Die Billigheimer

by Stefan Maus

Geiz ist geil!

Eine große Elektronikkette benutzte diesen Slogan, um Kunden anzulocken. Auch wenn die Wortwahl nicht unbedingt glücklich war, zeigte er doch, wie eine ganze Gesellschaft ohne Rücksicht auf (Qualitäts-) Verluste in einen Spar-Wahn verfiel.
Das mag für Lebensmittel und Dinge des täglichen Gebrauchs zutreffen, aber nicht unbedingt für komplizierte Elektronikartikel. Dem möchte ich einen anderen Slogan entgegenhalten:

Billig ist oft teurer!

Der durchschnittliche Autokäufer hat den Wahrheitsgehalt dieses Spruchs längst erkannt und kauft entsprechend. Wie anders ist es zu erklären, dass ein rumänischer Autohersteller eines französischen Konzerns trotz einer groß angelegten Werbeaktion verglichen mit anderen Herstellern kein Bein an die Erde bekommt? Und das trotz eines Einstiegspreises von € 7200,- (Juli 2008) für eine viertürige Limousine! Neu!
Bei dem Preis müssten die Straßen voll sein mit Fahrzeugen dieser Marke. Stattdessen wird, ohne mit der Wimper zu zucken, der zwei-, drei- oder vielfache Preis für einen Gebrauchtwagen anderer Hersteller auf den Tisch gelegt.

Heute morgen habe ich in dem bekannten Internet-Auktionshaus nach “Violine” gesucht und ein Angebot gefunden:
Sofortkauf für € 39,90.
Inklusive Bogen, Koffer und – man höre und staune – einem Zusatzgurt für den Kasten.

Eine meiner Schülerinnen kam vor einiger Zeit freudestrahlend mit einem wahren Schnäppchen zum Unterricht. Sie hatte, bevor sie als Anfängerin mit dem Unterricht begann, ein Gerät ersteigert (es widerstrebt mir, den Ausdruck “Instrument” zu benutzen) für sage und schreibe € 90,-. Mit Bogen. Und Kasten.
Die Geige klang wie… nun ja… wie 90 Euro. Ich selbst spiele nun seit mehr als 35 Jahren Geige und weiß eigentlich schon, was ich tue, aber auch mir war es nicht möglich, einen Ton zu erzeugen, der schön klang, egal wie sehr ich mich bemühte. Sie erzählte mir, dass die Geige nicht spielfähig war, als sie ankam, der Steg war umgekippt, der Stimmstock kullerte lose herum, und zwei Saiten waren gerissen.
Freude hatte sie an ihrem Ton genausowenig wie ich. Trotz guter Bogenhaltung.

In Internet-Foren (der aufmerksame Leser merkt, ich bin häufiger dort unterwegs) liest man immer wieder den Tip, doch zu Anfang so ein Billig-Instrument zu erstehen, um auszuprobieren, ob das Instrument Violine überhaupt das richtige ist, oder ob der Schüler nicht lieber Klavier, Blockflöte oder Alphorn erlernen soll. Wie, um alles in der Welt, soll denn ein Schüler jemals Freude an diesem Instrument empfinden, wenn es so schlecht klingt, dass ihm nicht einmal der Lehrer halbwegs annehmbare Töne entlocken kann?

Billig ist oft teurer. Die Chancen stehen gut, dass der Schüler ziemlich schnell aufgibt und das Instrument liegen bleibt. Ich wage zu bezweifeln, dass sich viele Kaufinteressenten für ein gebrauchtes Billig-Gerät für denselben Preis melden werden.

Was wäre denn die Alternative gewesen?
Die Schülerin hätte sich für denselben Preis für einige Monate von einem seriösen Geigenbauer ein Leihinstrument mieten können. Das wäre in einem guten Zustand gewesen, der Wert hätte vielleicht bei €1500,- gelegen, die Geige wäre automatisch versichert gewesen, und sie hätte mit Sicherheit viel mehr Freude am Geigen gehabt und hätte es besser beurteilen können, ob das Instrument Violine für sie in Frage kommt oder nicht.
Jetzt wird vielleicht die Frage kommen “und danach?”.
Danach hätte sie entweder dasselbe Instrument käuflich erwerben können, wobei der Mietpreis z.T. auch angerechnet wird, oder sie hätte sich auf die Suche nach einem anderen Kaufinstrument machen können.

Mir ist durchaus bewusst, dass € 1500,- ein ziemlicher Batzen Geld ist, verglichen mit den € 90,- für das Auktionshaus. Allerdings vergessen die meisten Kritiker der so hohen Preise für Instrumente, dass das investierte Geld nicht einfach verloren ist. Anders als bei einem durchschnittlichen Auto, und anders als bei einer Billig-Geige, verliert ein gutes Streichinstrument nicht an Wert. Gute Pflege vorausgesetzt, sollte das Instrument zumindest seinen Wert halten, bei einem etwaigen Wiederverkauf also die o.a. € 1500,- wieder hereinbringen, vielleicht sogar mit einem entsprechenden Aufschlag, um die momentan galoppierende Inflation auszugleichen.

Mein eindringlicher Appell an alle potentiellen Geigenschüler lautet: Vergesst die Biligheimer, geht zum Geigenbauer, mietet Euch ein Instrument, sucht Euch einen guten Lehrer und vor allem – habt Freude an der Musik mit diesem wunderschönen Instrument!

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{ 36 comments… read them below or add one }

Kameleon July 8, 2008 at 8:24

Diesem Artikel ist im Großen und Ganzen zuzustimmen, was Geigen betrifft. Nur zu dem rumänischen Autobauer, der angeblich “kein Bein an die Erde bekommt” wäre hinzuzufügen, dass dieser keineswegs Schrott baut: Seine sensationell günstige Limousine schneidet nämlich in Testberichten einigermaßen gut ab.

Dieses Auto war anfangs für Schwellenländer konzipiert worden und sollte in Westeuropa gar nicht verkauft werden. Später hat sich der Autobauer entschieden, es auch in Westeuropa zu vermarkten, weil es eben auch hier allerhand Leute gibt, die ein ordentliches Auto für wenig Geld möchten.

Bei diesen Autos ist der Preisunterschied ja auch nicht so riesengroß wie bei den Geigen: Wenn eine gute Schülergeige 1500 Euro kostet und das billigste “Schnäppchen” nur 39 Euro, das wäre im Vergleich so, als wenn ein namhafter Hersteller Limousinen für 20.000 Euro anbietet und der billigste Hersteller seine Limousine für nur 520 Euro verkauft.

