Geiz ist geil!
Eine große Elektronikkette benutzte diesen Slogan, um Kunden anzulocken. Auch wenn die Wortwahl nicht unbedingt glücklich war, zeigte er doch, wie eine ganze Gesellschaft ohne Rücksicht auf (Qualitäts-) Verluste in einen Spar-Wahn verfiel.
Das mag für Lebensmittel und Dinge des täglichen Gebrauchs zutreffen, aber nicht unbedingt für komplizierte Elektronikartikel. Dem möchte ich einen anderen Slogan entgegenhalten:
Billig ist oft teurer!
Der durchschnittliche Autokäufer hat den Wahrheitsgehalt dieses Spruchs längst erkannt und kauft entsprechend. Wie anders ist es zu erklären, dass ein rumänischer Autohersteller eines französischen Konzerns trotz einer groß angelegten Werbeaktion verglichen mit anderen Herstellern kein Bein an die Erde bekommt? Und das trotz eines Einstiegspreises von € 7200,- (Juli 2008) für eine viertürige Limousine! Neu!
Bei dem Preis müssten die Straßen voll sein mit Fahrzeugen dieser Marke. Stattdessen wird, ohne mit der Wimper zu zucken, der zwei-, drei- oder vielfache Preis für einen Gebrauchtwagen anderer Hersteller auf den Tisch gelegt.
Heute morgen habe ich in dem bekannten Internet-Auktionshaus nach “Violine” gesucht und ein Angebot gefunden:
Sofortkauf für € 39,90.
Inklusive Bogen, Koffer und – man höre und staune – einem Zusatzgurt für den Kasten.
Eine meiner Schülerinnen kam vor einiger Zeit freudestrahlend mit einem wahren Schnäppchen zum Unterricht. Sie hatte, bevor sie als Anfängerin mit dem Unterricht begann, ein Gerät ersteigert (es widerstrebt mir, den Ausdruck “Instrument” zu benutzen) für sage und schreibe € 90,-. Mit Bogen. Und Kasten.
Die Geige klang wie… nun ja… wie 90 Euro. Ich selbst spiele nun seit mehr als 35 Jahren Geige und weiß eigentlich schon, was ich tue, aber auch mir war es nicht möglich, einen Ton zu erzeugen, der schön klang, egal wie sehr ich mich bemühte. Sie erzählte mir, dass die Geige nicht spielfähig war, als sie ankam, der Steg war umgekippt, der Stimmstock kullerte lose herum, und zwei Saiten waren gerissen.
Freude hatte sie an ihrem Ton genausowenig wie ich. Trotz guter Bogenhaltung.
In Internet-Foren (der aufmerksame Leser merkt, ich bin häufiger dort unterwegs) liest man immer wieder den Tip, doch zu Anfang so ein Billig-Instrument zu erstehen, um auszuprobieren, ob das Instrument Violine überhaupt das richtige ist, oder ob der Schüler nicht lieber Klavier, Blockflöte oder Alphorn erlernen soll. Wie, um alles in der Welt, soll denn ein Schüler jemals Freude an diesem Instrument empfinden, wenn es so schlecht klingt, dass ihm nicht einmal der Lehrer halbwegs annehmbare Töne entlocken kann?
Billig ist oft teurer. Die Chancen stehen gut, dass der Schüler ziemlich schnell aufgibt und das Instrument liegen bleibt. Ich wage zu bezweifeln, dass sich viele Kaufinteressenten für ein gebrauchtes Billig-Gerät für denselben Preis melden werden.
Was wäre denn die Alternative gewesen?
Die Schülerin hätte sich für denselben Preis für einige Monate von einem seriösen Geigenbauer ein Leihinstrument mieten können. Das wäre in einem guten Zustand gewesen, der Wert hätte vielleicht bei €1500,- gelegen, die Geige wäre automatisch versichert gewesen, und sie hätte mit Sicherheit viel mehr Freude am Geigen gehabt und hätte es besser beurteilen können, ob das Instrument Violine für sie in Frage kommt oder nicht.
