Im letzten Teil haben wir die grundsätzliche Bogenhaltung behandelt. In diesem Teil werden wir uns anschauen, wie sich die Haltung im Laufe eines Abstrichs vom Frosch zur Spitze verändert. In unserem Beispiel habe ich die D-Saite gewählt.
Am Frosch können wir die Bogenhaltung aus dem letzten Teil praktisch 1:1 übernehmen. Die Finger stehen rund, was ganz besonders für den kleinen Finger wichtig ist.

Der kleine Finger ist für uns eine Art Stoßdämpfer, ähnlich wie beim Auto. Alles, was vom Arm als Schlagloch gespielt wird, kann durch den flexiblen kleinen Finger abgefedert werden. Wäre er gerade, würden diese Unebenheiten ungemildert an den Bogen weitergegeben werden. Das Resultat wäre Kratzen.
Hier noch einmal von der Seite aufgenommen:

Sehr schön zu erkennen ist der runde kleine Finger.
Gehen wir weiter in Richtung Spitze und schauen uns einmal die Bogenhaltung in der Mitte an:

Wesentliche Veränderungen haben sich nicht ergeben, die Finger sind nach wie vor rund und haben auch Kontakt zum Frosch:

Interessant wird es an der Spitze. Wir müssten die Hand verkrampfen, wenn wir weiterhin die Bogenhaltung beibehalten wollten, da aufgrund des Winkels unser Handgelenk nun eingeknickt ist:

Sehr gut zu erkennen ist, dass der Ringfinger nicht mehr vollständigen Kontakt zum Frosch hat. Auch der kleine Finger steht gerader als in der Mitte oder gar am Frosch.

Bei manchen Geigern ist der kleine Finger an der Spitze gerade oder hat sogar keinen Kontakt mehr zum Bogen. So lange das nur an der Spitze geschieht, ist es überhaupt kein Problem, da der kleine Finger nicht mehr als Gegengewicht arbeiten muss. Er steht auf dem Foto lediglich locker auf der Bogenstange und muss keinerlei Druck ausüben.
In den nächsten Teilen widmen wir uns der optimalen Strich-Geometrie, die für anspruchsvollere Bogentechniken wie Sautillé oder Ricochet unverzichtbar ist.
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