Als ich heute morgen meine Geige auspackte, entdeckte ich eine Delle in der G-Saite, die mir bisher nicht aufgefallen war. Die Saite musste ausgetauscht werden. Da viele Geiger, die noch nicht so lange dabei sind, noch niemals in Eigenregie so eine Operation durchgeführt haben, hier ein kleines Foto-Tutorial.
Zunächst muss die alte Saite entfernt werden. Wir drehen den Wirbel, bis wir die Saite aus dem Wirbel herausziehen können.

Wir ziehen danach die Saite aus dem Saitenhalter heraus.
Wenn sie entfernt ist, fädeln wir die neue Saite in den kleinen Schlitz am Saitenhalter ein. Dabei ist darauf zu achten, dass sie auf Spannung gehalten wird, damit sie nicht wieder herausrutscht.

Dazu ziehen wir nach dem Einfädeln an der Saite, bis sie ein wenig unter Spannung steht, um zu gewährleisten, das sie richtet “eingerastet” ist.

Danach stecken wir die Saite in das Loch im Wirbel - ähnlich, wie man einen Faden in ein Nadelöhr einfädelt. Die Saite dabei nicht zu weit in das Loch stecken. Sie sollte ein klein wenig an der anderen Seite herausschauen. Einige Millimeter sind vollkommen ausreichend.

Nun drehen wir den Wirbel, um die Saite zu spannen. Währenddessen ziehen wir leicht an der Saite. So verhindern wir, dass die Saite “unordentlich” aufgerollt wird. Dabei ist sehr wichtig, dass die Saite nach außen, also zum Rand des Wirbelkastens hin aufgewickelt wird. Dadurch klemmt sie sich zum einen von selbst etwas fester, kann also nicht so leicht wieder herunterrutschen, zum anderen liegen dadurch die Saiten im Wirbelkasten nicht kreuz und quer durcheinander mit den unterschiedlichsten Winkeln, sondern alle relativ gerade.

Nun spannen wir die Saite immer weiter und halten sie dabei immer auf Spannung. Dadurch wird gewährleistet, dass sie nicht aus dem Saitenhalter herausrutschen kann. Dabei auch darauf achten, dass die Saite am Steg in der Kerbe landet und nicht daneben.
Während des Spannens immer wieder durch Zupfen kontrollieren, wie hoch der Ton ist. Es geschieht sonst sehr leicht, dass wir zu hoch landen und die neue Saite gleich wieder reißt.
Wenn wir die Saite wieder auf den gewünschten Ton gestimmt haben, geht es ans Einspielen. Je dicker die Saite ist, desto mehr dehnt sie sich in den ersten Tagen. Gerade die ersten Minuten sind frustrierend, weil wir bei der D- und G-Saite manchmal alle dreißig Sekunden nachstimmen müssen.
Das ist aber völlig normal. Bitte nicht höher stimmen als bis zum gewünschten Ton, um damit vielleicht Zeit zu sparen. Ein G immer nur bis zum G stimmen. Die Saite wird es danken!
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Uilderks 09.05.08 at 15:56
Hallo,
kleine Anmerkung von mir als Ergänzung:
bei Darmsaiten(auch umsponnenen) ist es ganz sinnvoll, das beim Wirbel herausstehende Ende mit aufzuwickeln, da deren Umspinnung mitunter relativ glatt ist und sonst langsam wieder herausrutschen könnte. Die “Kunst” ist es, beim Aufziehen der Saiten die fürs Stimmen ideale Wirbelstellung zu treffen, da lohnt es sich schon, nochmals zu beginnen und die Saite etwas weiter in das Wirbelloch zu stellen.
Die Haltbarkeit der Saite wird verlängert und das Stimmen erleichtert, wenn die Steg- und Sattelkerbe bei dieser Gelegenheit mit Graphit( weicher Bleistift) eingerieben wird. Außerdem ist es der richtige Zeitpunkt zu betreiben.
Zum Abschluss jeder Saite immer mal den Steg ansehen, ob der richtig steht und sich nicht zum Griffbrett neigt.