Die Haltung der Geige

by Stefan Maus

Mit Schrecken habe ich festgestellt, dass ich zwar einen ganzen Haufen Artikel über alle möglichen Themen veröffentlicht habe, darunter ist aber nicht ein einziger über die Haltung des Instruments. Das hole ich hiermit schleunigst nach.

Grundsätzlich müssen wir bei der Haltung der Geige auf unsere Schultern achten. Kaum jemand läuft mit einer hochgezogenen und einer hängenden Schulter durch die Straßen. Dasselbe gilt für die Geigenhaltung.
Wenn wir also das Instrument ansetzen, sollten wir beide Schultern möglichst entspannt lassen:

Geigenhaltung

Die linke Schulter bleibt so locker wie möglich und hebt sich lediglich so viel, wie ihr durch das Schultergelenk wegen des erhobenen linken Arms vorgegeben wird.
Hier ein Foto von der linken Seite:

Geigenhaltung02

Es sollte möglich sein, die Geige ohne Unterstützung der linken Hand zu halten, das Vibrato und die Lagenwechsel werden dadurch wesentlich vereinfacht. Der Kopf bleibt dabei entspannt und sollte in keiner Weise geneigt werden. Bei korrekter Einstellung der Schulterstütze ist das mit etwas Übung problemlos möglich.
Hier ein Foto von vorn:

Geigenhaltung03

Der Kopf bleibt relativ gerade und schaut geradeaus, die Geige zeigt in einem Winkel von etwa 45 Grad nach links. Durch den geraden Kopf wird gewährleistet, dass wir mittelfristig keine Probleme mit der Halswirbelsäule bekommen, der Winkel der Geige ermöglicht ein einfaches Streichen vom Frosch bis zur Spitze.
Hier ein Foto von der rechten Seite:

Geigenhaltung04

Auch hier ist wieder gut zu erkennen, dass der Kopf eine möglichst normale Haltung einnimmt, um Verspannungen zu vermeiden.
Es folgen noch drei Fotos, wie man es nicht machen sollte:

violinhold05

Die Geige zeigt in die Mitte, der Kopf schaut nach links. Abgesehen von der unbequemen Haltung des Kopfes ist es vor allem der Winkel der Geige, der die ganze Strichgeometrie negativ beeinflusst. Auf diese Weise ist es nur schwer möglich, gerade zu streichen. Der unglückliche Blick des Spielers unterstreicht diese ungeschickte Haltung…

violinhold06

Hier haben wir das andere Extrem. Die Geige zeigt fast über die Schulter und ist wie bei einem Raketenstart nach oben geneigt. Ausgesprochen schlecht. Durch den Winkel der Geige ist es fast unmöglich, an der Spitze noch gerade zu streichen, es sei denn, man würde die rechte Schulter nach vorn schieben. In diesem Fall beeinflusst ein Fehler auf der linken Saite massiv die gesamte rechte Seite.

violinhold07

Abschließend noch dieses Foto. Diese Haltung beobachte ich gelegentlich, wenn entweder gar keine Schulterstütze vorhanden oder die vorhandene Stütze verkehrt eingestellt ist. Von hinten sieht es eher aus wie beim Wrestling als beim Geigen.

In der nächsten Folge sehen wir uns einmal das Thema Schulterstütze an.

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{ 45 comments… read them below or add one }

Stefan October 9, 2008 at 17:33

Vielen Dank, vielen Dank!

Der Kopf ist jedoch nicht ganz grade nach vorne in der guten Haltung??

Reply

Stefan Maus October 9, 2008 at 19:13

Nur mehr oder weniger… :)
Das wichtigste ist dabei, dass Du möglichst entspannt bist. Wenn dann der Kopf 5° nach links gedreht ist, so ist das nicht schlimm. Problematisch wird es erst dann, wenn der Kopf VERdreht wird, was man häufig beobachtet. Bequem soll es sein, denn die Haltung einer Geige ist schon ungewöhnlich genug mit dem eingedrehten linken Arm.

Reply

Yvonne October 23, 2008 at 20:40

Hallo, erstmal ein Lob für diesen Beitrag!
Ich hab heute zum ersten Mal eine Violine in der Hand gehalten und bringe auch schon ein paar anstänige Töne raus. Nur mit der Haltung habe ich echt ein Problem. Ich weiss nicht ob’s am Kinnhalter liegt, aber ich kann die Geige nicht ohne Hände nur mit dem Kopf halten. Irgendwie ist sie mir zu schwer, und mit gerade ausgerichtetem Kopf hält da erst recht nichts. Ausserdem sehe ich die Saiten immer doppelt! Das linke Auge sieht den Geigenhals nicht im gleichen Winkel wie das rechte Auge und alles überlagert sich. Ich sehe also die Saiten “gekreuzt”, das verwirrt ziemlich. Ich habe alle Haltungen und Höhen probiert, es gibt eine Haltung, bei der ich nicht doppelt sehe, aber dort muss ich die Saiten mit nur einem Auge anstarren, und mit der Zeit habe ich schon fast angefangen zu schielen. Ich weiss echt nicht, was ich falsch mache… :-(

