Mit Bögen aus diesem HighTech-Werkstoff ist das so eine Sache. Bei kaum einem anderen “Geigen-Utensil” gehen die Meinungen derart auseinander wie bei Carbonbögen.
Noch nicht so lange auf dem Markt, haben sie sich doch schon ihren Platz erobert. Entweder im Geigenkasten oder auf der Wunschliste der Geiger, oder aber auf der Hitliste der meist gehassten Werkzeuge eines Musikers.
Vor einiger Zeit hatte ich die Gelegenheit, so einen Bogen während einer Vorstellung ausgiebig zu testen. Zugegebenermaßen war ich anfangs sehr skeptisch, denn ich liebe Holz. Ich mag es, wie es sich anfühlt, es sieht schön aus, und ein guter Holz-Bogen, der perfekt ausbalanciert ist, macht so gut wie alles, was der Spieler von ihm verlangt.
Zu meinem Erstaunen hatte ich nicht das Gefühl, einen Fremdkörper in der Hand zu halten, als ich die ersten Töne auf dem Carbonbogen spielte. Er war elastisch, der Bogendruck war gut dosierbar, Spiccato und Sautillé waren kein Problem. Das hätte ich nicht für möglich gehalten. Erst recht nicht, als ich den Preis erfuhr:
€ 120,-
Kaum zu glauben. Ich hatte bis dato schon einiges an Bögen durchprobiert, aber für den Preis ist mir noch kein auch nur annähernd so guter Bogen über den Weg gelaufen.
Es ist natürlich, gerade bei Bögen, vieles Geschmackssache, und es kommt wohl auch hier maßgeblich auf die Fertigungsqualität an. Aber nach meiner Meinung ist so ein Bogen zumindest als Ersatzbogen für Musiker, die ihren First-Class-Bogen in der Reparatur haben, eine Alternative, um für ein paar Tage sehr gut über die Runden zu kommen. Oder als gute Möglichkeit, das teure Stück zu schonen, wenn es um Open-Air-Events geht.
Ich denke, ein guter Carbonbogen kommt sogar für Schüler in Frage, die sich (noch) keinen teuren Holz-Bogen leisten können oder wollen. Dieser 120-Euro-Knüppel, den ich ausprobiert habe, stellte so manchen 600-Euro-Holz-Bogen in den Schatten. Und wenn man sich diesen Preisunterschied vor Augen führt, sollte es jeden überzeugen, so ein Gerät zumindest einmal zu testen. Wenn man feststellt, dass man mit diesem Werkstoff absolut nicht klarkommt, kann man sich immer noch für einen Holzbogen entscheiden.
Jedoch bin ich nach wie vor überzeugt, dass ein auch noch so teurer Carbonbogen nicht an ein konventionelles Meisterstück des Bogenbaus für mehrere tausend Euro heranreicht, lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen, wenn ich einen adäquaten Ersatz für mein derzeitiges First-Class-Streichwerkzeug finde.
Wen es interessiert - hier gibt es einen kurzen Beitrag zu diesem Thema.
Technorati Tags: Geigenunterricht, Musik, Musikinstrumente, Musikunterricht, Unterricht












{ 1 trackback }
{ 2 comments… read them below or add one }
Stefan in Winnipeg 11.07.08 at 20:10
Wo wir bei KunstStoffen sind: Haben sie eine Meinung bezueglich BogenHaarErsatzMaterialen ? (ist das ueberhaupt ein Wort?)
Ich gebrauche ein Bogen von der Firma: “Incredibow” - und bin total erstaunt von der Unverwuestbarkeit der “Haare” - scheint irgend ein magischer Kunststoff zu sein.
Nebenbei habe ich keine Interessen in der Firma, hier zu sehen: http://www.incredibow.com/ aber wo wir schon dabei sind interessante Alternativen zu erforschen….
Stefan Maus 11.08.08 at 18:29
Ich habe leider keinerlei Erfahrungen mit solchen Ersatzmaterialien. Ich weiß auch nicht, ob der Bogen, den ich damals ausprobierte, konventionell oder synthetisch bezogen war.
Letztenendes ist es, wie ich meine, ziemlich egal, solange das Ergebnis überzeugt. Wenn sich Incredibow gut spielt und die Firma dieses Resultat mit Kunststoff erreicht, war die Entscheidung, dieses Material zu wählen, offensichtlich gut.