Bei der Lektüre einschlägiger Foren stoße ich immer wieder auf Meldungen wie “ich habe im Schrank eine Stradivari meines Großvaters gefunden, was ist die wert?”
Als Antwort kommt dann häufig etwas wie “keine Ahnung, aber ich habe auch zwei davon”. Neulich erzählte mir mein Friseur, er hätte bei ebay für 300 Euro eine Strad ersteigert, nun hoffe er, endlich reich zu sein. Der Geigenbauer schätzte das Instrument auf etwa 400-600 Euro.
Wenn man sich all diese Beiträge allein in deutschsprachigen Foren anschaut, bekommt man den Eindruck, der arme Antonio Stradivari hätte in seinem Leben zehntausende von Geigen bauen müssen, von den Bratschen und Celli gar nicht zu reden.
Tatsache ist, dass Stradivari wohl etwa 1000 bis 1200 Instrumente gebaut hat, aufgeteilt in Geigen, Bratschen, Celli und Gitarren. Es soll sogar eine Harfe dabei gewesen sein.
Erhalten geblieben sind knapp 700 Instrumente, von denen die Geigen nur einen Teil ausmachen. Viele davon sind im Besitz von Museen und werden gelegentlich an Solisten ausgeliehen, einige sind im Privatbesitz, wieder andere dienen als Geldanlage für Geschäftsleute und fristen z.T. ihr Dasein ungenutzt in Vitrinen.
Gerade in den letzten Jahrzehnten ist der Name Antonio Stradivari auch außerhalb von Fachkreisen bekannt geworden, hauptsächlich wegen der mitunter märchenhaften Summen, die bei Versteigerungen seiner Instrumente gezahlt werden. Das ist natürlich auch interessant für Hersteller, die ihre Instrumente maschinell in Fernost herstellen. Das Instrument aus Presspappe oder Sperrholz wird mit einem entsprechenden Aufkleber versehen und auf den Markt geworfen. Manchmal sogar mit unsinnigen Jahreszahlen, zu denen Stradivari entweder schon längst tot oder noch nicht geboren war. Gemeint ist auf Nachfrage selbstverständlich das “Modell Stradivari”, man wolle doch keine Kunden betrügen.
Leider fallen doch immer wieder Käufer sogar auf die Fabrik-Strads herein.
Daneben gibt es zahllose Kopien in Handarbeit, häufig von tüchtigen Geigenbauern, die tatsächlich nach dem “Modell Stradivari” gebaut haben und nicht im Traum die Absicht hatten, eine Fälschung herzustellen. Sie haben lediglich die Maße und die Form übernommen und das Instrument nachgebaut, so gut sie eben konnten. Oft sind diese Instrumente klanglich sehr schön, mit einer Stradivari haben sie jedoch nichts zu tun. Auf dem Geigenzettel steht oft sogar ein Hinweis, dass es sich um ein Modell einer Stradivari handelt.
Sollte also jemand eine “garantiert echte Stradivari” zu einem Preis angeboten bekommen, der deutlich unter dem einer hübschen Eigentumswohnung in bevorzugter Lage angesiedelt ist, sollte er/sie dem Angebot mit einer gehörigen Portion Skepsis begegnen.
Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist es keine Strad.
Auf jeden Fall sollte der erste Gang zu einem guten Geigenbauer sein, bei sehr teuren Angeboten oder Zweifelsfällen z.B. nach Amsterdam oder London, denn dort gibt es die Möglichkeit, dass sich die Spezialisten mit elektronischen Möglichkeiten des Problems annehmen und auch ggf. eine wasserdichte Expertise erstellen.
In Internet-Foren bekommt man mit Sicherheit keine befriedigende Antwort auf die Frage, was denn nun die Stradivari vom Dachboden wert ist.
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DANKE!!!
Schön, dass das endlich mal jemand öffentlich zu Papier bringt.
Hoffentlich erspart einem das jede Menge nervige Diskussionen!
By the way: Klasse, Dein Blog. Gefällt mir sehr gut! Immer schön fleißig weiter schreiben!
Debbie.
Gut, dass dieses Problem endlich mal aufgedeckt wird!
Danke dafür.
Allerdings gehört eine Stradivari für mich auf keinen Fall in eine Vitrine! Solche Instrumente sind dazu da gespielt zu werden. Und zwar von jemandem, der sie gut behandelt.
Ganz meine Meinung. Viele finanzkräftige Investoren sehen Geigen jedoch als eine Form der Geldanlage und haben weder Ahnung noch Interesse am eigentlichen Instrument.
Solange der Wert steigt, behalten sie die Geige, wenn die Entwicklung stagniert, trennen sie sich davon und investieren in Gold, Diamanten, Fremdwährungen, Immobilien, am Boden liegende Firmen, je nachdem, was gerade Erfolg verspricht.
Seit 1949 ist der Bau von Geigen, die als Stradivari verkauft werden (mit entsprechendem Zettel bzw. Druck innen)in der BRD Urkundenfälschung. Allerdings gibt es aus der Zeit davor wunderschöne Kopien, die auch – und das zu Recht – einen stolzen Preis haben. Der ist aber nicht mit dem einer echten Strad vergleichbar. Wahrscheinlich liegen auch einige dieser Kopien in den Vitrinen…:-)