Jetzt wird vielleicht die Frage kommen “und danach?”.
Danach hätte sie entweder dasselbe Instrument käuflich erwerben können, wobei der Mietpreis z.T. auch angerechnet wird, oder sie hätte sich auf die Suche nach einem anderen Kaufinstrument machen können.
Mir ist durchaus bewusst, dass € 1500,- ein ziemlicher Batzen Geld ist, verglichen mit den € 90,- für das Auktionshaus. Allerdings vergessen die meisten Kritiker der so hohen Preise für Instrumente, dass das investierte Geld nicht einfach verloren ist. Anders als bei einem durchschnittlichen Auto, und anders als bei einer Billig-Geige, verliert ein gutes Streichinstrument nicht an Wert. Gute Pflege vorausgesetzt, sollte das Instrument zumindest seinen Wert halten, bei einem etwaigen Wiederverkauf also die o.a. € 1500,- wieder hereinbringen, vielleicht sogar mit einem entsprechenden Aufschlag, um die momentan galoppierende Inflation auszugleichen.
Mein eindringlicher Appell an alle potentiellen Geigenschüler lautet: Vergesst die Biligheimer, geht zum Geigenbauer, mietet Euch ein Instrument, sucht Euch einen guten Lehrer und vor allem – habt Freude an der Musik mit diesem wunderschönen Instrument!
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Diesem Artikel ist im Großen und Ganzen zuzustimmen, was Geigen betrifft. Nur zu dem rumänischen Autobauer, der angeblich “kein Bein an die Erde bekommt” wäre hinzuzufügen, dass dieser keineswegs Schrott baut: Seine sensationell günstige Limousine schneidet nämlich in Testberichten einigermaßen gut ab.
Dieses Auto war anfangs für Schwellenländer konzipiert worden und sollte in Westeuropa gar nicht verkauft werden. Später hat sich der Autobauer entschieden, es auch in Westeuropa zu vermarkten, weil es eben auch hier allerhand Leute gibt, die ein ordentliches Auto für wenig Geld möchten.
Bei diesen Autos ist der Preisunterschied ja auch nicht so riesengroß wie bei den Geigen: Wenn eine gute Schülergeige 1500 Euro kostet und das billigste “Schnäppchen” nur 39 Euro, das wäre im Vergleich so, als wenn ein namhafter Hersteller Limousinen für 20.000 Euro anbietet und der billigste Hersteller seine Limousine für nur 520 Euro verkauft.
Ich habe selbst auch eine Erfahrung mit einer solchen China-Geige machen müssen und Alles in Allem ist die Qualität solcher “Instrumente” tatsächlich sehr schlecht. Für die besagten 39 Euro bekommt man mit Sicherheit auch nur Sperrholz, das bestenfalls als Wandschmuck taugt. Das Komplettset, das ich für billige 90 Euro erstanden habe, ist zumindest aus Holz (Fichtendecke, Ahornboden und -zargen; Griffbrett, Seitenhalter, und Kinnstütze aus Ebenholz). Allerdings kann von “spielfertig” nicht die Rede sein. Die Unterseite des Stegs war schräg geschliffen, so dass der Steg zwangsläufig schief auf dem Korpus stand. Der Stimmstock stand ebenfalls schief ca. 1.5cm hinter dem Steg. Die Qualität von Kolophonium und Saiten ließe sich wohl nur mit Fäkalsprache adäquat beschreiben. Das Holz selbst ist von mäßiger Güte. Die Maserung insbesondere der Fichtendecke ist nicht sehr gleichmäßig und ich glaube auch nicht, dass es gut abgelagert wurde, aber was soll man bei dem Preis auch erwarten. Bei der Farbe handelt es sich um einen Acryllack, der sich mit einem Arbeitsgang auftragen lässt (obwohl ich zugeben muss, dass die Lackierung tatsächlich recht schick aussieht, wenn man nicht zu genau hinsieht).
