Das effiziente Üben Teil 4

by Stefan Maus on November 30, 2008

Um einige weitere Übemethoden zu demonstrieren, gehen wir im Brahms-Konzert einige Takte weiter:

Bild-1.jpg

Konzentrieren wir uns heute auf den ersten Aufgang, der schon schwierig genug ist, wenn wir ihn wirklich gut spielen wollen.
Eine gewisse Grund-Intonation sollte vorhanden sein. Notfalls müssen wir die Noten Intervall für Intervall üben, wie wir es bereits hier getan haben.

Ein sehr schwieriger Punkt dieses Aufgangs ist der Sprung von der letzten Sechzehntel in den Akkord. Nachdem die Töne des Akkords geklärt sind, müssen wir von der ersten Lage in die dritte Lage gelangen, um diesen Akkord spielen zu können. Wir üben auch das wieder in kleinen Abschnitten:

Bild-2.jpg

Nach vier oder fünf Wiederholungen vergrößern wir den Abschnitt:

Bild-3.jpg

Bitte achten Sie darauf, dass Sie den Original-Strich und -Fingersatz spielen. Andernfalls üben Sie Dinge, die Sie im Zusammenhang niemals benötigen.

Wenn wir sicherer geworden sind, können wir uns den gesamten Lauf vornehmen. Wir hatten uns in einem älteren Beitrag schnelle Vierergruppen angeschaut und wie wir sie am besten bewältigen können. Ich hatte dort auch etwas genauer die Übeweise erklärt. Diese rhythmischen Veränderungen können wir jetzt einsetzen.
Beginnen wir mit der ersten:

Bild-4.jpg

Achten Sie bitte auch hier darauf, dass Sie immer den richtigen Fingersatz und Strich spielen, was mitunter schwierig sein kann, wenn Sie den Rhythmus verändern. Der Übe-Effekt ist jedoch sehr groß.
Beim Tempo sollten wir darauf achten, dass wir die Sechzehntel mindestens im Originaltempo, das wir uns ausgesucht haben, üben. Angenommen, wir haben uns Viertel=60 ausgewählt. Durch die rhythmischen Veränderungen wechselt unser Takt von einem 3/4 in einen 3/8 bzw. 12/8-Takt. Wir müssen also Achtel zählen, das Metronom somit auf Achtel=120 stellen.
Wenn wir einige Wiederholungen fehlerfrei bewältigt haben, gehen wir zur nächsten Rhythmus-Version:

Bild-5.jpg

Das wird schon etwas schwieriger, da sich der Rhythmus verschiebt. Nach einigen Wiederholungen kommt wieder eine etwas leichtere Formel:

Bild-6.jpg

Wenn wir diese Formel unfallfrei hinter uns und noch genügend Kraft und Konzentration übrig haben, kommt die schwierigste Version an die Reihe:

Bild-7.jpg

Widerstehen Sie der Versuchung, vorher schon den Aufgang zusammensetzen zu wollen. Spielen Sie die komplette Passage erst dann im Zusammenhang, wenn Sie die letzte Formel einige Male fehlerfrei hinter sich gebracht haben. Wenn Sie sich genau daran halten, garantiere ich Ihnen ein völlig neues - und besseres - Spielgefühl bei diesem Aufgang.

Technorati Tags:
,

Share and Enjoy:
  • E-mail this story to a friend!
  • Print this article!
  • StumbleUpon
  • Digg
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Google
  • blogmarks
  • MisterWong.DE
  • Technorati
  • TwitThis

{ 0 comments }

Das effiziente Üben Teil 3

by Stefan Maus on November 23, 2008

Fassen wir noch einmal zusammen, liebe Leserinnen und Leser, wenn wir auf unserem Instrument wirklich weiterkommen und größtmögliche Präzision erreichen wollen, dürfen wir uns nicht verleiten lassen, zu viel und zu häufig unsere Stücke lediglich durchzuspielen, vor allem nicht in der Anfangsphase der Erarbeitung eines neuen Werkes.
Wir müssen unter allen Umständen vermeiden, dass wir uns Ungenauigkeiten oder gar Fehler einüben, die dann nur schwer wieder zu reparieren sind.

Wie gehen wir am besten an ein neues Stück heran?

