Im letzten Teil haben wir die grundsätzliche Bogenhaltung behandelt. In diesem Teil werden wir uns anschauen, wie sich die Haltung im Laufe eines Abstrichs vom Frosch zur Spitze verändert. In unserem Beispiel habe ich die D-Saite gewählt.
Am Frosch können wir die Bogenhaltung aus dem letzten Teil praktisch 1:1 übernehmen. Die Finger stehen rund, was ganz besonders für den kleinen Finger wichtig ist.

Der kleine Finger ist für uns eine Art Stoßdämpfer, ähnlich wie beim Auto. Alles, was vom Arm als Schlagloch gespielt wird, kann durch den flexiblen kleinen Finger abgefedert werden. Wäre er gerade, würden diese Unebenheiten ungemildert an den Bogen weitergegeben werden. Das Resultat wäre Kratzen.
Hier noch einmal von der Seite aufgenommen:

Sehr schön zu erkennen ist der runde kleine Finger.
Gehen wir weiter in Richtung Spitze und schauen uns einmal die Bogenhaltung in der Mitte an:

Wesentliche Veränderungen haben sich nicht ergeben, die Finger sind nach wie vor rund und haben auch Kontakt zum Frosch:

Interessant wird es an der Spitze. Wir müssten die Hand verkrampfen, wenn wir weiterhin die Bogenhaltung beibehalten wollten, da aufgrund des Winkels unser Handgelenk nun eingeknickt ist:

Sehr gut zu erkennen ist, dass der Ringfinger nicht mehr vollständigen Kontakt zum Frosch hat. Auch der kleine Finger steht gerader als in der Mitte oder gar am Frosch.

Bei manchen Geigern ist der kleine Finger an der Spitze gerade oder hat sogar keinen Kontakt mehr zum Bogen. So lange das nur an der Spitze geschieht, ist es überhaupt kein Problem, da der kleine Finger nicht mehr als Gegengewicht arbeiten muss. Er steht auf dem Foto lediglich locker auf der Bogenstange und muss keinerlei Druck ausüben.
In den nächsten Teilen widmen wir uns der optimalen Strich-Geometrie, die für anspruchsvollere Bogentechniken wie Sautillé oder Ricochet unverzichtbar ist.
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Hallo,
meine Lehrerin (um die 50) unterrichtet, dass das rechte Handgelenk gerade ist (und bleibt), auch beim Spiel am Frosch, der Ellenbogen wird dazu beim Spiel auf den tieferen Saiten (A-G) sukzessive gehoben (so interpretiere ich auch die Bilder bei Galamian, obwohl er darauf nicht explizit eingeht).
Die Lehrerin meines Sohnes (20 Jahre jünger) plädiert für einen nach unten hängenden Ellenbogen, wodurch das Handgelenk beim Spiel auf den tieferen Saiten am Frosch angewinkelt ist.
Was sind die jeweiligen Vor- und Nachteile?
Am Frosch sollte das Handgelenk nach gängiger Lehrmeinung eigentlich nicht gerade sein. Galamian liefert dazu leider nur ein verwertbares Foto. In seinem Werk “Grundlagen und Methoden des Violinspiels” gibt es in der deutschen Ausgabe auf Seite 62 die Abbildung 32, auf der eine leicht gebogene Linie zu erkennen ist.
Auf Seite 64 schreibt er im Abschnitt “Vom Quadrat zum Frosch” folgendes:
Während der Bogenstrich von der quadratischen Haltung zum Frosch hin fortschreitet, schwingt der Ellenbogen nach vorn, und die Hand hängt leicht und natürlich am Handgelenk. Am Frosch selbst wird das leichtgebogene Handgelenk zum Drehpunkt, wobei der Ellenbogen frei an einer Seite hängt und die Bogenhand und der Bogen an der anderen.
Galamian befürwortet also durchaus das (leicht) gebogene Handgelenk. Der Vorteil dieser Technik liegt in der größeren Ruhe des rechten Armes. Wenn ich den Ellenbogen bei jedem Aufstrich so weit anheben muss, dass ich am Frosch eine gerade Linie erziele, ist der Bewegungs- und damit Kraftaufwand zu groß. Im Extremfall bewege ich den Ellenbogen wie eine Schwengelpumpe auf und ab, und das gilt es zu vermeiden.
Wenn ich jedoch den Ellenbogen hängenlasse, auch auf den tieferen Saiten, so ist das auch nicht optimal, da das Handgelenk auf jeder Saite eine unterschiedliche Krümmung hat. Ich sollte auf jeden Fall versuchen, mit der Höhe des Ellenbogens die Saite festzulegen. Also nicht einfach hängenlassen, so dass auf der G-Saite das Handgelenk angewinkelt ist und auf den anderen Saiten nicht.
Ich muss versuchen, für das Handgelenk die immer gleichen Voraussetzungen zu schaffen, nämlich eine leicht gebogene Linie mit dem Unterarm zu bilden. Das setzt voraus, dass ich zwar den Ellenbogen hebe und senke, wenn ich die Saiten wechsele, ihn aber ansonsten mehr oder weniger in Ruhe lasse und bestenfalls minimal anhebe, so dass meine gebogene Linie am Frosch erhalten bleibt.
Hat das nicht auch mit dem dem Stück angepassten Kraftaufwand zu tun:
spiele ich locker, cantilenmäßig, ist das Handgelenk eher leicht gebeugt, will ich aber mit ordentlich forte und kurzen Detaché-Strichen am Frosch , womöglich noch als lauter Abstriche mit in der Luft zurückgeführtem Bogen spielen, ist das gerade Handgelenk doch obligatorisch – oder?
Eigentlich sollte man versuchen, nicht zu viel an der Haltung zu verändern. Druck kommt primär durch den Zeigefinger auf den Bogen, nicht durch Pressen mit dem ganzen Arm.
Wenn ich lauter “saftige” Abstriche am Frosch spielen will, wie es z.B. bei den dreistimmigen Akkorden zu Anfang des Bruch-Konzerts der Fall ist und dabei den Arm hebe, so dass das Handgelenk gerade steht, ist die Gefahr sehr groß, dass ich aus dem Kratzen kaum noch herauskommen. Es entsteht eine Art gemischtes Hack, was ich viel leichter vermeiden kann, wenn ich das Handgelenk so lasse wie es ist.
Sehr schön zu sehen ist das bei diesem Video von Janine Jansen:
http://www.youtube.com/watch?v=uxRKYr-OvzU
Sie spielt dort besagtes Bruch-Konzert, bei dem man streckenweise wirklich laut spielen sollte.
Aha!! Danke für die sehr einleuchtende Erklärung !