Der Klang in dem Zustand, wie sie ausgeliefert wurde, war entsprechend schlecht. Es stellte sich sehr bald heraus, dass es sich nicht bloß um mein Unvermögen handelte, denn nachdem ich einige der gravierenden Mängel beseitigt hatte, verwandelte sich dieses “Gerät” (siehe oben) tatsächlich in etwas, dass klanglich einer Geige recht nahe kam.
FAZIT: Gelohnt hat es sich trotz Allem nicht. Wenn man bedenkt, dass man in einem Musikgeschäft eine günstige Anfängergeige ab 250 bis 300 Euro aufwärts bekommt (allerdings nur die Geige), wird man zwar zunächst etwas mehr Geld los, erspart sich aber eine Menge Ärger. Wer Unterricht nimmt (empfehlenwert gerade für den Anfang), wird schnell einen Betrag bezahlt haben, der höher liegt.
Wer so wie ich eine Geige als Zweitinstrument spielen möchte und ständig knapp bei Kasse ist (Bafög), sollte darauf gefasst sein mit einer billigen China-Geige eine lange und oft frustrierende Odyssee auf sich genommen zu haben. Wer gerne bastelt, über unerschöpfliche Geduld verfügt und sich nicht daran stört, sehr viel langsamer Fortschritte zu machen, wird sicher viel über die Geige lernen.
Für alle anderen gilt: FINGER WEG!!!
Hier bin ich ganz anderer Meinung.
Ich würde vorschlagen: Kauft die billigen Geigen, aber eingeplant werden Zusatzkosten für Werkzeuge und Ersaztzeitle, im Verhältniss 1:3.
Das heisst, kauf die $100 Geige, aber dazu noch gute Saiten, und Bücher und Werkzeuge für $300. Im schlimmsten Falle vermurksen wir die billige Geige, aber die Werkzeuge, und viel wichtiger, die Erfahrungen die wir damit machen, die bleiben uns zurück. Neuer Steg, Stimmstock rumzuckeln. Das ist viel besser als zum Geigenbauer zu gehen, so sehe ich das. Selberbasteln!
Der Spass dabei und dass Erlente bleibt mir immer bei.
Hier zwei Beispiele: http://www.theyellowtags.com/ oder in Europa: http://www.violinprojekt.de/
Jeder der es anders machen will, der darf natürlich.
Ich kann diesem Artikel auch ausnahmsweise nicht zustimmen (so gerne ich auch sonst diesen Blog lese). Meine Geige ist ebenfalls so ein Billigprodukt aus Fernost. Ich selber habe 20 Jahre Klavier gespielt, bin dann aber so oft umgezogen, dass ich das Instrument bei Verwandten lassen musste. Da ich aber auf das Musizieren nicht vollends verzichten wollte, habe ich mir eben in besagtem Auktionshaus eine solche Geige gekauft. Für mich erfüllt sie ihren Zweck. Der Klang ist in Ordnung, ich habe Spaß darauf zu spielen. Ich mache gute Fortschritte auf der Geige, so dass ich wohl mittel- bis langfristig auch ein gutes Instrument kaufen werde. Bis dahin aber kann ich an der “China-Geige” absolut nichts Negatives finden. Klavierspielen hab ich damals auch zu Anfang auf einem “Instrument” gelernt, dass ich heute nicht mal anfassen würde: geschadet hat es nichts.
China ist nicht gleich China. Auch bei Chinageigen gibt es große Unterschiede:
In China gibt es ernsthafte Geigenbauer, die sehr gute Instrumente herstellen, die sich vor deutschen Meistergeigen für mehrere tausend Euro nicht verstecken müssen, Geigen-Manufakturen, die gute bis passable Instrumente zu sehr niedrigen Preisen bauen, und Fabriken, die Sperrholzgeigen produzieren, mit denen kein Geiger (und vor allem kein Anfänger) glücklich wird.