Das hängt natürlich immer davon ab, wie schwierig dieses Stück für uns zu spielen ist. Generell sollten wir uns aber anfangs vor allem darum kümmern, dass wir eine saubere Intonation erreichen.
Wir zerlegen das Werk in seine Bestandteile, notfalls Takt für Takt und Note für Note, wenn wir unsicher sind. Die Stellen, die wir beherrschen, müssen wir natürlich nicht so häufig üben wie diejenigen, die uns noch Schwierigkeiten bereiten.

Sehen wir uns gemeinsam folgendes Stück an:

Brahms-T1-8.jpg

Wie Sie sehen, handelt es sich um die ersten Takte des Violinkonzerts von Johannes Brahms, zweifellos ein recht schwieriges und anspruchsvolles Werk.

Gehen wir einmal vom schlimmsten Fall aus: Es stimmt buchstäblich fast kein Ton. Alles ist unsauber und unsicher, die Lagenwechsel sind ein Lotteriespiel, von den Oktaven gar nicht zu reden.
Beginnen wir mit den ersten Tönen, am besten Intervall für Intervall:

Brahms01.jpg

Wie oft wir die einzelnen Intervalle wiederholen, hängt davon ab, wie “wach” wir noch sind, ich würde aber auch hier nicht häufiger als fünf- oder sechsmal wiederholen. Besser ist es, dann das nächste Intervall zu üben und danach wieder zum ersten zurückzukehren, wenn noch Übebedarf besteht.

Sie sehen, dass ich auch hier Striche eingezeichnet habe. Das hat den Sinn, dass wir die entsprechenden Intervalle mit exakt demselben Strich einüben, wie er auch im Zusammenhang auftreten wird.
Takt 2 also mit Abstrich anfangen, Takt 3 unbedingt mit Aufstrich, da im Original das “f” auch im Aufstrich gespielt wird.

Gehen wir an den nächsten Teil, unseren ersten Lagenwechsel in die fünfte Lage:

Brahms02.jpg

Auch hier wieder bitte mit dem Originalstrich spielen. Lagenwechsel üben wir am besten in beide Richtungen, also hinauf und wieder hinunter, um die Abstände der Bewegung besser einschätzen zu können.

Es folgt der erste schwierigere Teil:

Brahms03.jpg

Notfalls müssen wir uns auch hier wieder Intervall für Intervall vortasten. Die Oktave ist nicht so schwierig, wenn wir den ersten Finger stehenlassen und nur den vierten Finger zusätzlich aufsetzen. Auch diesen Teil wiederholen wir, wie gewohnt, etwa fünfmal und beginnen, die Quintole zusammenzusetzen:

Brahms04.jpg

Das müsste jetzt schon ganz gut klappen, da wir den Lagenwechsel bereits einzeln geübt haben. Wenn wir wollen, können wir jetzt vom Anfang des Stückes bis zur ersten Oktave spielen, um zu schauen, was bei uns hängengeblieben ist.

Wenn das soweit geklappt hat, wagen wir uns an die Oktaven. Zunächst spielen wir sie nacheinander, dann als Doppelgriff:

Brahms05.jpg

Es ist immer leichter, einen Doppelgriff nacheinander zu greifen als gleichzeitig. Auf die Weise lernen wir, wie groß die Abstände vom ersten zum vierten Finger sein müssen. Durch den Doppelgriff danach können wir kontrollieren, ob wir auch wirklich eine saubere Oktave getroffen haben.

Dann geht es daran, die einzelnen Oktaven, wenn sie als solche sauber sind, miteinander zu verbinden:

Brahms06.jpg

Da wir hier wieder Lagenwechsel vorliegen haben, gilt dasselbe wie oben:
Wir üben sie in beide Richtungen, um den korrekten Abstand zu gewährleisten.

In der nächsten Folge wagen wir uns wieder ein Stückchen weiter in diesem Violinkonzert. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Üben!