Reply

Butzendorf September 18, 2008 at 22:13

Ich habe selbst auch eine Erfahrung mit einer solchen China-Geige machen müssen und Alles in Allem ist die Qualität solcher “Instrumente” tatsächlich sehr schlecht. Für die besagten 39 Euro bekommt man mit Sicherheit auch nur Sperrholz, das bestenfalls als Wandschmuck taugt. Das Komplettset, das ich für billige 90 Euro erstanden habe, ist zumindest aus Holz (Fichtendecke, Ahornboden und -zargen; Griffbrett, Seitenhalter, und Kinnstütze aus Ebenholz). Allerdings kann von “spielfertig” nicht die Rede sein. Die Unterseite des Stegs war schräg geschliffen, so dass der Steg zwangsläufig schief auf dem Korpus stand. Der Stimmstock stand ebenfalls schief ca. 1.5cm hinter dem Steg. Die Qualität von Kolophonium und Saiten ließe sich wohl nur mit Fäkalsprache adäquat beschreiben. Das Holz selbst ist von mäßiger Güte. Die Maserung insbesondere der Fichtendecke ist nicht sehr gleichmäßig und ich glaube auch nicht, dass es gut abgelagert wurde, aber was soll man bei dem Preis auch erwarten. Bei der Farbe handelt es sich um einen Acryllack, der sich mit einem Arbeitsgang auftragen lässt (obwohl ich zugeben muss, dass die Lackierung tatsächlich recht schick aussieht, wenn man nicht zu genau hinsieht).
Der Klang in dem Zustand, wie sie ausgeliefert wurde, war entsprechend schlecht. Es stellte sich sehr bald heraus, dass es sich nicht bloß um mein Unvermögen handelte, denn nachdem ich einige der gravierenden Mängel beseitigt hatte, verwandelte sich dieses “Gerät” (siehe oben) tatsächlich in etwas, dass klanglich einer Geige recht nahe kam.
FAZIT: Gelohnt hat es sich trotz Allem nicht. Wenn man bedenkt, dass man in einem Musikgeschäft eine günstige Anfängergeige ab 250 bis 300 Euro aufwärts bekommt (allerdings nur die Geige), wird man zwar zunächst etwas mehr Geld los, erspart sich aber eine Menge Ärger. Wer Unterricht nimmt (empfehlenwert gerade für den Anfang), wird schnell einen Betrag bezahlt haben, der höher liegt.
Wer so wie ich eine Geige als Zweitinstrument spielen möchte und ständig knapp bei Kasse ist (Bafög), sollte darauf gefasst sein mit einer billigen China-Geige eine lange und oft frustrierende Odyssee auf sich genommen zu haben. Wer gerne bastelt, über unerschöpfliche Geduld verfügt und sich nicht daran stört, sehr viel langsamer Fortschritte zu machen, wird sicher viel über die Geige lernen.
Für alle anderen gilt: FINGER WEG!!!

Reply

Stefan in Winnipeg October 12, 2008 at 7:17

Hier bin ich ganz anderer Meinung.
Ich würde vorschlagen: Kauft die billigen Geigen, aber eingeplant werden Zusatzkosten für Werkzeuge und Ersaztzeitle, im Verhältniss 1:3.

Das heisst, kauf die $100 Geige, aber dazu noch gute Saiten, und Bücher und Werkzeuge für $300. Im schlimmsten Falle vermurksen wir die billige Geige, aber die Werkzeuge, und viel wichtiger, die Erfahrungen die wir damit machen, die bleiben uns zurück. Neuer Steg, Stimmstock rumzuckeln. Das ist viel besser als zum Geigenbauer zu gehen, so sehe ich das. Selberbasteln!

Der Spass dabei und dass Erlente bleibt mir immer bei.

Hier zwei Beispiele: http://www.theyellowtags.com/ oder in Europa: http://www.violinprojekt.de/

Jeder der es anders machen will, der darf natürlich.

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Ekronicity May 17, 2009 at 21:47

Ich kann diesem Artikel auch ausnahmsweise nicht zustimmen (so gerne ich auch sonst diesen Blog lese). Meine Geige ist ebenfalls so ein Billigprodukt aus Fernost. Ich selber habe 20 Jahre Klavier gespielt, bin dann aber so oft umgezogen, dass ich das Instrument bei Verwandten lassen musste. Da ich aber auf das Musizieren nicht vollends verzichten wollte, habe ich mir eben in besagtem Auktionshaus eine solche Geige gekauft. Für mich erfüllt sie ihren Zweck. Der Klang ist in Ordnung, ich habe Spaß darauf zu spielen. Ich mache gute Fortschritte auf der Geige, so dass ich wohl mittel- bis langfristig auch ein gutes Instrument kaufen werde. Bis dahin aber kann ich an der “China-Geige” absolut nichts Negatives finden. Klavierspielen hab ich damals auch zu Anfang auf einem “Instrument” gelernt, dass ich heute nicht mal anfassen würde: geschadet hat es nichts.

Reply

Patrick August 19, 2009 at 9:10

China ist nicht gleich China. Auch bei Chinageigen gibt es große Unterschiede:
In China gibt es ernsthafte Geigenbauer, die sehr gute Instrumente herstellen, die sich vor deutschen Meistergeigen für mehrere tausend Euro nicht verstecken müssen, Geigen-Manufakturen, die gute bis passable Instrumente zu sehr niedrigen Preisen bauen, und Fabriken, die Sperrholzgeigen produzieren, mit denen kein Geiger (und vor allem kein Anfänger) glücklich wird.
Ein Beispiel aus der Praxis:
Vor einigen Monaten brauchte mein Sohn (8) eine größere Geige. Ich habe mir von mehreren Geigenbauern halbe Geigen schicken lassen, die wir ca. 2 Wochen lang parallel auf Herz und Nieren getestet haben, allein und mit der Lehrerin. Ich habe bei der telefonischen Bestellung darauf hingewiesen, dass ich für ein begabtes Kind (Polish Dance von Severn nach 2,5 Jahren Unterricht) ein möglichst gutes Instrument mieten möchte:
Im Rennen waren:
a) eine Geige vom deutschen Geigenbauer A (Wert 3.500 Euro)
b) und c) zwei Geigen, vor dem Versand speziell überarbeitet vom deutschen Meister B (2.800 Euro)
d) eine Geige aus Rumänien (1.500 Euro)
e) eine China-Geige “Meisterkopie”, im Sonderangebot mit Bogen und Koffer (820 Euro, aber nur zum Kauf, nicht zur Miete).
Die 3.500-Euro-Geige und die Geige aus Rumänien waren sofort aus dem Rennen: Spielbarkeit, Ansprache und Ton waren deutlich schlechter als bei den anderen. Am Ende lieferten sich eine der 2.800-Euro Geigen und die aus China ein Kopf-an-Kopf-Rennen und gingen gleichzeitig ins Ziel. Gewonnen hat am Ende die China-Geige deswegen, weil sie noch nicht eingespielt war und sich vermutlich noch entwickeln wird.
Der mitgelieferte Kasten stinkt immer noch und der einfache rumänische Bogen wird gerade ausgetauscht, weil die Kopfplatte sich löst (Garantiefall), aber die Geige ist phänomenal.
Auch hier: der halbe 250-Euro-Bogen mit Silbergarnitur vom deutschen Meisterbogenmacher war nur unwesentlich besser als der Billigbogen, der jetzt ausgetauscht wird.

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Stefan Maus August 19, 2009 at 13:10

Mir ging es in dem Artikel nicht darum, pauschal Produkte aus Fernost niederzumachen. Deshalb habe ich auch den Ausdruck China-Geige vermieden.
Ich halte nur Komplett-Angebote für € 90,- incl. Bogen und Kasten für bedenklich und in den meisten Fällen für ausgesprochenen Schund.
Ich selbst habe bei einem Geigenbauer in Peking ein Instrument für etwa 900 oder 1000 Euro gespielt, und es hat mir erstaunlich gut gefallen. Es liegen aber Welten zwischen einem chinesischen Instrument dieser Preislage und einem vermeintlichen Internet-Schnäppchen für 90 Euro.

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Franziska December 28, 2009 at 2:03

Auch ich habe schon meine Erfahrungen mit solchen “Billig-Geigen” gemacht. Meine Freundin versuchte mir nämlich weiszumachen, ihre Eltern hätten ihr zum Geburtstag eine richtige Geige geschenkt. Ich war ziemlich erstaunt, denn normalerweise bekommt sie selten Geschenke, die mehr als 50 Euro wert sind. Also fragte ich sie, wie ihre Eltern ihr eine Geige für so einen Betrag besorgt hatten. Ich erfuhr, dass es es sich um ein neues Instrument mit dem titel “Kindergeige” handelte. Ausgesehen hat es aber wie eine normale 4/4 Geige, nur der Klang war schrecklich. Kein Wunder: Die Geige hatte inklusive “Profikasten” und “Spezialbogen” nicht mehr als 60 Euro gekostet. Ein Jahr später fragte ich meine Freundin dann, ob wir nicht mal zusammen etwas spielen könnten. SIe auf der Geige, ich am Klavier. Allerdings musste ich dabei feststellen, dass meine Freundin nach einem Jahr erst mit dem Greifen von Tönen in der ersten Lage angefangen hatte. Das wunderte mich natürlich erst recht. Erst jetzt erfuhr ich, dass dieses “Billiginstrument” ihre Liebe zur Musik vollständig zerstört hatte. Warum? Meine Freundin war der festen Überzeugung, sie könne nie richtig Geige spielen lernen, und machte dafür den schlechten Klang ihres Instruments verantwortlich.