Ein Beispiel aus der Praxis:
Vor einigen Monaten brauchte mein Sohn (8) eine größere Geige. Ich habe mir von mehreren Geigenbauern halbe Geigen schicken lassen, die wir ca. 2 Wochen lang parallel auf Herz und Nieren getestet haben, allein und mit der Lehrerin. Ich habe bei der telefonischen Bestellung darauf hingewiesen, dass ich für ein begabtes Kind (Polish Dance von Severn nach 2,5 Jahren Unterricht) ein möglichst gutes Instrument mieten möchte:
Im Rennen waren:
a) eine Geige vom deutschen Geigenbauer A (Wert 3.500 Euro)
b) und c) zwei Geigen, vor dem Versand speziell überarbeitet vom deutschen Meister B (2.800 Euro)
d) eine Geige aus Rumänien (1.500 Euro)
e) eine China-Geige “Meisterkopie”, im Sonderangebot mit Bogen und Koffer (820 Euro, aber nur zum Kauf, nicht zur Miete).
Die 3.500-Euro-Geige und die Geige aus Rumänien waren sofort aus dem Rennen: Spielbarkeit, Ansprache und Ton waren deutlich schlechter als bei den anderen. Am Ende lieferten sich eine der 2.800-Euro Geigen und die aus China ein Kopf-an-Kopf-Rennen und gingen gleichzeitig ins Ziel. Gewonnen hat am Ende die China-Geige deswegen, weil sie noch nicht eingespielt war und sich vermutlich noch entwickeln wird.
Der mitgelieferte Kasten stinkt immer noch und der einfache rumänische Bogen wird gerade ausgetauscht, weil die Kopfplatte sich löst (Garantiefall), aber die Geige ist phänomenal.
Auch hier: der halbe 250-Euro-Bogen mit Silbergarnitur vom deutschen Meisterbogenmacher war nur unwesentlich besser als der Billigbogen, der jetzt ausgetauscht wird.
Mir ging es in dem Artikel nicht darum, pauschal Produkte aus Fernost niederzumachen. Deshalb habe ich auch den Ausdruck China-Geige vermieden.
Ich halte nur Komplett-Angebote für € 90,- incl. Bogen und Kasten für bedenklich und in den meisten Fällen für ausgesprochenen Schund.
Ich selbst habe bei einem Geigenbauer in Peking ein Instrument für etwa 900 oder 1000 Euro gespielt, und es hat mir erstaunlich gut gefallen. Es liegen aber Welten zwischen einem chinesischen Instrument dieser Preislage und einem vermeintlichen Internet-Schnäppchen für 90 Euro.
Auch ich habe schon meine Erfahrungen mit solchen “Billig-Geigen” gemacht. Meine Freundin versuchte mir nämlich weiszumachen, ihre Eltern hätten ihr zum Geburtstag eine richtige Geige geschenkt. Ich war ziemlich erstaunt, denn normalerweise bekommt sie selten Geschenke, die mehr als 50 Euro wert sind. Also fragte ich sie, wie ihre Eltern ihr eine Geige für so einen Betrag besorgt hatten. Ich erfuhr, dass es es sich um ein neues Instrument mit dem titel “Kindergeige” handelte. Ausgesehen hat es aber wie eine normale 4/4 Geige, nur der Klang war schrecklich. Kein Wunder: Die Geige hatte inklusive “Profikasten” und “Spezialbogen” nicht mehr als 60 Euro gekostet. Ein Jahr später fragte ich meine Freundin dann, ob wir nicht mal zusammen etwas spielen könnten. SIe auf der Geige, ich am Klavier. Allerdings musste ich dabei feststellen, dass meine Freundin nach einem Jahr erst mit dem Greifen von Tönen in der ersten Lage angefangen hatte. Das wunderte mich natürlich erst recht. Erst jetzt erfuhr ich, dass dieses “Billiginstrument” ihre Liebe zur Musik vollständig zerstört hatte. Warum? Meine Freundin war der festen Überzeugung, sie könne nie richtig Geige spielen lernen, und machte dafür den schlechten Klang ihres Instruments verantwortlich.
