Die verhasste Tonleiter Teil 8

by Stefan Maus

Heute beschäftigen wir uns mit einer Art von Tonleiter, die eher etwas für Fortgeschrittene ist. Sehen Sie sich bitte einmal folgende Passage an:

Wien01.jpg

Ich habe bewusst die Fingersätze eingetragen, die wir bisher für Oktaven verwendet haben. Es handelt sich hierbei um eine Stelle aus dem ersten Satz des Violinkonzerts Nr.2 in d-Moll von Wieniawski.
Dieser Satz ist bezeichnet mit Allegro moderato, also für unsere Sechzehntel schon recht schnell. Mit oben abgedrucktem Fingersatz würden wir, ähnlich einer Sirene, eher einen Glissando-Effekt erzielen als die gewünschten Sechzehntel, zumal die Oktaven auch noch gebunden werden sollten.

Die Lösung dieses Problems liegt in den sogenannten Fingersatz-Oktaven:

Wien02.jpg

Der Vorteil liegt auf der Hand. Wir rutschen nicht mit beiden Fingern von Ton zu Ton, sondern wir spielen oben wie unten eine Art Tonleiter.
Der Nachteil liegt darin, dass wir mit der Hand unsere gewohnte Stellung etwas verändern müssen. Die Fingerstellung, die sonst für eine Septime zuständig ist, also 1-3 und 2-4, muss jetzt etwas weiter greifen, um jetzt die Oktave zu spielen.
Anfangs wird die Intonation schwierig sein, aber Flesch hat in seinem Skalensystem unter der Nr. 9 auch hier wieder einige Übungen geliefert.

Beginnen wir mit halben Noten:

fsokt01.jpg

Falls wir hier Probleme bekommen sollten, können wir diese Übung weiter zerlegen:

fsokt02.jpg

Hier gelten natürlich überall die abgedruckten Fingersätze. Wenn diese Version sauber ist, gehen wir weiter und verbinden die einzelnen Oktaven miteinander:

fsokt03.jpg

Wenn wir uns hier wohlfühlen, können wir das Tempo steigern, auf Viertel gehen, Bindungen einbauen usw., wie wir es sonst im Flesch gewöhnt sind.

Anfangs wird es eine Weile dauern, bis Intonation und Sicherheit stimmen. Der Zeitaufwand lohnt sich jedoch sehr, denn Passagen wie o.a. aus dem Wieniawski-Konzert werden erst mit Fingersatz-Oktaven akzeptabel spielbar. Alles andere wäre lediglich ein Provisorium.

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{ 5 comments… read them below or add one }

Angela Eisele November 10, 2009 at 20:30

Hoffentlich finden Sie es nicht aufdringlich, aber da Sie schon längere Zeit Ihren wirklich vorzüglichen Blog nicht mehr aktualisiert haben hoffe ich, Sie sind gesund und wohlauf.
Schon längst wollte ich mich eigentlich bei Ihrem Geigenforum registrieren lassen, aber ich bin zeitlich meistens recht knapp und komme mitnichten regelmäßig zur Lektüre – geschweige denn zu hin und wieder einem Beitrag.
Herzliche Grüße
Angela Eisele

Reply

Susanne und Silke December 27, 2009 at 19:55

Hallo Angela!
Eben haben wir an Dich gedacht und Dich einfach mal gegoogelt. Wie geht’s denn so? Melde Dich mal!
Würden uns freuen, von Dir zu hören.
Viele Grüße
Susanne und Silke

Reply

Susan January 29, 2012 at 14:59

I need help! I played the violin at school and All-City Orchestra from 7-18 years of age. Of course, I am not good anymore being 47, but I am sure I still know my notes. My husband played drums and he insists that violin notes also have an”H” on the scale. I am in a dilemna as I insisted there is no “H” only, A,B.C.D.E.F.G along with sharps, flats, bla bla bla, but no “H”. If he is correct, would someone tell me how to play an “H” on a violin? If he is wrong, please tell me. I was concert mistress the last 5 years in high school, and he will habe proven me an idiot! Thank you and God Bless!

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Stefan Maus January 29, 2012 at 16:29

No problem at all. :)
A,B,C,D etc. together with flats and sharps concerns the English language solely. Your husband is right when it comes to the German language. Probably he is German.
English B is German H
English B flat is German B
So if he tells you to play an H, just play your B as usual, when he tells you to play a B, take your B flat and you should be ok.

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buy college essay January 18, 2017 at 11:58

Nice post.I am more than ever impressed through your approach of look in this blog. It shows your visualization. important attempt you take in through in this blog. Thanks for sharing.

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