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Martin Armoniac May 9, 2010 at 1:22

Chinageige, Geige aus Rumänien, Geige vom deutschen Geigenbaumeister – kann man den Nationalismus eigentlich weiter vergessen, indem man wenigstens Städtenamen verwendet?

Reply

Franz Fallada August 28, 2012 at 21:52

Vollhonk, Kulturmarxistischer!

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feierfly June 27, 2010 at 20:43

hallo
schönes thema
bin ein 25 jähriger junger kerl, der ganzfrisch ohne jegliche kenntnisse
angefangen hat, das spielen auf der violine zu lernen.
Die überlegungen zur anschaffung einer geige waren natürlich sofort da und man blätterte durch unzählige online angebote und man kam ins grübeln , hübsch aufgemacht sind ja viele solcher schnäpchen, mit bogen , kolophonium, kasten etc abba obs was taugt ?, hab sogar angebote von knapp 30 euro gesehn , für n komplettes set…naja…^^ man sieht sogar (für mich ehrlich gesagt auch recht ansprechend ) angebote von E geigen ab 50 Euro angefangen . also sowas kann ja echt nix sein zumal diese geigen auch ziemlich häßlich und billg aussehen . Mit den fragen über zukünftige ausgaben bekam ich meinen ersten probeunterricht . Ich bekam eine violine die c.a 650 euro wert ist und durfte auf ihr spielen . Einfach nur wunderschön auf dieser violine töne zu erzeugen bzw. zu versuchen =) Als mir dann zum Ende klar war das ich weiter unterricht nehmen möchte , schlug mir meine lehrerin vor diese entsprechende violine für 17 Euro im monat zu mieten , und wenn ich se dann haben will wird die angezahlte mietsumme verrechnet . Damit bekomm ich nun eine in meinen (anfänger)augen fast schon luxuriöse violine zu mir nach hause
und kann fleißig drauf üben und lernen
Also ich denke mal das durch meine bisherigen erfahrungen,ich voll und ganz die meinungen von herrn stefan maus bestätigen kann =)

mfg

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Anna Nymos July 3, 2010 at 12:13

Hallo Stefan,

einen sehr informativen, schönen Blog stellst du uns da zur Verfügung!!

Aber bei diesem Beitrag bin ich anderer Meinung …
hmm … also der Vergleich mit dem Auto hinkt irgendwie … wenn man schon ein Auto bzw. das Fahrenlernen mit Geige und Geigenspiellernen vergleichen will, müsste man die Fahrschule und den Fahrschulwagen als Vergleichsobjekte heranziehen.

Der Fahrschulwagen auf dem ich gelernt habe, war eine ganz alte ausgelutschte Möhre. Im Stand konnte man bei eingelegtem ersten Gang getrost den Fuß von der Kupplung des Schaltwagens nehmen, er ging trotzdem nicht aus, stotterte nicht einmal. Insofern wäre so ein Auto wohl auch wie ein Billigheimer und ich habe trotzdem das Fahren darauf gelernt und mein erstes Auto auch nicht verhunzt ;o) .

Vor über 30 Jahren habe ich auf einer von meiner Freundin geliehenen Billig-Gitarre meinen Spaß an der Musik entdeckt und mir dann nach einem guten halben Jahr meine Wunschgitarre zugelegt. Das war durchaus vorteilhaft, denn ich konnte nun schon etwas Spielen und auch Optik, Klang und Qualität der Gitarren schon recht gut bewerten.

Vor ein paar Tagen bekam ich eine abgelegte Billig-Geige geschenkt und deshalb bin ich jetzt auf die verrückte Idee verfallen mit 44 Jahren einfach mal ein wenig ins Geigenspiel hineinzuschnuppern.

Ich habe verschiedene Hobbies. Musik ist nur eines davon. Ich denke, dass ein Berufsmusiker und Musiklehrer naturgemäß mit einer Billig-Geige nicht zufrieden sein kann. Aber eine Schneiderin wird auch mit einer durchschnittlichen Nähmaschine, die wir Normalos so besitzen nicht zufrieden sein können. Und so wie die Hausfrau mit der einfachen Nähmaschine durchaus glücklich sein kann, werde ich als Geigenanfängerin durchaus mit dem Billigheimer meine ersten Erfahrungen sammeln können – spielbar ist er nämlich.

Sollte ich der Geige dauerhaft treu bleiben, kann ich mir dann immer noch ein besseres Instrument zulegen. Im Augenblick aber genügt mit mein kleiner asiatischer Freund ;o) .

Viele Grüße,

Anna

Reply

Petra July 8, 2010 at 8:33

Hallo

Ich hab deinen Blog entdeckt auf der Suche nach guter Literatur zum Geige lernen. Ich find ihn sehr interessant.

Deine Einstellung zu billig Geigen habe ich auch schon in diversen Foren gelesen und für Leute die schon lange Geige Spielen wird es wohl so auch zutreffe, mich jedoch hätte es vermutlich abgeschreckt mit dem Geigen spielen anzufangen, wenn ich diese Meinungen gelesen hätte, ehe ich mir meine Geige besorgt habe.

Ich habe mir bei Ebay eine Geige ersteigert, eindeutig aus China aber, auch wenn ich wenig Ahnung habe, ich finde den Klang echt gut, insofern ich den Bogen richtig führe. Er ist voll, klar (soweit ich das beurteilen kann) und “laut”. Ich hätte nie gedacht das eine Geige so laut ist.
Der Spaß hat mich gerade mal 18,60 gekostet, weil nur wenige mitgeboten hatten, inkl. Geigenkasten inkl. Bogen, inkl Kolophonium. Dazu noch ein Buch für ca. 20 EUR gekauft und schon hab ich getestet und festgestellt das es mir riesen Spaß macht, auch wenn ich meine Schulter erst mal überreden muß die ungewohnte Haltung länger als nur eine Halbe Stunde zu halten. Bin halt auch schon 35 und nicht mehr ganz so beweglich wie Kinder oder Jugendliche.
Ich bereue den Kauf nicht, mal davon abgesehen, das es ja nicht wirklich teuer war und man das ganze, wenn es ncihts gewesen wäre, unter “was solls” verbuchen könnte.
Entsprechend finde ich, man sollte diese Billigheimer nicht so pauschal verurteilen. Wenn sich einem Anfänger die gelegenheit bietet für 10-20 EUR eine Geige zu ersteigern, ist das als erstes Testinstrument durchaus ok, man weiß ja das man keine 100% bezahlt hat und somit auch das man keine Meistergeige bekommt. Zum ersten Üben reicht es und um zu sehen ob es einem Spaß macht und auch ob die Knochen noch mitmachen.