Chinageige, Geige aus Rumänien, Geige vom deutschen Geigenbaumeister – kann man den Nationalismus eigentlich weiter vergessen, indem man wenigstens Städtenamen verwendet?
hallo
schönes thema
bin ein 25 jähriger junger kerl, der ganzfrisch ohne jegliche kenntnisse
angefangen hat, das spielen auf der violine zu lernen.
Die überlegungen zur anschaffung einer geige waren natürlich sofort da und man blätterte durch unzählige online angebote und man kam ins grübeln , hübsch aufgemacht sind ja viele solcher schnäpchen, mit bogen , kolophonium, kasten etc abba obs was taugt ?, hab sogar angebote von knapp 30 euro gesehn , für n komplettes set…naja…^^ man sieht sogar (für mich ehrlich gesagt auch recht ansprechend ) angebote von E geigen ab 50 Euro angefangen . also sowas kann ja echt nix sein zumal diese geigen auch ziemlich häßlich und billg aussehen . Mit den fragen über zukünftige ausgaben bekam ich meinen ersten probeunterricht . Ich bekam eine violine die c.a 650 euro wert ist und durfte auf ihr spielen . Einfach nur wunderschön auf dieser violine töne zu erzeugen bzw. zu versuchen =) Als mir dann zum Ende klar war das ich weiter unterricht nehmen möchte , schlug mir meine lehrerin vor diese entsprechende violine für 17 Euro im monat zu mieten , und wenn ich se dann haben will wird die angezahlte mietsumme verrechnet . Damit bekomm ich nun eine in meinen (anfänger)augen fast schon luxuriöse violine zu mir nach hause
und kann fleißig drauf üben und lernen
Also ich denke mal das durch meine bisherigen erfahrungen,ich voll und ganz die meinungen von herrn stefan maus bestätigen kann =)
mfg
Hallo Stefan,
einen sehr informativen, schönen Blog stellst du uns da zur Verfügung!!
Aber bei diesem Beitrag bin ich anderer Meinung …
hmm … also der Vergleich mit dem Auto hinkt irgendwie … wenn man schon ein Auto bzw. das Fahrenlernen mit Geige und Geigenspiellernen vergleichen will, müsste man die Fahrschule und den Fahrschulwagen als Vergleichsobjekte heranziehen.
Der Fahrschulwagen auf dem ich gelernt habe, war eine ganz alte ausgelutschte Möhre. Im Stand konnte man bei eingelegtem ersten Gang getrost den Fuß von der Kupplung des Schaltwagens nehmen, er ging trotzdem nicht aus, stotterte nicht einmal. Insofern wäre so ein Auto wohl auch wie ein Billigheimer und ich habe trotzdem das Fahren darauf gelernt und mein erstes Auto auch nicht verhunzt ;o) .
Vor über 30 Jahren habe ich auf einer von meiner Freundin geliehenen Billig-Gitarre meinen Spaß an der Musik entdeckt und mir dann nach einem guten halben Jahr meine Wunschgitarre zugelegt. Das war durchaus vorteilhaft, denn ich konnte nun schon etwas Spielen und auch Optik, Klang und Qualität der Gitarren schon recht gut bewerten.
Vor ein paar Tagen bekam ich eine abgelegte Billig-Geige geschenkt und deshalb bin ich jetzt auf die verrückte Idee verfallen mit 44 Jahren einfach mal ein wenig ins Geigenspiel hineinzuschnuppern.
Ich habe verschiedene Hobbies. Musik ist nur eines davon. Ich denke, dass ein Berufsmusiker und Musiklehrer naturgemäß mit einer Billig-Geige nicht zufrieden sein kann. Aber eine Schneiderin wird auch mit einer durchschnittlichen Nähmaschine, die wir Normalos so besitzen nicht zufrieden sein können. Und so wie die Hausfrau mit der einfachen Nähmaschine durchaus glücklich sein kann, werde ich als Geigenanfängerin durchaus mit dem Billigheimer meine ersten Erfahrungen sammeln können – spielbar ist er nämlich.