Technorati Tags:
,

Share and Enjoy:
  • E-mail this story to a friend!
  • Print this article!
  • StumbleUpon
  • Digg
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Google
  • blogmarks
  • MisterWong.DE
  • Technorati
  • TwitThis

{ 0 comments }

Das effiziente Üben Teil 2

by Stefan Maus on November 16, 2008

Wie wir in der letzten Folge gesehen haben, ist es für uns von großer Wichtigkeit, in kleineren Abschnitten zu üben, um damit zu gewährleisten, dass wir die benötigten Wiederholungen auch fehlerfrei bewältigen.
Wenn wir Sechzehntel- oder Zweiunddreißigstel-Bewegungen vorliegen haben, sollten wir zunächst versuchen, Gruppen von z.B. vier oder acht Noten zu üben, da die Noten häufig auch in solchen Gruppen notiert sind. Diese Übeweise nennt man auch Baustein-System.
Wenn wir jetzt acht Noten üben, gefolgt von den nächsten acht usw., stoßen wir bald auf ein Problem. Sehen Sie sich bitte einmal folgendes an:

Takte.jpg

Wir haben hier drei Bausteine vor uns. Stellen Sie sich vor, Sie fahren entlang der roten Linie.
Was passiert, wenn Sie den Baustein bewältigt haben?
Richtig - Sie fallen in die Lücke zwischen den Bausteinen und beginnen danach mit dem zweiten Stein. Das geht so lange gut, bis Sie die nächste Fuge zwischen den Steinen erreichen.

Das ist unser Problem, wenn wir die Bausteine isoliert üben. Sobald wir die betreffende Passage zusammensetzen, können wir zwar die einzelnen Bausteine spielen, werden aber Schwierigkeiten haben, unfallfrei durch die gesamte Stelle zu navigieren.

Die Lösung sieht folgendermaßen aus:

Takte2.jpg

Wir lassen die Bausteine quasi überlappen. Das bewerkstelligen wir am besten so, dass wir den ersten Ton (bei Bedarf mehrere) des nächsten Bausteins mit üben. Dadurch gewährleisten wir den nahtlosen Übergang in den folgenden Baustein, wenn wir die Stelle am Schluss zusammensetzen.

In der Praxis sieht das z.B. so aus:

Tonleiter.jpg

Wir haben hier eine Tonleiter vorliegen, bestehend aus Zweiunddreißigsteln, gruppiert zu jeweils acht Noten. Es ist uns zu schwierig, diese Passage mehrmals fehlerfrei zu spielen, um sie einzuspeichern. Wir beginnen also mit dem ersten Baustein:

Tonleiter1.jpg

Wir üben eine Gruppe von acht Noten und zusätzlich die erste Note des zweiten Bausteins. Diese Gruppe wiederholen wir vier- oder fünfmal. Danach wenden wir uns dem zweiten Baustein zu:

Tonleiter2.jpg

Auch hier hängen wir den ersten Ton des folgenden Bausteins an. Nach fünf Wiederholungen üben wir das dritte Segment:

Tonleiter3.jpg

Auf diese Weise arbeiten wir uns Schritt für Schritt durch die zu übende Passage, bis wir alle Teile für sich betrachtet spielen können. Ggf. müssen wir die Prozedur noch einmal wiederholen.
Wenn wir diesen Teil sicher beherrschen, geht es daran, die Stelle Stück für Stück zusammenzusetzen.
Hier sollten wir sehr geduldig vorgehen. Auf keinen Fall sollten wir versuchen, jetzt die gesamte Stelle zu spielen, da sie doch relativ lang ist. Wir wählen stattdessen einen Zwischenschritt:

Tonleiter4.jpg

Wir haben jetzt eine Gruppe von 16 Noten gewählt, wieder gefolgt von der ersten Note des nächsten Bausteins. Nach fünf Wiederholungen gehen wir an den nächsten Teil:

Tonleiter5.jpg

Wir haben als Einstiegspunkt unseren “alten” zweiten Baustein gewählt. Wieder 16 Noten, gefolgt von der ersten Note des nächsten Teils, um wieder die “Nahtstellen” zu kitten.

Wenn wir auch diesen Teil geübt haben, können wir versuchen, die komplette Stelle im Zusammenhang zu spielen. Die Chancen stehen gut, dass wir eine deutlich bessere Qualität erzielen als noch zu Anfang unserer Übe-Sitzung.

Im nächsten Teil sehen wir uns die etwas komplizierteren Probleme an und wie wir sie lösen können.

