. Die Zahl der Zuschauer ist also unwichtig, allein WER im Publikum sitzt ist von Bedeutung.

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Carolin April 29, 2009 at 20:42

ok,also nachdem ich mir jetzt die nächste Vorspielsituation mehrmals vorgestellt habe und ganz tief in mich hineingehorscht habe,kann ich folgendes feststellen:
-Die Blicke der Leute im Publikum nehme ich ziemlich bewusst wahr.Besonders am Anfang,wenn ich die Bühne betrete.Alle Blicke sind auf mich gerichtet und das macht mich glaube ich auch unkonzentriert,da ich mich selten vollkommen auf die Musik einlasse,sondern eher dabei zu viel nachdenke welche schwere Stelle gleich folgt und mich von kleinen Unsauberkeiten schon aus der Ruhe bringen lasse.
-Angst habe ich auch vor dem Bogenzittern,welches ich leider nie ganz vermeiden kann.Und gerade bei langsamen Stücken hört man es deutlich,worunter der klang auch leidet.
-Wie Valeire ja auch schon angesprochen hat,kommt es bei mir auch eher drauf an,WER im Publikum sitzt.Wenn meine Familie zuhört bin ich schon deutlich angespannter.Dabei ist es nicht der Fall,dass meine Familie übertrieben ehrgeizig ist und ich ihre Erwartungen immer erfüllen muss.Dennoch habe ich das gefühl,dass ich beweisen muss,dass ich überzeugend spielen kann.und da wären wir schon beim nächsten Punkt:
-ich habe ebenfalls Angst davor,mir nach dem Vorspiel eingestehen zu müssen,dass ich nicht so gespielt habe,wie ich es von mir selbst erwartet habe und wie ich es eigentlich hätte spielen können.Somit stehe ich natürlich auch unter dem Druck,bloß nicht schlechter zu spielen,als es eigentlich möglich wäre.Oft ist es nämlich so,dass ich kurz nach dem Vorspiel das Gefühl habe,wenn ich jetzt direkt noch Mal spielen könnte,würde es viel besser werden.Es ist also sozusagen immer der 1. Anlauf,der nicht zufiedenstellend ist.
-vor so Dingen wie,dass mir eine Saite reißt oder Ähnliches habe ich überhaupt keine Angst,da ich das nicht beeinflussen kann.Ich habe also vielmehr Angst davor,meinen eigenen Erwartungen nicht gerecht zu werden.

So,ist ganz schön lang geworden.ich habe mir mit der Antwort bewusst etwas Zeit gelassen,da ich die Gründe wirkt versucht habe zu erforschen und ganz ehrlich dabei zu sein.ich hoffe,das ist mir gelungen und dass Sie damit etwas anfangen können.ich habe sogar fast schon das gefühl,dass es ein wenig geholfen hat,das Ganze Mal aufzuschreiben.Das nächste Vorspiel steht in einer Woche an und vielleicht gelingt es mir,meine Angst ein bischen mehr in den griff zu bekommen allein schon dadruch,dass ich mir mal wirklich bewusst gemacht habe,WOVOR ich Angst habe.Denn wie Sie ja bereits sagten,ist das der erste Schritt um gegen die Angst vorzugehen.
Vielen Dank für die Hilfe:-)

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Sesel April 30, 2009 at 11:13

Wenn ich mit der Geige vor dem erwartungsfrohen Publikum stehe, denke ich “Oh Gott, jetzt darf nichts schiefgehen!”, und schon bin ich gedanklich bei den schwierigen Stellen im Stück. Ich nehme beim Spielen nicht mehr die Musik wahr, sondern beobachte meine Finger, meine Intonation und denke zu sehr mit, was ich gerade tue. Wenn ich aber bei einem Stück, das ich eigentlich kann, plötzlich überlege, welcher Finger nun wohin gehört, komme ich zwangsläufig ins Stolpern. Am besten spiele ich eben doch, wenn ich die Musik beim Spielen genieße, als wäre ich selbst nur Zuhörer. Diese Entspanntheit habe ich vor Publikum nicht.

Auch die Erfahrung, vor anderen weit unter meinem “eigentlichen” Niveau zu geigen (Bogenzittern, Intonation wird gruselig, lange Töne klingen “kurzatmig”, etc.), bewirkt nur, dass ich von vornherein erwarte, beim nächsten Auftritt wieder so schlecht zu spielen. Ich möchte, dass das Publikum die Musik genießen kann und nicht nur hofft, dass ich doch endlich fertig sein möge, weil es so unerträglich klingt. Ich möchte gern das zeigen können, was ich tatsächlich kann und dafür auch Anerkennung erhalten. Selbst wenn nach einem misslungenen Vortrag Zuhörer sagen, ich hätte schön gespielt, kann ich das nicht ganz ernst nehmen.

Ich denke, der Wunsch nach Anerkennung ist ein wichtiger Punkt beim Lampenfieber, auch wenn man sich dieses Bedürfnis schwer eingestehen kann. Bei Profis mag diese Angst weniger irrational sein, da mitunter die finanzielle Zukunft auf dem Spiel steht.

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Hier bitte Name einfüllen May 18, 2011 at 18:00

Ich finde den Begriff Lampenfieber gar nicht so schlecht es kommt ja meist, wenn man im Rampenlicht steht (als vor einer hellen Lampe:)

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Thomas March 14, 2012 at 23:29

Eine schöne, vierteilige Reihe. Ich fand es sehr interessant, das Problem Lampenfieber mal durch die Augen eines Geigers zu sehen, da ich selber Gitarrist bin. Den Übe-Tipp, die Problemstellen besonders getrennt zu üben, kann ich nur voll und ganz unterstreichen. Oft neigen Anfänger dazu, das ganze Stück immer wieder von vorn nach hinten durchzuspielen, anstatt sich auf die besonders überelevanten Stellen zu konzentrieren.

Das Imaginieren der Auftrittssituation finde ich auch wichtig. Ich würde allerdings den Fokus auf den positiven Verlauf des Auftritts legen. Ein paar Tipps habe ich hier: http://www.hilfe-bei-lampenfieber.de/tipps-gegen-lampenfieber.html

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Laura December 23, 2012 at 13:12

Mir geht es wie Valerie: Ich spiele schon seit Jahren vor und dennoch leide ich immer wieder unter Lampenfieber.
Auch wenn andere total dankbar und froh sind, dass ich vospiele… ich bin nie wirklich zufrieden mit meinem Spielen. Wenn es ganz schlimm ist, äußert es sich so, dass meine Bogenhand zittert und ich mich nicht traue, die Töne lange und schön kräftig zu spielen. Am liebsten würde ich dann aufhören und weglaufen und doch kämpft man sich immer wieder durch. Mich ärgert das jedesmal, da ich nicht zeigen kann, wie schön es wirklich klingen kann.
Und genau davor habe ich Angst, dass ich schon wieder zittere und in einer unausweichlichen Situation bin. Wie peinlich wäre es doch, wenn ich vor Aufregung nicht mehr weiterspielen könnte? Also “Angst davor, Angst zu haben”… wie paradox! Aber wie kommt man davon los?
Ich möchte doch auch mal den Auftritt genießen und nicht immer mit zitternden Knien vorne stehen!

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