Urlaub ist Gift für die Technik. Besprechungen und Vorlesungen ebenso. Musiker, die einige freie Tage auf einer einsamen Insel verleben wollen oder gezwungenermaßen an Besprechungen oder Konferenzen teilnehmen, fragen sich so manches Mal, in welchem technischen Zustand sie wieder an ihr Instrument zurückkehren.
Als Lehrer muss ich mich nach den Sommerferien regelmäßig mit Schülern auseinandersetzen, die so eingerostet sind, dass sie Wochen brauchen, bis sie wieder auf ihrem alten Stand sind.
Und dann beginnen bereits die Herbstferien, und das Problem beginnt von neuem.
Wie können wir diesem Rost-Ansatz begegnen?
Das beste wäre, die Geige mitzunehmen und regelmäßig, wenigstens alle paar Tage zu üben. Vielfach haben wir jedoch nicht die Möglichkeit, vielleicht aus Platzgründen, aus Gewichtsgründen, oder aber, wenn wir eine Besprechung haben, aus Gründen der Rücksicht den anderen Gesprächsteilnehmern gegenüber.
In diesem Falle hilft es, sich wenigstens auf die rechte Hand zu konzentrieren, denn sie produziert in erster Linie den Ton und ist am leichtesten ohne Instrument zu trainieren.
Wir nehmen einen Bleistift, Kugelschreiber o.ä. zur Hand und halten ihn wie unseren Bogen

Dann strecken wir die Finger, bis sie gerade sind, ohne aber die “Bogen”haltung zu verändern.

Danach ziehen wir die Finger wieder bis zur Mittelstellung zurück und ziehen danach den Bleistift (Bogen) ganz an die Hand heran. Die Finger sind rund.

Danach geht es wieder zurück in die Ausgangsposition, und der Bewegungsablauf beginnt von vorne.
Diese “Pump”-Bewegung gerade-rund-gerade-rund ist, wenn es anfangs Probleme gibt, zunächst ohne Bleistift zu üben. Dabei ist darauf zu achten, dass der Daumen immer gegenüber vom Mittelfinger steht, damit die Haltung der Original-Bogenhaltung entspricht. Danach kann dann wieder auf die Bleistift-Übung gewechselt werden.
Hauptsächlich wird durch diese Übung die Flexibilität der Finger trainiert. Unsere Finger sind die Stoßdämpfer unseres Bogen-Apparates, und wenn sie auch noch nach sechs Wochen Pause flexibel sind, ist der qualitative Sturz deutlich geringer.
Der große Vorteil dieser Übung liegt darin, dass sie unauffällig ist. Jede noch so langweilige Vorlesung, jede noch so unproduktive Konferenz kann so für den Musiker technisch gewinnbringend eingesetzt werden. Denn im schlimmsten Fall wird man von seinen Mitmenschen als nervös eingestuft. Wenn es überhaupt bemerkt wird.
Liebe Leserinnen und Leser, üben Sie häufiger im Meeting!
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Kameleon 07.24.08 at 14:03
Zu Bild 1:
Hält man den Bogen wirklich so? Muss man nicht alle Fingerkuppen auf der Bogenstange platzieren?
Stefan Maus 07.24.08 at 14:09
Das Bild ist schon korrekt so. Der kleine Finger ist der einzige, der auf der Bogenstange steht, denn er muss das Gegengewicht zum Zeigefinger bilden.
Der Vorteil der Haltung ist, dass Du keinerlei Verspannungen in der Hand bekommst und den Bogen trotzdem nicht verlierst.
Oder anders: Warum fallen die Vögel nachts nicht reihenweise aus den Bäumen?
Ganz einfach, sie umgreifen ihre Stange. So ähnlich läuft das mit dem Bogen.
cassia 08.10.08 at 23:50
Da ist er ja, der Fotokurs zu dieser Fingerübung! Danke!!! Verstehe jetzt etwas besser
Hätte ich das 5 Tage eher gehabt, hätte ich in Lappland üben können–denn die aufblasbare lightweight-Trekking-Bratsche ist in Deutschland immer noch nicht zu bekommen 
Mehr von sowas :-))) Ich liebe Bogenhaltungsübungen (weil ich immer noch das Gefühl habe, das was ich da mache, könnte besser sein…)!!
cassia 08.10.08 at 23:53
ach so, “gerademachen” heißt: Finger über die Kugelschreiberbogenstange schieben/rutschenlassen oder heißt das, Kugelschreiberbogen mit wegschieben? Dafür reichen meine Finger nicht… Den Teil verstehe ich nicht ganz (oder ist mein Kuli zu schlecht?).
Stefan Maus 08.11.08 at 0:00
Beides.
Alle Finger werden gestreckt. Die Kontaktstelle der Finger bleibt dieselbe. Dadurch schieben die Finger den Kuli von der Handwurzel weg.
Ein wenig Rutschen ist jedoch auch dabei, denn der Winkel der Finger gegenüber der Bogenstange verändert sich. Das ist beim Vergleich von Bild 2 und Bild 3 zu erkennen.
Primär jedoch haben die Finger den Bogen wegzuschieben und wieder heranzuziehen.
cassia 08.11.08 at 21:25
Jaaa, weißt Du, warum ich das nicht hingekriegt habe? Weil man das tatsächlich einfach _üben_ muss
. So eine Überraschung. Hatte heute bei der Visite viel Zeit zum heimlichen Trainieren, und siehe da: langsam geht´s, in einer mehr oder weniger eleganten Kombination beider Bewegungsabläufe… aber der Daumen wird mit gestreckt, richtig?? Sonst geht´s nicht.
Stefan Maus 08.11.08 at 21:36
Richtig.
Das hätte ich zu gerne gesehen, wie Du völlig in Dich versunken an der Visite teilnimmst, keinen Patienten wahrnehmend an Deinem Kugelschreiber fummelnd…
cassia 08.12.08 at 16:47
_Ich_ bin ein Mädchen,daher multitaskingfähig und kann _beides_! (manchmal summe ich sogar im Kopfe den Soundtrack des Tages mit :-))