Share and Enjoy:
  • E-mail this story to a friend!
  • Print this article!
  • StumbleUpon
  • Digg
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Google
  • blogmarks
  • MisterWong.DE
  • Technorati
  • TwitThis

{ 0 comments }

Das effiziente Üben Teil 1

by Stefan Maus on November 8, 2008

Kennen Sie das auch, liebe Leserinnen und Leser? Da üben Sie seit Wochen an einem Stück, aber es wird nicht wesentlich besser. Sie verspielen sich immer noch, und die Intonation lässt zu wünschen übrig. Vielleicht haben Sie sogar demnächst ein Konzert oder einen kleineren Auftritt, und so langsam macht sich Besorgnis breit.

Ich will in dieser Serie versuchen, dieses Phänomen zu beleuchten und vielleicht sogar Ihre Übegewohnheiten dahingehend zu verändern, dass Sie deutlich produktiver mit Ihrem Instrument arbeiten.

Was bedeutet eigentlich “Üben”?

Das menschliche Gehirn speichert anders ab als die Festplatte auf unserem Computer. Je nach Software und Betriebssystem lautet der Vorgang für uns in etwa:
“Datei - speichern - Name - Enter”.
Ein einmaliger Vorgang, der danach abgeschlossen ist, Hardware-Schäden und Software-Fehler einmal ausgenommen.

Im Gegensatz dazu speichert unser Gehirn hauptsächlich durch Wiederholungen.
Erinnern Sie sich einmal an Ihre Schulzeit. Wenn es darum ging, Gedichte, Vokabeln o.ä. zu lernen, haben Sie sicherlich auch häufig wiederholt, um die Fehler zu minimieren. Nur wenige Menschen sind in der Lage, gleich beim ersten Durchlesen 50, 100 oder mehr Vokabeln zu speichern.

Nichts anderes geschieht beim Üben. Üben bedeutet das Lernen mehr oder weniger komplizierter Bewegungsabläufe.

Wir lernen durch Wiederholung der gleichen Abläufe

Anders ausgedrückt: Was wir häufig wiederholen, speichern wir ab, unabhängig von der Qualität der gespielten Noten. Wenn wir also häufig eine Stelle oder gar ein ganzes Stück spielen, speichern wir es so ab, wie wir es gespielt haben, mit allen Ungenauigkeiten und Fehlern, die uns unterlaufen sind.

Genau das ist das zentrale Problem beim Üben. Viele Instrumentalisten spielen ein Stück oder eine schwierige Passage bis zu zwanzigmal durch, oft mit etlichen Fehlern behaftet und sind der festen Überzeugung, sie hätten geübt.
Zugegeben, geübt haben sie, aber die falschen Dinge. Wenn wir von zwanzig Wiederholungen zwei gute Versionen spielen, hat unser Gehirn immer noch Zeit, 18 falsche Durchläufe der betreffenden Passage zu speichern.

Gutes Üben bedeutet, vier oder fünf Wiederholungen “richtig”, also fehlerfrei durchzuführen.

Mehr Wiederholungen nacheinander bringen nicht wesentlich mehr, da das Gehirn auf “Autopilot” schaltet. Wir können beim zehnten Mal nicht mehr so genau unterscheiden, ob wir etwas gut oder schlecht spielen, und es können sich wieder unabsichtlich Fehler einschleichen, die wir nur schwer “löschen” können.
Wir üben stattdessen eine andere Passage bzw. einen anderen Teil der Passage und können danach wieder zum ersten Teil zurückkehren.

Wie erreichen wir fünf fehlerfreie Wiederholungen?

Das ist der interessanteste Punkt unserer Überlegungen, um den sich die gesamte Serie über das Üben drehen wird.
Nehmen wir einmal an, wir haben einen Lauf aus 32 schnellen Noten vorliegen, den wir nicht fehlerfrei spielen können. Um ihn zu erlernen, benötigen wir jedoch genau diese fehlerfreien Wiederholungen.
Eine provokative Frage: Wer zwingt uns denn dazu, beim Üben diesen Lauf komplett, also ohne Pause zu spielen?
Wir reduzieren also die Anzahl der Noten, bis wir sie ohne Probleme spielen können. Z.B. die ersten 16 oder 17 Noten. Wir haben immer noch Fehler vorliegen, die wir nicht ausmerzen können? Kein Problem, wir reduzieren weiter.
Im Extremfall üben wir zwei Töne am Stück. Wenn wir z.B. einen Lagenwechsel vorliegen haben, den wir im Zusammenhang nicht bewältigen können, üben wir ihn einzeln. Ein Lagenwechsel besteht aus einem Ton, einer Bewegung und noch einem Ton. Wir wiederholen diese Bewegung einige Male und vergrößern danach die geübte Passage auf vier oder mehr Töne. Später vergrößern wir die Abschnitte immer weiter, bis wir am Ende den gesamten Lauf spielen.
Ohne Fehler!