Sollte ich der Geige dauerhaft treu bleiben, kann ich mir dann immer noch ein besseres Instrument zulegen. Im Augenblick aber genügt mit mein kleiner asiatischer Freund ;o) .
Viele Grüße,
Anna
Hallo
Ich hab deinen Blog entdeckt auf der Suche nach guter Literatur zum Geige lernen. Ich find ihn sehr interessant.
Deine Einstellung zu billig Geigen habe ich auch schon in diversen Foren gelesen und für Leute die schon lange Geige Spielen wird es wohl so auch zutreffe, mich jedoch hätte es vermutlich abgeschreckt mit dem Geigen spielen anzufangen, wenn ich diese Meinungen gelesen hätte, ehe ich mir meine Geige besorgt habe.
Ich habe mir bei Ebay eine Geige ersteigert, eindeutig aus China aber, auch wenn ich wenig Ahnung habe, ich finde den Klang echt gut, insofern ich den Bogen richtig führe. Er ist voll, klar (soweit ich das beurteilen kann) und “laut”. Ich hätte nie gedacht das eine Geige so laut ist.
Der Spaß hat mich gerade mal 18,60 gekostet, weil nur wenige mitgeboten hatten, inkl. Geigenkasten inkl. Bogen, inkl Kolophonium. Dazu noch ein Buch für ca. 20 EUR gekauft und schon hab ich getestet und festgestellt das es mir riesen Spaß macht, auch wenn ich meine Schulter erst mal überreden muß die ungewohnte Haltung länger als nur eine Halbe Stunde zu halten. Bin halt auch schon 35 und nicht mehr ganz so beweglich wie Kinder oder Jugendliche.
Ich bereue den Kauf nicht, mal davon abgesehen, das es ja nicht wirklich teuer war und man das ganze, wenn es ncihts gewesen wäre, unter “was solls” verbuchen könnte.
Entsprechend finde ich, man sollte diese Billigheimer nicht so pauschal verurteilen. Wenn sich einem Anfänger die gelegenheit bietet für 10-20 EUR eine Geige zu ersteigern, ist das als erstes Testinstrument durchaus ok, man weiß ja das man keine 100% bezahlt hat und somit auch das man keine Meistergeige bekommt. Zum ersten Üben reicht es und um zu sehen ob es einem Spaß macht und auch ob die Knochen noch mitmachen.
Meine Anfänger Meinung
Petra
hallo
hab hier schon mal meine meinung verfasst
muss aber jetzt doch was dazu sagen
ich hab mir mittlerweile bei ebay spasshalber eine violine direkt aus china ersteigert
mit versand für 117 euro
jetzt würde jeder sagen …ohje da hat der bub sich aber schrott angelacht …aber …weit gefehlt !
die violine ist echt klasse
zumal , sieht sie wunderschön aus , hat schöne details
also sieht um ein vielfaches proffesioneller aus , als die meisten
gewa oder sonst was violinen die man im set für 100 bis 300 euro hier bekommt
nun zum klang
violine ausgepackt , gestimmt , und losgefiedelt
erstmal vom klang enttäuscht
dacht auch wirklich erst , doch wohl schrott den ich gekauft hab…
in den nächsten tagen aber öffnete sich der klang almählich und wurde besser
dann hat ich meinen termin bei meinem geigenbauer , bei dem ich zur zeit auch eine violine gemietet habe
(600 euro , bogen 100 euro Wert)
über meine china violine konnte er nichts negatives sagen
ausser das halt billige stahlsaiten draufwaren .
er hat dann diese gegen thomastik dominant saiten ausgetauscht
, den steg ein bischn gefeilt , und denn stimmstock korrigiert
tja , und was soll ich sagen
die violine klang danach schon wunderbar
mittlerweile spielen sich die saiten auf dem instrument gut ein
und der klang ist noch ein stück klarer geworden
dazu find ich die violine vom klang her um einiges ausgewogener und voluminöser als die von meiner gemieteten
also
bin glücklich
Erstmal: Der Blog ist ausgezeichnet. Weiter so.
