Das Vibrato Teil 4

by Stefan Maus

In Teil 3 unserer Serie über das Vibrato haben wir uns mit dem Armvibrato beschäftigt. Heute werden wir uns das Handvibrato etwas genauer anschauen.
Ich werde häufig gefragt, welche Version des Vibratos die bessere ist. Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Vor allem hängt es davon ab, welche Art Vibrato wir als erstes gelernt haben. Wir tendieren beim Vibrato dazu, unser Leben lang so zu spielen, wie wir es anfangs gelernt haben. So lange wir damit keine Probleme haben und die Tongebung realisieren können, die wir uns vorstellen, gibt es keine Veranlassung, etwas daran zu verändern. Erst, wenn wir klangliche oder körperliche Probleme bekommen, sollten wir versuchen, etwas umzustellen.
Ich persönlich bevorzuge für Anfänger das Armvibrato, da die meisten Schüler besser mit einer Armbewegung als mit einer Bewegung des Handgelenks klarkommen. Aber auch hier gibt es wieder Unterschiede, viele Geiger entwickeln auch im Laufe ihrer Karriere eine Art Mischform.

Aber gehen wir ein wenig mehr ins Detail.
Wir hatten in Teil 3 festgehalten, dass der Finger an der Stelle unseres Kerntones stehen bleibt und lediglich über die Fingerkuppe rollt, wodurch die gewünschte Tonhöhen-Schwankung entsteht.
Wir armvib.jpgmüssen also auf irgendeine Weise eine schwingende Bewegung mit den Fingern vollführen. Bisher haben wir das mit dem Arm umgesetzt, in dem wir eine Art Lagenwechsel ausgeführt haben, nur sehr viel kleiner und immer hin und her. Dabei blieb unser Handgelenk stabil, aber nicht fest, so dass diese Bewegung ohne Umwege an die Finger weitergegeben wurde.
Die Bewegung des Arms sieht dann in etwa so aus wie auf dieser Grafik dargestellt. Das Handgelenk bleibt dabei gerade und bewegt sich nur unwesentlich.

Beim handvib.jpgVibrato aus dem Handgelenk gehen wir grundsätzlich anders vor. Zwar bleiben die Finger auch auf dem Ton stehen und rollen über die Kuppe, wir entwickeln jedoch die Bewegung aus dem Handgelenk. Dabei bleibt der Arm an Ort und Stelle, und das Handgelenk bewegt sich locker hin und her.
Diese Bewegung ist vergleichbar mit der, die wir anwenden, wenn wir jemandem zum Abschied zuwinken.

Vor- oder Nachteile beider Versionen hängen vom jeweiligen Spieler ab. Es lässt sich nicht sagen, welches Vibrato besser ist. Hier ist Ausprobieren angesagt, denn beide Arten klingen gut, wenn sie korrekt ausgeführt werden.

In der nächsten Folge lesen Sie, wie wir am besten das Vibrato üben können.

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