Meine Anfänger Meinung
Petra

Reply

feierfly October 30, 2010 at 10:47

hallo
hab hier schon mal meine meinung verfasst
muss aber jetzt doch was dazu sagen
ich hab mir mittlerweile bei ebay spasshalber eine violine direkt aus china ersteigert
mit versand für 117 euro
jetzt würde jeder sagen …ohje da hat der bub sich aber schrott angelacht …aber …weit gefehlt !
die violine ist echt klasse
zumal , sieht sie wunderschön aus , hat schöne details
also sieht um ein vielfaches proffesioneller aus , als die meisten
gewa oder sonst was violinen die man im set für 100 bis 300 euro hier bekommt
nun zum klang
violine ausgepackt , gestimmt , und losgefiedelt
erstmal vom klang enttäuscht
dacht auch wirklich erst , doch wohl schrott den ich gekauft hab…
in den nächsten tagen aber öffnete sich der klang almählich und wurde besser
dann hat ich meinen termin bei meinem geigenbauer , bei dem ich zur zeit auch eine violine gemietet habe
(600 euro , bogen 100 euro Wert)
über meine china violine konnte er nichts negatives sagen
ausser das halt billige stahlsaiten draufwaren .
er hat dann diese gegen thomastik dominant saiten ausgetauscht
, den steg ein bischn gefeilt , und denn stimmstock korrigiert
tja , und was soll ich sagen
die violine klang danach schon wunderbar
mittlerweile spielen sich die saiten auf dem instrument gut ein
und der klang ist noch ein stück klarer geworden
dazu find ich die violine vom klang her um einiges ausgewogener und voluminöser als die von meiner gemieteten
also
bin glücklich

Reply

Andreas December 12, 2010 at 12:43

Erstmal: Der Blog ist ausgezeichnet. Weiter so.

Zum Thema China-Geigen möchte ich mich ebenfalls kurz äußern, denn ich halte das Thema für wichtig. Im Internet liest man immer wieder Hinweise darauf, brauchbare Schülergeigen gebe es erst ab einem bestimmten Betrag, wobei sich die Schreiber auch nie auf einen einheitlichen Betrag einigen können (auf Site a liest man 200 EUR, auf Site b sind es dann schon 500 EUR). Dasselbe Phänomen tritt auf, wenn man nach dem Thema Saiten sucht. Jeder Geigenspieler macht mit bestimmten Saiten auf bestimmten Instrumenten bestimmte Erfahrungen und äußert diese. Dabei kristallisiert sich heraus, dass nicht jede “Top-Saite” auf jedem Instrument gleichermaßen “top” klingt. “Die” Saite für die eigene Geige gibt es anscheinend gar nicht.
Und genauso wird es auch “die” Geige für die eigenen Ansprüche nicht geben. Ich habe mittlerweile die 40 überschritten. Spiele seit über 30 Jahren Akkordeon, Klavier, Kirchenorgel und wollte nun endlich, endlich auch die Violine kennen lernen. Um finanziell nichts zu riskieren, habe ich mir bei Ebäh erstmal eine dieser “super Schnäppchen” aus Fernost kommen lassen: Geige, Bogen, Koffer, Kolophonium für summa 59,90 EUR. Der Koffer war erstklassig verarbeitet, stinkt aber noch heute bestialisch nach allen möglichen Chemikalien. Der Bogen ist fehlerfrei! Zum Kolophonium kann ich nichts sagen, außer dass es “wirkt”. Die Geige selbst ist ausgezeichnet verarbeitet – im Vergleich zu der wesentlich teureren Nachfolgerin, die ich mir kürzlich angeschafft habe, deutlich sauberer. Die Oberfläche zeigte keinen einzigen auch noch so kleinen Fehler! Bereits meine ersten Übungen auf dem Schnäppchen zeigten, dass diese Geige durchaus brauchbar war und für den ganz unbedarften ersten Einstieg vollkommen in Ordnung!

Dennoch habe ich diese Geige mittlerweile wieder abgelegt, da sie trotz aller Brauchbarkeit die Stimmung nicht gut hielt. Die Nachfolgerin ist eine deutsche Geige um 300 EUR, die wie gesagt, nicht ganz so sauber verarbeitet ist (Leimreste auf der Oberfläche), deren Klang aber doch deutlich wärmer und voller ist als die der China-Geige.

Das Fazit wäre also: Die China-Produkte lassen sich nicht alle über einen Kamm scheren, man kann auch Glück haben. Und: Für den allerersten Einstieg sollte man durchaus zugreifen.

Reply

Albert May 9, 2011 at 17:39

Schade, dass so viele so undifferenziert über das Thema “Chinageigen” schwadronieren. Dass es auch anders geht zeigt dieser schöne Beitrag des Bayerischen Rundfunks aus dem Magazin “Taktlos”:

http://www.nmz.de/taktlos/archiv/2009/01/130-stradivari-larifari/

Dort wird nämlich argumentiert, dass es sehr wohl – wie auch deutschte Geigenbauer zugeben, gute chinesische Instrumente gibt. Nur eben nicht für 80 Euronen!

Reply

Christiane Müller August 9, 2011 at 21:43

Ich besitze zwei Geigen. Eine uralte, 19. Jh., auf der ich es vor vielen Jahren erstmalig gelernt habe (vorher hatte ich ne 3/4 Geige unbekannter Herkunft, die besitze ich nicht mehr) und seit ein paar Monaten, als ich nach einer halben Ewigkeit wieder angefangen habe, habe ich mir ein Set von Gewa zugelegt, um die 700 € also ne bessere Set-Geige.
Was meine Eltern damals für die alte hingelegt haben weiß ich nicht. Ich kam jedenfall als Kind mit dem Teil schlecht klar, inzwischen geht es besser.
Ich meine: Vergesst die PReisdiskussion. Eine Geige muss man in die Hand nehmen, los spielen, und wenn sich das gut anfühlt und gut klingt, dann ist es okay, egal ob alte Geige, Gewa, China oder weiß Gott was. Und dann muss das Teil auch keine 2000 € kosten. WObei ich jetzt auch bereit gewesen wäre, die hinzublättern, wenn ich mich mit dieser Preisklasse echt besser gefühlt hätte als mit dem Gewa-Teil. Dem war aber nicht so…
Außerdem: Saiten und Bogen finde ich mindestens genauso wichtig. Auf meiner neuen hab ich den Lieferzustand – Thomastik Vision, ist für den Moment okay. Auf der alten hab ich neu aufgezogen eine “Wiener Melange”, und die klingt auf dem Instrument wesentlich besser als die Stahlsaiten die vorher drauf waren. Mit einer Geige muss man einfach Freundschaft schließen und da ist der Preis eine relativ unwesentliche Größe, find ich.

Reply

Olaf January 23, 2012 at 1:41

Finde hier viele sinnvolle Gedanken. Für die meisten Käufer in Deutschland dürfte es ja zuviel verlangt sein, sich in die komplizierte Materie einzuarbeiten, welche Instrumente aus China für welchen Zweck etwas taugen und welche Instrumente aus China für keinen Zweck etwas taugen (also z.B. die oben genannten 90 EUR-Geigen).
Ich persönlich habe in Einkaufs-Verantwortung für eine Musikschule und einige Streicherklassen im Direktimport viel ausprobieren können, auch Lehrgeld gezahlt, aber im Ganzen gesehen sehr schöne handwerklich gebaute Instrumente für Schüler bekommen. Dabei habe ich 9 verschiedene chinesische Werkstätten ausprobiert…
Für Käufer, die eben mal 1 Instrument für sich oder ihr Kind kaufen wollen, ist diese Methode sicher riskant: Ohne Erfahrungen kann man halt Glück haben oder Pech.
Da gibt es aber eine Reihe deutscher Händler, die ehrlicherweise sagen, wo ihre Instrumente herkommen und dann auch Garantie für die chinesischen Instrumente geben. Es kostet eben nur etwas mehr, als beim Direktkauf in China.
Was ich allerdings gar nicht leiden kann ist, wenn deutsche Händler so tun, als würde es um ein deutsches Instrument gehen, obwohl es aus China ist. Anders ist nicht erklärbar, wie Andreas von einer deutschen Geige für 300 EUR reden kann. Man nehme doch nur einmal deutschen Stundenlohn von vielleicht niedrig angesetzten 20 EUR, und dann kann man sich denken, dass in 10 – 15 Stunden keine Geige entstehen kann, von den Materialkosten ganz zu schweigen.
Ein Baden-Württemberger Geigenbauer auf der Frankfurter Musikmesse 2011 an einem chinesischen Stand: “Das sind doch gute Instrumente, da mache ich noch ein wenig dran, so etwa 20%, damit ich rechtlich abgesichert bin, und dann klebe ich meinen Zettel rein.” Ich bin froh, dass ich mir den Namen des Geigenbauers nicht gemerkt habe…
Andere schreiben verschämt: “Für uns gebaut.” (ohne Angabe wo, das muss man sich dann denken…).
Oder es wird verschwiegen, dass auch ein Taiwanesischer Geigenbauer in China fertigen lässt, schließlich klingt Taiwan immer noch besser, als China.
Oder die Selbstdarstellung einer Chinesischen Firma: Wir haben zehntausende weiße Geigen (also 3/4 fertige Instrumente ohne Lackierung) an europäische Werkstätten geliefert (und man kann sich denken, dass die dann als europäische Instrumente auf den Markt kamen).
Ehrlichkeit über die Quellen der Instrumente würde einiges im Markt und im Ruf der chinesischen Instrumente ändern!
Wünsche allen Lesern ein gut klingendes Instrument, egal woher!

