Das Vibrato Teil 3

by Stefan Maus

In der letzten Folge hatte ich bereits eine Grundregel vorweggenommen: Bei unserer Bewegung muss der jeweilige Finger stehen bleiben. Er darf keinesfalls hin- und herrutschen wie es bei einem Lagenwechsel der Fall wäre. Trotzdem muss sich die Tonhöhe verändern, um ein Vibrato zu erzeugen.

Die Lösung ist ganz einfach: Wir lassen den Finger auf der Kuppe rollen wie einen Ball. Auf die Art bleibt er an Ort und Stelle, und trotzdem verändert sich die Tonhöhe.

Wie sieht das jetzt in der Praxis aus?
Zunächst ist es wichtig, dass unsere Handstellung korrekt ist und der Daumen an der richtigen Stelle steht, also mehr oder minder gegenüber vom Zeigefinger. Dort, wo er im lockeren Zustand von alleine zum Liegen kommt.
Das sieht folgendermaßen aus:

vibrato01.jpg
Im folgenden beziehe ich mich zunächst auf das Armvibrato. Beim Armvibrato benutzen wir eine ähnliche Armbewegung wie bei den Lagenwechseln, nur viel kleiner. So, als ob wir Lagenwechsel in der Größenordnung von unter einem Viertelton ausführen wollten.
Und damit sind wir wieder bei unserer Sinuskurve aus dem ersten Teil. In der Mitte steht unser Kernton, der Ton, den wir mit einem Vibrato versehen wollen. Durch die winzigen Lagenwechsel entstehen die Schwingungen um diesen Ton herum. Mal höher, mal tiefer.
Das einzige, was unser Vibrato von einem Lagenwechsel unterscheidet ist, abgesehen von der Größe, die Tatsache, dass unser Finger stehen bleibt.

Wenn wir jetzt einen “Lagenwechsel” nach unten vollführen, sieht das so aus:

vibrato02.jpg
Der Finger rollt über die Kuppe, und durch den Zug des Armes streckt sich der Finger. Für das Foto habe ich die Bewegung etwas stärker ausgeführt, als sie in der Praxis auftreten wird.
Dadurch, dass der Finger eine Rollbewegung ausübt, wird der Ton tiefer.
Nun führen wir einen “Lagenwechsel” nach oben durch. Der Arm zieht nach oben, in unserem Fall von der dritten in Richtung vierte Lage, der Finger rutscht nicht, er rollt. Das Resultat sieht so aus:

vibrato03.jpg
Der Finger steht nun quasi am Anschlag, so rund es geht, ohne Kraft aufzuwenden.
Noch einmal: Die Armbewegung ist die eines kleinen Lagenwechsels. Der Daumen und der vibrierende Finger bleiben locker an Ort und Stelle stehen. Der Finger rollt über die Kuppe.

Diese Bewegung – rauf und wieder runter – wird einige Male wiederholt, bei steigender Geschwindigkeit, und fertig ist unser erstes Armvibrato. Übemethoden dazu werde ich im Laufe der Serie im einzelnen aufzeigen.

In der nächsten Folge beschäftigen wir uns aber zunächst mit den Grundzügen des Handvibratos.

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{ 3 comments… read them below or add one }

Tabea September 20, 2008 at 9:54

Nach Galaman sollte zusätzlich beim Aufsetzen der Fingerkuppe darauf geachtet werden, dass der Finger leicht nach rechts (also auf uns zu) auf der Saite gezogen wird, so dass die Fingerkuppe die Saite nicht mittig berührt, sondern mehr links. Außerdem sollte beim Vibrieren die Fingerstreckung/-Beugung dann mehr im spitzen Winkel zur Saite und nicht parallel erfolgen.
Sind das nun übertriebene Feinheiten, oder sollte man von Anfang (also der ersten Geigenstunde) an tatsächlich beim Aufstellen der Finger diese Regel beachten?

lg Tabea

Reply

Stefan Maus September 20, 2008 at 10:25

Ich teile Galamians Meinung nicht, was das Vibrato angeht. Galamian vertritt ohnehin eine etwas andere Vibrato-Technik als die allgemein unterrichtete. Ich hatte das im ersten Teil auch schon einmal angedeutet.
Die gängige Lehrmeinung geht davon aus, dass wir die Finger so setzen, wie wir auch normalerweise greifen. Was auch insofern Sinn macht, als wir dann nicht “umgreifen” müssen, nur weil wir die Note vibrieren wollen.
Ich persönlich möchte jederzeit vibrieren können, ohne deshalb den Finger umstellen zu müssen.
Die Fingerstreckung und -beugung erfolgt so, wie es das Gelenk erlaubt. Auch in diesem Fall – so auch die allgemein unterrichtete Version – sollte nicht extra die Handstellung verändert werden, nur weil wir vibrieren wollen. Das würde ein einziges Hin- und Herschieben der Hand bedeuten. Wenn ich auf einer langen Schlussnote etwas verändere, ist das eine andere Sache, aber ich kann nicht mitten im Stück ständig hin- und herpendeln.
Generell sollten die Finger ziemlich mittig die Saite berühren und nicht verkantet oder verschoben. Das ist normalerweise der härteste Punkt der Fingerkuppe, und das ist besonders in Läufen wichtig, da wir ein klareres, präziseres Klangergebnis erhalten.

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Tabea September 20, 2008 at 12:25

Vielen Dank für die schnelle und eindeutige Antwort!!!
lg Tabea

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