In der nächsten Folge schauen wir uns genauer an, wie wir diese Abschnitte am sinnvollsten wählen.

Share and Enjoy:
  • E-mail this story to a friend!
  • Print this article!
  • StumbleUpon
  • Digg
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Google
  • blogmarks
  • MisterWong.DE
  • Technorati
  • TwitThis

{ 2 comments }

Das Vibrato Teil 10

by Stefan Maus on October 26, 2008

In Teil 3 dieser Serie über das Vibrato hatte ich einige Fotos gezeigt, wie die Finger bei einem Vibrato während der Bewegung in etwa auszusehen haben.
Im Violin-Forum wurde der Wunsch nach weiteren Fotos geäußert, dieses Mal jedoch vom dritten und vierten Finger, da hierbei möglicherweise einige Änderungen vorgenommen werden müssten, was die Geometrie der Haltung angeht.

Beginnen wir mit dem dritten Finger. Hier sehen wir ihn in der Grundstellung:

vib3-01.jpg

Eigentlich keine wesentliche Veränderung, verglichen mit dem ersten oder zweiten Finger. Hier die gestreckte Version:

vib3-02.jpg

Und hier die gebeugte Version, die ich ein wenig übertrieben habe, um zu zeigen, wie sich der Finger bewegt:

vib3-03.jpg

Das Prinzip wird aber hoffentlich klar - der Finger rollt über die Kuppe, um den Ton schwingen zu lassen.

Der vierte Finger arbeitet ähnlich. Der Unterschied ist nur, dass dieser Finger grundsätzlich gerader aufgesetzt werden muss, da er im Vergleich zu den anderen sehr kurz ist. Wenn wir ihn ebenso rund aufsetzten, würden wir ein Intonations-Problem bekommen.

Hier also die Grundstellung:

vib4-01.jpg

Wir sollten versuchen, die Fingerkuppe bzw. das erste Fingerglied so aufzusetzen, dass immer noch eine Streckung möglich ist.
Hier sehen wir den vierten Finger in der gestreckten Stellung:

vib4-02.jpg

Eine sehr bequeme Stellung. Schwieriger wird es, wenn wir den Finger nach oben, also in Richtung Steg rollen:

vib4-03.jpg

Hier kommt es sehr darauf an, wie beweglich unser Finger ist. Anfangs wird es wahrscheinlich etwas unbequem sein, je mehr Übung wir aber bekommen, desto einfacher wird es, die Rollbewegung auszuführen.
Interessant ist dabei lediglich die Richtung, in die wir diese Bewegung ausführen. Wenn wir eine reine Beug-Streck-Bewegung ausüben, würden wir nicht mehr parallel zur Saite schwingen. Im End-Effekt bewegen wir also das erste Fingerglied auch ein wenig seitlich, so viel es die Anatomie zulässt, um die parallele Schwingung zu gewährleisten.

Die Geometrie ändert sich eigentlich nicht, solange wir darauf achten, dass die Hand als solche richtig steht. Der Handrücken sollte möglichst parallel zum Griffbrett stehen, dann ist die Geometrie dieselbe.
Das geht natürlich nur bis zu einem gewissen Punkt, denn die Unterarmdrehung, die Supination, ist in dieser Stellung recht unbequem, und wir sollten keine Sehnenscheidenentzündung riskieren.

Trotz allem ist der vierte Finger der schwierigste, wenn es um das Vibrato geht. Zum einen wegen der mangelnden Fingerkraft, zum anderen wegen der fehlenden Beweglichkeit. Wenn aber die Vibratobewegung bis zum ersten Fingerglied weitergegeben wird, das möglichst flexibel auf der Saite stehen sollte, ist auch das Vibrato mit dem vierten Finger eine reine Übungsfrage.

Technorati Tags:
,

Share and Enjoy:
  • E-mail this story to a friend!
  • Print this article!
  • StumbleUpon
  • Digg
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Google
  • blogmarks
  • MisterWong.DE
  • Technorati
  • TwitThis

{ 2 comments }