Zum Thema China-Geigen möchte ich mich ebenfalls kurz äußern, denn ich halte das Thema für wichtig. Im Internet liest man immer wieder Hinweise darauf, brauchbare Schülergeigen gebe es erst ab einem bestimmten Betrag, wobei sich die Schreiber auch nie auf einen einheitlichen Betrag einigen können (auf Site a liest man 200 EUR, auf Site b sind es dann schon 500 EUR). Dasselbe Phänomen tritt auf, wenn man nach dem Thema Saiten sucht. Jeder Geigenspieler macht mit bestimmten Saiten auf bestimmten Instrumenten bestimmte Erfahrungen und äußert diese. Dabei kristallisiert sich heraus, dass nicht jede “Top-Saite” auf jedem Instrument gleichermaßen “top” klingt. “Die” Saite für die eigene Geige gibt es anscheinend gar nicht.
Und genauso wird es auch “die” Geige für die eigenen Ansprüche nicht geben. Ich habe mittlerweile die 40 überschritten. Spiele seit über 30 Jahren Akkordeon, Klavier, Kirchenorgel und wollte nun endlich, endlich auch die Violine kennen lernen. Um finanziell nichts zu riskieren, habe ich mir bei Ebäh erstmal eine dieser “super Schnäppchen” aus Fernost kommen lassen: Geige, Bogen, Koffer, Kolophonium für summa 59,90 EUR. Der Koffer war erstklassig verarbeitet, stinkt aber noch heute bestialisch nach allen möglichen Chemikalien. Der Bogen ist fehlerfrei! Zum Kolophonium kann ich nichts sagen, außer dass es “wirkt”. Die Geige selbst ist ausgezeichnet verarbeitet – im Vergleich zu der wesentlich teureren Nachfolgerin, die ich mir kürzlich angeschafft habe, deutlich sauberer. Die Oberfläche zeigte keinen einzigen auch noch so kleinen Fehler! Bereits meine ersten Übungen auf dem Schnäppchen zeigten, dass diese Geige durchaus brauchbar war und für den ganz unbedarften ersten Einstieg vollkommen in Ordnung!
Dennoch habe ich diese Geige mittlerweile wieder abgelegt, da sie trotz aller Brauchbarkeit die Stimmung nicht gut hielt. Die Nachfolgerin ist eine deutsche Geige um 300 EUR, die wie gesagt, nicht ganz so sauber verarbeitet ist (Leimreste auf der Oberfläche), deren Klang aber doch deutlich wärmer und voller ist als die der China-Geige.
Das Fazit wäre also: Die China-Produkte lassen sich nicht alle über einen Kamm scheren, man kann auch Glück haben. Und: Für den allerersten Einstieg sollte man durchaus zugreifen.
Schade, dass so viele so undifferenziert über das Thema “Chinageigen” schwadronieren. Dass es auch anders geht zeigt dieser schöne Beitrag des Bayerischen Rundfunks aus dem Magazin “Taktlos”:
http://www.nmz.de/taktlos/archiv/2009/01/130-stradivari-larifari/
Dort wird nämlich argumentiert, dass es sehr wohl – wie auch deutschte Geigenbauer zugeben, gute chinesische Instrumente gibt. Nur eben nicht für 80 Euronen!
Ich besitze zwei Geigen. Eine uralte, 19. Jh., auf der ich es vor vielen Jahren erstmalig gelernt habe (vorher hatte ich ne 3/4 Geige unbekannter Herkunft, die besitze ich nicht mehr) und seit ein paar Monaten, als ich nach einer halben Ewigkeit wieder angefangen habe, habe ich mir ein Set von Gewa zugelegt, um die 700 € also ne bessere Set-Geige.
Was meine Eltern damals für die alte hingelegt haben weiß ich nicht. Ich kam jedenfall als Kind mit dem Teil schlecht klar, inzwischen geht es besser.