Reply

marerl February 20, 2012 at 11:03

Hallo,

ersteinmal: Dieser Blog ist super!!! Und jetzt zu diesem Thema mit den Billigheimern:
Ich bin Kirchenmusikerin, 51 Jahre alt und habe vor drei Monaten mit Geige angefangen. (Allerdings habe ich auch schon Vorkenntnisse vom Cello)
Erst hatte ich mir eine Fabrikgeige von einem Musikgeschäft gemietet. Der Klang war ok. Habe aber immer das Gefühl gehabt, das das Griffbrett für meine dicken Tastenfinger zu dick ist. Habe mich viel verspannt. Bin jetzt mit meiner Geigenlehrerin zu Winterling in Hamburg und habe Geigen ausprobiert und mir eine wunderschöne Geige für 2000 Euro gekauft.
Es ist wunderbar! Die Geige schmiegt sich an mich ran, es ist so toll, dieses Holz zu spüren und diesen Klang zu hören. Es ist ein absolut anderer vollerer Klang!! Und das Üben macht doppelt so viel Freude!! Oft bemerke ich gar nicht, wie die Zeit vergeht. 2 Stunden sind da nix…… Die Verspannungen sind weniger geworden und es ist jeden Tag einfach schön, diese Geige in die Hand zu nehmen und sich daran zu freuen. Ich halte es für sehr wichtig, das gerade Kinder sehr gute Instrumente in die Hand bekommen, da sie dann mehr Freude an der Musik haben.
Lieber ein gutes Instrument mieten, als ein schlechtes kaufen!!
Es lohnt sich!
Lg Marerl
!

Reply

Dan February 25, 2012 at 21:57

Hallo, wollte auch einmal mitreden. Das Ganze ist jetzt etwas kompliziert, ich hab etwa sechs Jahre Geigenunterricht gehabt, die Letzten zwei Jahre dann auf einem relativ guten Leihinstrument um die 1000Euro, dann kam eine Pause von etwa drei Jahren, in denen ich kein Instrument hatte(Leihinstrument musste abgegeben werdrn). Als ich dann erfuhr, dass es an meiner schule eine Geige gab (Billiginstrument aus China), hab ich mir die natürlich sofort ausgeliehen. Und der Klang war (nach dem Aufziehen von neuen Seiten) gar nicht einmal sooo schlecht. Natürlch lässt er sich mit dem Klang meines früheren Leihinstrumentes oder auch mit dem meines jetzigen Instrumentes (um 1200Euro) nicht wirklich vergleichen.

Reply

ncc1701d1 September 28, 2012 at 9:16

Hier kann ich auch eine kleine Begebenheit beisteuern. Ich habe meine Tochter bei einer renomierten Musikschule in unserer Stadt angemeldet zum Violinenunterricht in einer 4rer Gruppe. Nach jahrelanger Wartezeit kam dieser zustande. Angeboten wurden von der Lehrerin Leihgeigen aus dem Hause oder Extern zu beschaffen. Wir haben ein “Billigheimer” erstanden. Meine Tochter nahm 6x am Unterricht teil, kein einziges mal hat sie mit dem Bogen über die Seiten gestrichen, weil die Lehrerin jedes Instrument vor Beginn exakt gestimmt hat, so blieb keine Zeit zum spielen. Die Kinder turnten im Saal herum. Besonders aufgehalten hat unsere Geige. Deshalb bot sie uns an seperat zu Stimmen, danach war sie immernoch sehr unzufrieden. Meine Tochter kam immer unzufrieden am schluß weinend aus dem Unterricht. Von den Müttern wurde erwartet die Geigen zu Hause vorzustimmen wenn nötig mit einem elektronischen Stimmgerät. Wir kauften eine 2te Geige im Musikhaus, vom Geigenbauer eingestellt, diese entsprach wieder nicht 100% den Anforderungen. Eine weitere Mutter tat es ebenso. Ich kündigte in der Schule und musste dennoch ein 1/2 Jahr Gebüren bezahlen. Meine Tochter spielt nun bei einer anderen Lehrerin mit der 2ten Geige und ist glücklich! Zwei Geigenbauer aus der Gegend habe ich zu Rate gezogen, beide beziehen ihre Geigen aus China und peppen sie auf. Mein Fazit: Sapere aude! Mit Leistungsdruck zerstört man auch den letzten Keim der Begeisterung die zum Lernen nötig ist.

Reply

Dieter December 27, 2012 at 23:19

Ein kleiner ergänzender Beitrag von mir bzw. im Namen meiner Frau, die die Hauptmusikerin ist – und aktiv fast zwei Dutzend Instrumente spielt. Viele davon natürlich auf nur bescheidenem Niveau. Und weil das – bei der Vielzahl der Instrumente – bei etlichen auch nicht anders werden kann, war von Anfang an klar, dass (bei sehr beschränktem Geldbeutel) nur “Billig”-Instrumente in Frage kommen konnten. Die Alternative wäre gewesen: gar kein Kauf.

Also aus China fanden sich bei uns via Ersteigerung ein:
- Cello (incl. Koffer, Bogen) ca. 160 € – Unglaublicher Glücksfall!!! Klingt wesentlich besser als das xxxx-fach-teurere Teil einer Freundin, die es vom Fachhändler hat.
- 2. Cello (dasselbe Modell vom selben Verkäufer) ca. 130 € – Nur für Notfälle zu gebrauchen oder als Deko!
- Klarinette (Kunsstoff) ca. 100 € – Akzeptabel für Anfänger, annehmbarer Klang, aber auch nicht mehr
- Ventilposaune ca. 150 € – Direkt nach Kauf vom Posaunisten testen lassen: einfache Verarbeitung aber schöner Klang, für Anfänger und auch Fortgeschrittene geeignet
- Saxophon ca. 130 € (kleiner schnell behebbarer Lötfehler): wie bei der Posaune schöner Klang, für Anfänger und auch Fortgeschrittene geeignet
- Geige (Koffer, Bogen) ca. 30 € (!): Ab in die Tonne damit bzw. sofort zurück! Nicht spielbar!

FAZIT: Alles ist bei Billigteilen aus China möglich.

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Lena January 27, 2013 at 23:50

Wenn sich hier alle auslassen über das Tehma, dann auch ich!

