Das Vibrato Teil 7

by Stefan Maus

Wenn wir das Vibrato auf einem Streichinstrument einsetzen, müssen wir uns bewusst sein, das dieses Vibrato niemals ein Zufallsprodukt sein darf. Wir vibrieren keinesfalls, “weil wir gerade nichts besseres zu tun haben”. Wir setzen das Vibrato immer zur gezielten Klangmanipulation ein und nie als Verlegenheitslösung.
Auf schnellen Noten ist es schwierig, manchmal auch unmöglich zu vibrieren, schon aus technischen Gründen. Diese schnellen Passagen lassen wir im Interesse der Intonation außen vor. Wenn wir sehr schnelle Läufe zu spielen haben, sind die Noten überdies so kurz, dass sie bereits vorbei sind, bevor wir eine komplette Vibrato-Schwingung vollendet haben. Das Resultat wäre eine unsaubere Note.
Für alle anderen Noten gilt, dass wir sie theoretisch vibrieren könnten, wenn wir wollten. Wann und wie wir genau unser Vibrato einsetzen sollten, werde ich in einem späteren Teil erörtern.

Zunächst sollten wir trainieren, das Vibrato ganz gezielt einzusetzen. Wir müssen lernen, auf den Punkt zu vibrieren, wenn wir es für erforderlich halten. Dazu suchen wir uns am besten eine leichtere Etüde heraus, z.B. von Pracht oder Wohlfahrt, bei der sich längere und kürzere Noten abwechseln. Als Beispiel habe ich diese hier gewählt:

vib-ex01.jpg

Beim Üben müssen wir darauf achten, dass jede einzelne Viertelnote vibriert wird. Auf den Achtelnoten unterdrücken wir das Vibrato. Wir haben somit auf den Zählzeiten 1 und 3 ein Vibrato – und das die komplette Etüde hindurch.
Wir lernen damit, “auf Kommando” zu vibrieren, was sehr wichtig ist, wie wir später noch sehen werden.
Experimentieren Sie gern ein wenig mit Etüden. Es gibt entsprechende Stücke zuhauf, die Sie für diesen Zweck spielen können. Aber denken Sie bitte immer daran: Sie spielen die Etüde, um Vibrato zu üben. Sie müssen es also einsetzen, auch wenn es anfangs noch nicht so klappen sollte, wie Sie es sich wünschen. Vibrato lernen wir nur durch machen, niemals durch lesen.

Wenn Sie sich daran gewöhnt haben, Ihr Vibrato absichtlich und nicht zufällig einzusetzen, gehen Sie noch einen – allerdings großen – Schritt weiter!
Ein Vibrato wird erst dann interessant und zu einem echten Stilmittel, wenn wir in der Lage sind, Geschwindigkeit (Frequenz) und Größe (Amplitude) zu verändern. Wir bezeichnen das auch als Intensität des Vibratos. Je schneller und größer wir vibrieren, desto intensiver wird das Vibrato.

Beginnen wir auch hier mit einer Übung:

vib-ex02.jpg

Im gleichen Maße, wie sich die Dynamik verändert, passen Sie die Intensität des Vibratos an. Fangen Sie am besten im Aufstrich mit einem kleinen Vibrato an, es ist erheblich leichter, ein Crescendo im Aufstrich als im Abstrich zu spielen. Je lauter Sie werden, desto intensiver vibrieren Sie.
Das Resultat wird ein ungeheuer eindrucksvolles Crescendo sein, weit mehr, als Sie durch reinen Bogenstrich erreichen könnten.

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