Ich meine: Vergesst die PReisdiskussion. Eine Geige muss man in die Hand nehmen, los spielen, und wenn sich das gut anfühlt und gut klingt, dann ist es okay, egal ob alte Geige, Gewa, China oder weiß Gott was. Und dann muss das Teil auch keine 2000 € kosten. WObei ich jetzt auch bereit gewesen wäre, die hinzublättern, wenn ich mich mit dieser Preisklasse echt besser gefühlt hätte als mit dem Gewa-Teil. Dem war aber nicht so…
Außerdem: Saiten und Bogen finde ich mindestens genauso wichtig. Auf meiner neuen hab ich den Lieferzustand – Thomastik Vision, ist für den Moment okay. Auf der alten hab ich neu aufgezogen eine “Wiener Melange”, und die klingt auf dem Instrument wesentlich besser als die Stahlsaiten die vorher drauf waren. Mit einer Geige muss man einfach Freundschaft schließen und da ist der Preis eine relativ unwesentliche Größe, find ich.
Finde hier viele sinnvolle Gedanken. Für die meisten Käufer in Deutschland dürfte es ja zuviel verlangt sein, sich in die komplizierte Materie einzuarbeiten, welche Instrumente aus China für welchen Zweck etwas taugen und welche Instrumente aus China für keinen Zweck etwas taugen (also z.B. die oben genannten 90 EUR-Geigen).
Ich persönlich habe in Einkaufs-Verantwortung für eine Musikschule und einige Streicherklassen im Direktimport viel ausprobieren können, auch Lehrgeld gezahlt, aber im Ganzen gesehen sehr schöne handwerklich gebaute Instrumente für Schüler bekommen. Dabei habe ich 9 verschiedene chinesische Werkstätten ausprobiert…
Für Käufer, die eben mal 1 Instrument für sich oder ihr Kind kaufen wollen, ist diese Methode sicher riskant: Ohne Erfahrungen kann man halt Glück haben oder Pech.
Da gibt es aber eine Reihe deutscher Händler, die ehrlicherweise sagen, wo ihre Instrumente herkommen und dann auch Garantie für die chinesischen Instrumente geben. Es kostet eben nur etwas mehr, als beim Direktkauf in China.
Was ich allerdings gar nicht leiden kann ist, wenn deutsche Händler so tun, als würde es um ein deutsches Instrument gehen, obwohl es aus China ist. Anders ist nicht erklärbar, wie Andreas von einer deutschen Geige für 300 EUR reden kann. Man nehme doch nur einmal deutschen Stundenlohn von vielleicht niedrig angesetzten 20 EUR, und dann kann man sich denken, dass in 10 – 15 Stunden keine Geige entstehen kann, von den Materialkosten ganz zu schweigen.
Ein Baden-Württemberger Geigenbauer auf der Frankfurter Musikmesse 2011 an einem chinesischen Stand: “Das sind doch gute Instrumente, da mache ich noch ein wenig dran, so etwa 20%, damit ich rechtlich abgesichert bin, und dann klebe ich meinen Zettel rein.” Ich bin froh, dass ich mir den Namen des Geigenbauers nicht gemerkt habe…
Andere schreiben verschämt: “Für uns gebaut.” (ohne Angabe wo, das muss man sich dann denken…).
Oder es wird verschwiegen, dass auch ein Taiwanesischer Geigenbauer in China fertigen lässt, schließlich klingt Taiwan immer noch besser, als China.
Oder die Selbstdarstellung einer Chinesischen Firma: Wir haben zehntausende weiße Geigen (also 3/4 fertige Instrumente ohne Lackierung) an europäische Werkstätten geliefert (und man kann sich denken, dass die dann als europäische Instrumente auf den Markt kamen).
Ehrlichkeit über die Quellen der Instrumente würde einiges im Markt und im Ruf der chinesischen Instrumente ändern!
Wünsche allen Lesern ein gut klingendes Instrument, egal woher!