Ich habe vor ca. einem Jahr angefangen zu spielen und mich dann sehr schnell nach einem eigenen Instrument umgesehen. Diese 39.95€ “Angebote” auf ebay fand ich ziemlich…seltsam.
Habe dann jedoch in einem Onlineshop, wo der Verkäufer in meiner Stadt ist doch mal zugeschlagen und abgemacht das Intrument persönlich abzuholen. ich klingelte dort und ein freundlicher Rumäne öffnete mir die Tür. er zeigte mir dann sehr geduldig alle Exemplare die er zur Auswahl hatte, auch welche für die ich mich so sicher nicht entschieden hätte, die mich live aber dann doch überzeugt haben.
Die Instrumente von ihm waren wirklich der Hammer! Ich habe ihm dann letztendlich eine Geige für 260 € abgekauft (ohne Koffer, ohne Bogen, nur die Geige) und auch meine Geigenlehrerin war total begeistert. Ich ließ sie raten wieviel sie dafür ausgebene würde und sie schätze das Instrument auf 1200€. Da war ich wirklich baff. Seiddem spiele ich auf ihr, und ich möcht behaupten dass sie sich sogar jetzt noch besser anhört, als vor einem Jahr….

Anderseits meinte eine aus meiner Klasse, die mir sehr nacheifert, sie würde jetzt auch Geige spielen und hat mir dann ihr “Billiginstrument” gezeigt (nach der “Rumänen-Erfahrung” dacht ich eigendlich so schlimm und übertrieben sei das alles garnicht, doch dann sah ich es!)
Die war wirklich “schlampig” verleimt, das Griffbrett war irgendwie schief, und ich fands auch ziemlich unbequem darauf zu greifen, dazu hat sie geglänzt wie ein poliertes Auto, was ich bei Geigen ja wirklich etwas Charackterlos finde.. ich finde das zerstört den Gesamteindruck.
Das “krasseste” war dass die Wirbel nicht gerade im wirbelkasten stecken, sonder kreutz und quer- wie es dem der sie angepasst hat wohl gerade passte (oder dem der die wirbellöcher gemacht hat).
alles in allem wirklich ein Schrottteil, vom Steg möcht ich garnicht reden….der passte da garnicht richtig drauf!

Es gibt also echte Auslands-Billigmeier-Geigen, aber auch echt “geile” Instrumente mit denen man ordentlich Spaß haben kann.

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Christiane March 14, 2013 at 3:16

Jetzt habe ich den Artikel gelesen und einige, nicht alle, Kommentare dazu und möchte meinen Senf nun dabei geben.

Billig-Geige Ja oder Nein?
Da widerspreche ich der absoluten Ablehnung entschieden, was den Punkt angeht “erst mal sehen ob es wirklich was ist”
Obwohl ich nach 6 Monaten an dem Punkt bin mir nun eine “Meister” Geige anzuschaffen war der Kauf meiner Billig-Geige weder rausgeschmissenes Geld noch Ärger oder Frust.

Wie ich dazu kam:
Schon als Kind hatte ich mich in den Klang vom Violinenspiel verliebt, aber bin nie auch nur in die näher einer Geige gekommen. D.h. ich kannte Geigen, bis vor 6 Monaten, nur vom Höhren und Sehen in Radio und TV. Als ich mir im letzten September endlich meinen Wunsch Geige zu lernen erfüllen wollte war guter Rat weit weg. Weder gibt es hier in näherer Umgebung einen Geigenbauer noch ein Geschäft für Musikinstrumente. Also ab ins Internet, wohl wissend das eine Geige ihren Preis hat.
Da stellte sich mir dann die Frage: Welche Geige? Denn Geige ist nicht gleich Geige. Die nächste Frage war: Ist das jetzt nur ein unerfüllter Kinderwunsch der sich dann als Luftblase erweißt oder steckt mehr dahinter.

Ein wenig in Foren gelesen, sehr oft zu lesen bekommen, ab einem Alter von 35-40 kann man kein Instrument neu lernen, schon gar nicht Geige, weil das Gehirn keine neuen Verbindungen schaffen könnte, die dafür nötig wären. (Darüber schmunzel ich noch Heute, da das Gegenteil längst wissenschaftlich Bewiesen ist).
Also ab zu Internet-Auktionshäusern und meinem Online Händler “MEIN ein für alles” (nicht e-dingsbums).
Dort sah ich dann auch viele solcher Billig-Angebote und obwohl mir klar war, dass diese Geigen ganz sicher keinen schönen Klang hervorbringen, weil es sicherlich unliebsam, billig ohne wirkliche Kenntnisse hergestellt wurde, habe ich mir ACHTUNG
ein Geigen-Set für 42€ gekauft!
Jetzt war ich nicht ganz Instrumenten unerfahren (Klavier, Blockflöte), aber Streichinstrumente unerfahren. Ich habe also bei 0 Angefangen ohne Geigenlehrer ohne Geigenunterricht ohne Musikschule – Autodidakt.
In der ersten Zeit konnte ich im Grunde gar nichts dazu sagen wie gut oder schlecht die Geige klingt, weil
1. Mein Gehör dafür noch gar nicht eingestimmt war.
2. Ich eine Zeit brauchte um überhaupt einen brauchbaren Ton raus zu bekommen.
Es fängt ja schon beim Stimmen der Geige an und die Richtige Spannung am Bogen. Dann die Haltung von Geige und Bogenarm usw.
Jetzt nach 6 Monaten üben mit dieser Geige bin ich an dem Punkt wo ich sage: OK der Klang geht auf dauer gar nicht.
Daher bin ich auch überglücklich, dass sich ein Gedanke von mir Erfüllt hat, nämlich einen Geigenverleih über das Internet zu finden. Diesen werde ich in nächster Zeit erst mal nutzen um ein Gehör zu den unterschiedlichen Geigenbauern zu bekommen.
Gut möglich, dass ich danach meine Geige gar nicht mehr spiele, aber bis dahin reicht diese immer noch aus um das Steichen und die Griffe zu üben. Frust am Geigespielen habe ich deswegen in keinster Weise im Gegenteil ich will auf jeden Fall weiter machen.
Und weil das so ist möchte ich nicht einfach “Blind” eine Geige kaufen, sondern in aller Ruhe herausfinden welche Klang gefällt mir gut, welcher weniger gut, da ich mir eine Stradivari nun mal nie werde leisten können :) .

Ach ja, noch zu der Stradivari für 50€. Wer das glaubt, dem kann man bestimmt auch einen vom “Platten im Kettenrad” erzählen. ;-)
Zeigt mir einen der/die eine echte Stradivari für 50€ verkauft und ich gebe dieser Person sofort 100€ für das Instrument.
Selbst Menschen die nie eine Instrument gespielt haben und fern davon sind sich überhaupt Violinen Musik anzuhören wissen, dass Stradivari = Teuer bedeutet.

So und nun erfreue ich mich erst mal weiter an meinem Geigen-Set für 42€! Geige, Bogen, Schulterstütze, Kolofon, Stimmpfeife, Lehr Heft mit CD und Geigen-Koffer. Von mir wurde Kolofon ausgetauscht und ein batteriebetriebenes Stimmtgerät dazu gekauft.
Ob ein Geigenlehrer das glaubt oder nicht, ich bin glücklich :-)

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Christiane March 14, 2013 at 3:22

PS: Meine Geige ist angeblich deutsche Herstellung vom Geigenbauer.
Wers glaubt wird seelig, wer nicht, wie ich, wird trotz dem glücklich.

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Jürgen November 10, 2013 at 15:09

Hallo erstmal, ist ja witzig hier. Ich mache seit 50 Jahren Musik und spiele verschiedene Instrumente. Ich besitze Gitarren im Wert zwischen 100 und 7000 €. eine meiner am besten klingenden Gitarren hat gebraucht 380 € gekostet. Meine erste Gitarre im Jahre 1963 30 DM. Ich habe das Gitarre spielen auf einer Schrottgitarre gelernt, weil ich besessen war. Andernfalls wäre mein Gitarrenspiel auf der Strecke geblieben. Was sagt uns das:
1. Wer besessen ist kann auch mit einem schlechten Instrument das Spielen erlernen. Nicht Ideal.
2. Die Qualität eines Instrumente hängt nur bedingt vom Preis ab. Ein Fachmann-frau kann helfen, aber hier spielt noch die Qualtät des Ratgebers und sein Geschmack eine Rolle, und das erstere kann ein Anfänger nicht beurteilen.
3. Musikinstrumente und deren Hersteller und Märkte miteinander zu vergleichen ist das unsinnigste was ich je gehört habe.
4. Jemand schreibt dass Stradivarius=teuer bedeutet, diejenige
sollte sich mal mit der Geigenbaufamilie Stradivari beschäftigen und wird feststellen dass diese Aussage völliger Schwachsinn ist.
Wenn sich jemand mit dem Gedanken trägt ein Instrument zu erlernen sollte er erst versuchen sich ein wenig in die Thematik ein zu lesen, diese Möglichkeit hatten wir in den sechziger Jahren nicht. Im Idealfall findet man einen guten Lehrer der einem schon am Anfang Unterstützung bietet. Generell halte ich qualifizierten Unterricht für unerlässlich, gute Autodidakten gibt es sehr wenige.
Jürgen

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Thomas January 17, 2014 at 14:40

Hallo Ihr Lieben,

wie einige Vorredner kann ich dem Artikel nur bedingt zustimmen.

Meine erste Geige war als “defekt zum Ausschlachten oder Restaurieren” aus Kleinanzeigen für kleines Geld erstanden. Neuer Saitenhalter, neue Saiten, neuer Steg, Wirbel und Wirbelkasten nachgearbeitet, Stimmstock nach “Foren-Anleitung” aufgestellt, Steg ebenso.

Resultat: Eine Geige, die nach Meinung einiger sehr guter Spieler nach “weit über tausend Euro” klingt, sehr viel über Geigen gelernt, einen persönlichen Bezug zu dem Instrument (und damit garantierte Motivation zu lernen) und Stolz, es “der Welt gezeigt” zu haben.

Ähnlich habe ich es vor längerer Zeit mit meiner zweiten Querflöte gemacht (Silberflöte – Zufallsfund auf einem Flohmarkt): Beulen im Rohr, eine Klappe gebrochen, Federn gebrochen, trauriger Zustand. (Tip: Klaviersaiten eignen sich hervorragend als Federn für die Klappen!). Instrument zerlegt, geputzt, gelötet, repariert… gegen die ich meine gekaufte Yamaha einmotten konnte…

Sicher, jetzt werden Argumente kommen wie “nicht jeder hat das handwerkliche Geschick…” etc.pp. (übrigens bin ich Informatiker) – es muss ja auch nicht gleich ein schon als defekt deklariertes Instrument sein… aber man kann mit Geduld und Bereitschaft, sich mit der Materie auseinander zu setzen, durchaus ein Schnäppchen machen, das es einem ermöglicht, ein Instrument zu erlernen, was man sonst (wenn man die 1500€ nun mal nicht hat) nicht könnte.

Liebe Grüße,
Thomas

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Silver February 28, 2014 at 4:55

Es wäre um einiges hilfreicher wenn auch die Chinageigen beim (Marken) Namen genannt werden würden. ;)

Eine Kollegin hat sich vor einiger Zeit eine Menzel 501, (”Handcraftet in China”) in einem Musikhaus gekauft. Koffer, Bogen, Kolophon und Kinnhalter (Ebenholz) Lagen bei. Das Griffbrett ist aus Ebenholz, ebenso die Wirbel. Der Saitenhalter ist aus Leichtmetall mit 4 Feinstimmern. Boden und Zargen sind Ahorn massiv (leicht geflammt) , die Decke ist Fichte Massiv. Preis 160€.

Soweit ich sagen kann Klingt sie nicht schlecht, trotz Stahlsaiten. Da ich nach Gitarre, Blockflöte und Sackpfeife nun auch Geige lernen will habe ich mir die selbe Bestellt. Allerdings bin ich nun ab den ganze China-hate berichten etwas unsicher geworden. Hat jemand erfahung mit diesem Hersteller?

Grüessli aus der Schweiz

Silver

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Daniela June 6, 2014 at 13:38

Schöner Block. Ich bin auf ihn gestoßen, da ich eine billige Geige gekauft habe.
Aber mal von Anfang an. Ich habe nicht viel Geld, möchte aber als Ü40 gerne Geige lernen (Vorkenntnisse von anderen Instrumenten sind vorhanden).
Unterricht nehmen ist momentan finanziell nicht drin, aber man wird nicht jünger und ich möchte doch sooooo gerne, nur so zuhause für mich…
Also Wochenlang das Internet durchforstet. Da liest man ja so einiges…
Natürlich habe ich auch ein Auge auf Ibei gehabt und dort war eine Auktion eingestellt, die hat mich irgendwie magisch angezogen. Kein Foto, mäßige Beschreibung. Dazu noch eine doofe Einstell/Endzeit…sollte ich es riskieren? Ich habe, und ich bin glücklich. Die Geige ist fast neu, kostet in online Musikshops meist ca 200,- und ich habe sie für rund 40,- bekommen (wohl wegen oben genannter Dinge. Haben eben wenige mitgeboten).
Ich bin so froh und will meine Kleine eigentlich gar nicht wieder aus der Hand legen. Ich hatte vorher auf einer geliehenen Steinbach Geige (auch aus China) gefiedelt, aber klanglich ist mein Schätzchen um Längen besser, sogar wenn ich spiele, und ich bin da noch nicht so gut drin. Ein Bekannter hat eine teure Geige vom Geigenbauer. Klar klingt die besser (die Saiten da drauf kosten ja schon fast das doppelte wie mein Schätzchen komplett), aber ich weiß daß so ein Instrument für mich fast unerreichbar ist. Und wenn ich den Preis meiner Geige sehe und sie höre, bin ich glücklich, daß ich das Glück hatte für den Preis soviel Klang zu bekommen.
Und was hatte ich denn für Alternativen? Es gab nur “Billigheimer kaufen und das Beste draus machen” oder “auf Geige spielen verzichten wegen Geldmangel”. Das erste ist mir dann doch lieber.
Ich finde man sollte nicht auf China, Deutsch oder sonstwoher gucken, sondern darauf ob einem sein Instrument gefällt. Und wenn man ein billiges Instrument kauft muß einem klar sein, daß es evtl nicht so top klingt wie eine teure vom Geigenbauer. Man darf eben nur das erwarten, was man bezahlt. Hauptsache man kann spielen. Allerdings halte ich auch nichts von diesen 39,- Neupreis Komplett-Paketen, darum hatte ich ja nach einer gebrauchten gesucht.

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Michael S. August 28, 2014 at 10:46

Das mit mit dem rumänischen Autobauer ist natürlich Bockmist. Als ich das letzte Mal in DE war habe ich mich gewundert wie viele Dacias dort rumgefahren sind. Es hat natürlich etwas mit dem Status zu tun. In Deutschland ist es halt ein Statussymbol und man denkt es ist wichtig, was andere von einem denken. Ich denke nicht, dass alle Billiggeigen aus Fernost Schrott sind, aber sicherlich, die, die man für 39.- € bekommt.

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Corilon violins March 14, 2015 at 10:18

Zum Thema “chinesische Geigenbauer” haben wir einen interessanten Artikel verfasst:

http://www.corilon.com/shop/de/info/china-zeitgenoessische-geigenbauer.html

Im Schatten der Fabriken: Geigenbauer aus China und Taiwan

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Gernot June 7, 2015 at 10:44

Hallo ihr!
Ist ein interessanter Blog hier!
Ich bin 48 und beginne gerade mit dem Geigenspielen; war immer mein Traum; nun will ich mir nicht sofort eine teure Geige kaufen (und mieten ist nicht mein Ding), da ich zuerst Erfahrung sammeln will; deshalb habe ich mir bei ebay ein paar gebrauchte Geigen ersteigert; die Erfahrungen mit den Geigen sind bisher gemischt, doch ich habe Geduld.
Ich gehe davon aus, dass eine gute Geige mehrere tausend Euro kosten wird, zuerst muss aber auch meine Technik stimmen.
Ich lerne Geige aus diversen Videos und komme recht gut voran!
Vl gibt es ein paar Kommentare zu meiner Herangehensweise an dieses schöne Thema :-)
Freue mich,
Gernot

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Norbert September 22, 2015 at 20:51

Ich habe mit 50 angefangen Geigenunterricht zu nehmen. Zuvor hatte ich mit 12 ein Jahr lang Unterricht, aber das war nur ein Krampf. Wegen meines Berufes werde nie so intensiv üben können, wie man sollte und die Gelenkigkeit von jungen Leuten habe ich auch nicht mehr. Aber: Ich habe große Freude beim Geigespielen. Ich habe zwei alte wohlklingende Geigen (eine ist ein Erbstück (200 Jahre alt) und die andere eine 2000-Euro Geige (100 Jahre alt). Zudem habe ich ein Billiggeige, wenn’s mal wilder zugeht. Aber den Geigenunterricht mit einer richtigen Lehrerin kann ich nur empfehlen. Trotzdem hole ich mir aus dem Interet immer wieder Tipps.

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Gliga-Geige September 29, 2016 at 13:04

Sorry,
worin besteht der Sinn sich MEHRERE Geigen zu ersteigern, wenn man ein begrenztes Budget hat??

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Frederica August 21, 2015 at 19:54

Ich besitze mehr oder weniger zufällig drei Geigen.
Eine habe ich geerbt, die stammt aus Hamburg von 1931, eine zweite habe ich von meiner Geigenlehrerin gekauft, als sich jüngere Schüler ihre erste ganze Geige gekauft haben. Meine Lehrerin hatte verschiedene Instrumente mitgebracht und ich habe dann recht spontan entschieden, auch eine zu kaufen ;-) und mich für ein Instrument entschieden, das einen etwas tieferen Klang hat. Das kostete ca. 800 € und war so ein Markneukircheninstrument von 1895.
Eine dritte Geige habe ich mir später mal von Ebay kauft, für ca. 400 € , keine Ahnung mehr genau, warum. Das war so eine “Chinageige” und sie musste vom Geigenbauer etwas angepasst werden (Wirbellöcher, Steg).
Meine geerbte Geige ist laut Geigenbauer ca. 2000 € wert, hat aber für meine Ohren den “schlechtesten” Klang. Sie kratzt oder fiept nicht und man kann auch auf ihr gut spielen, nur für mich klingt sie ein bisschen nasal.
Die Chinageige hat einen runden, sehr ausgeglichenen Ton, ist aber etwas laut.
Die Geige von meiner Geigenlehrerin ist meine Lieblingsgeige, vielleicht, weil ich sie selbst ausgesucht habe. Mein Geigenbauer und einige Freunde, die keine Instrumente spielen, mögen ihren Klang nicht und in der Tat hört er sich von weiter weg auch etwas nasal an, aber am Ohr für mich am besten.

Als sich die anderen Schüler die Geigen ausgesucht haben, war auch eine sehr gute Schülerin dabei, die sich auch eine eher leise, leicht nasale Geige aussuchte. Das konnte die Lehrerin nicht verstehen.

Auf youtube gibt es ein Video von “Fiddlerman, der eine $ 100-Geige spielt. Okay, er hat selbst einen Shop und verkauft unter anderem die, ich glaube ihm aber, dass man auch auf Billiginstrumenten gut spielen kann, wenn sie spielfertig gemacht wurden und man eben gut spielen kann.
Vielleicht nicht auf allen, aber auf vielen.
Oft wird die Option vergessen, gebrauchte Instrumente von anderen Schülern zu kaufen, die sich verbessern wollen. Am besten mit Tests beim Lehrer oder jemandem, der schon länger spielt. Statt blind von ebay zu bestellen würde ich heute eher bei Kleinanzeigen nach Angeboten aus meiner Umgebung suchen und entweder selbst testen oder jemanden zum Testen mitnehmen, der sicher spielen kann.

Als Problem sehe ich Geigenbauer, die den Anschein erwecken, Geigen müssten teuer sein. Ich weiß nicht, ob Geigenbauer auch gebrauchte Schülerinstrumente verkaufen, ich hörte anfangs Meinungen wie “unter 1000 € ist gar nichts zu machen”.
So etwas treibt die Leute natürlich zum Internetkauf.

Ich würde heute den Preis einer Geige bei ca. 300-400 € ansetzen. Vielleicht etwas günstiger, wenn man eine gebrauchte Schülergeige aufkaufen kann. Eine Freundin von mir bestellte sich blind von Ebay eine Geige für 250 € und liebt diese; das Instrument hat auch einen sehr warmen, angenehmen Klang.
Allgemein würde ich allerdings eher zum Sparen als zum Billigkauf raten. Eine Freundin von mir sparte z.B. fast zwei Jahre auf ihre Digitalkamera (DLSR), sie konnte nur kleine Beträge zurück legen, war dafür mit dem Kauf aber absolut glücklich und wusste, warum sie wartete. Bei Kindern sind zwei Jahre nun sehr, sehr lang und hier würde ich immer versuchen, eine Alternative zu finden (Verwandte fragen, ob sie Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke vorziehen können, um das Instrument zu kaufen bzw. wirklich erst mal leihen, bis man eine ganze Geige braucht), aber Erwachsenen würde ich wirklich lieber zum Warten raten und dann am besten zum Kauf gebrauchter Schülergeigen, die sie selbst oder die in ihrer Anwesenheit probegespielt wurden.

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Norbert September 22, 2015 at 20:36

Ich habe – neben zwei schönen alten Geigen – auch eine chinesische Industrie-Geige (Lark), die ich 1976 um umgerechnet 50 Euro (samt Koffer und Bogen) neu gekauft hatte. Ich verwende sie als Outdoor-Geige, z.B. beim Lagerfeuer. Den Saitenhalter habe ich durch einen Thomastik-Infeld Feinsimm-Saitenhalter ersetzt und ich verwende einen Carbonbogen. So kommt zumindest ein passabler Klang heraus.
Für Anfänger kann aber nur dem Artikel zustimmen. Fast noch wichtiger als der Klang ist allerdings, dass die Geige angenehm am Körper liegt. Und da kommt man um Probieren nicht herum. Außerdem würde ich eine Geige nur im Fachhandel kaufen, wo ich auch Bereatung bekomme.

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Thomas October 31, 2015 at 13:52

Durch Zufall habe ich den Blog mit einem Schmunzeln, da seit 17 Jahren IT-Freiberufler und mit ähnlichen Themen konfrontiert, gelesen.

Vor 18 Monaten, im zarten Alter von 46, habe ich mit der Violine begonnen.

Mein Instrument ist bewusst hochwertig, von einem französischem Meister aus Mirecourt, ca 120 Jahre alt und im Preis vierstellig. Ich spiele sie gerne und ihr Klang sagt nicht nur mir zu.

Warum ich zu solch einem Instrument gegriffen und nicht eines für 90 oder auch 300 EUR gekauft habe?

Weil es kalkulatorisch nicht passt und deswegen nur ein Gerät -besser ein „Teil“, denn Gerät ist schon übertrieben ;-) – dabei heraus kommen kann.

Im Allgemeinen benötigt ein Geigenbauer, der drei harte Jahre in Mittenwald oder Klingenthal verbracht hat, 150 Arbeitsstunden für eins seiner äußerst respektablen Werke.
Der Rest ist einfachste Mathematik und bedeutet beim errechneten Stundenlohn definitiv ziehen einer Wartekarte beim Sozialamt oder eben gleich Wittelsbacher Brücke, rechtes Isar-Ufer.
Geige wird dort weniger gespielt.

Also, support your local dealer…!

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