Reply

Stefan Maus October 25, 2008 at 17:18

Hallo Yvonne,

das freut mich natürlich riesig, wenn mein Blog so gut ankommt!
Es kann sein, dass es am Kinnhalter liegt, muss aber nicht. Am besten ab zum Geigenbauer und an Ort und Stelle ein paar Kinnhalter ausprobieren. Es kann auch an der Stütze liegen bzw. an einer nicht optimalen Befestigung der Stütze.
Es ist allerdings relativ normal, dass man am Anfang noch ein wenig unsicher ist und die Geige noch wackelig auf der Schulter liegt. Das rüttelt sich im allgemeinen nach den ersten Wochen zurecht. Wenn nicht, liegt es definitiv an der Stütze, dem Kinnhalter oder der Haltung generell.
Die Saiten solltest Du eigentlich überhaupt nicht anstarren. Dein Blick sollte in Richtung Noten gehen. Wenn überhaupt in Richtung Saiten, dann aus dem linken Augenwinkel zur Bogen-Kontaktstelle. Und die solltest Du nicht doppelt sehen, da sie nur aus dem linken Augenwinkel sichtbar ist. Bei dem rechten Auge ist die Nase im Wege – und das gehört so. :)
Also nochmal – ganz wichtig: Nicht ständig auf die Saiten starren. Du lernst sonst nicht, ausschließlich mit dem Gefühl zu streichen. Wenn Du überprüfen willst, ob Du gerade streichst, stell Dich lieber vor einen Spiegel, das ist viel sinnvoller, weil Du weder schielen, noch Deinen Kopf verdrehen musst.
Auch auf die Finger bestenfalls gelegentlich schauen, um zu überprüfen, ob, die Haltung korrekt ist. Auch hier geht der Rest mit Gefühl.
Und viiiiel Übung…

Reply

Heike Bruhn March 6, 2009 at 10:14

Herzlichen Dank für diese ausführlichen Beschreibungen! Das hilft uns sehr beim Lernen! Prima!

Reply

Stefan Maus March 6, 2009 at 12:54

Dann bleiben Sie meinem Blog treu, denn demnächst kommen wieder Beiträge zur Bogenhaltung! :-)

Reply

Tina April 7, 2009 at 22:44

Ich habe bald in der Schule eine Präentation über die Geige ..
Ich spiele das Instrument selbst nicht, aber haben sie vielleicht einen Tipp für mich, was ich auf keinen Fall vergessen darf?
Habe ziemlich Angst davor …
Danke im Vorraus, Lg Tina

Reply

Stefan Maus April 8, 2009 at 1:17

Das ist halb so schlimm…
Wie jedes Referat muss eine gewisse Struktur rein, nicht nur eine bloße Ansammlung von Fakten wild durcheinander.
Ich würde anfangen mit der “Klassifikation”, also Streichinstrument. Dann den Tonumfang (nach oben hin lässt es sich nicht genau festlegen), welche Saiten, wie sie gestimmt sind und die unterschiedlichen Teile benennen. Danach dann das Material, aus dem die Teile in der Regel gebaut werden. Dabei auch den Bogen nicht vergessen! (Pferdehaare, Kolophonium erklären) Feinstimmer gehört auch mit dazu. Wozu ist das Teil und warum häufig nur auf der E-Saite?
Was ist ein Kinnhalter? Was ist eine Schulterstütze? (Steht hier irgendwo im Blog…)
Wie wird der Klang erzeugt? (Bogen regt die Saiten zum Schwingen an, die geben die Frequenz, die durch das Setzen der Finger entsteht über den Steg an den Korpus und damit den eigentlich schwingenden “Lautsprecher” weiter etc. etc.) In den Zusammenhang: Was ist ein Dämpfer? (auch hier im Blog)
Danach wäre interessant, etwas über die Entstehung des Instruments zu erfahren, seit wann gibt es sie, gab es sie immer schon so (nein), oder wurde sie im Laufe der Jahrhunderte ein wenig verändert (ja), vielleicht noch ein wenig zu bekannten Geigenbauern erzählen (Amati, Guarneri, Stradivari), nur wenige Stradivari erhalten, aber tausende von Fälschungen.
Gut wäre auch der Hinweis auf die Preisspanne. Von 50 Euro bei EBay bis hin zu mehreren Millionen bei Auktionen (Sothebys) für eine Stradivari.
Abschließend vielleicht noch etwas zum Einsatz der Geige erzählen, also nicht nur beliebtes Soloinstrument, für das so ziemlich jeder ernsthafte Komponist mindestens ein Konzert geschrieben hat, sondern auch in Orchestern zuhauf vertreten. Kammermusik, Streichquartett-Einsatz, Klavier-Trio-Einsatz. Dazu auch Solo-Sonaten (allen voran J.S. Bach, aber auch z.B. Ysaye (gesprochen i-sa-ii).
Damit sollten locker 20 bis 30 Minuten voll sein.
Möglicherweise noch etwas zu bekannten Solisten erzählen. Aber das ist sehr subjektiv und ein Fass ohne Boden, da es so viele gibt. Die meisten werden André Rieu kennen, viele finden ihn großartig, fast alle Berufsmusiker lachen über ihn.
Isaac Stern kennen leider nur noch wenige, für Berufsmusiker dagegen gehört er zur allerersten Garnitur.
Wenn noch Fragen sind – immer raus damit!
Ansonsten: Viel Erfolg und keine Angst haben!

Reply

Rita Heinrich June 23, 2009 at 11:02

Hallo SDMAUS – Vielen Dank für diese konkurrenzlos gute Seite, immer sehr informativ, verführt fast dazu, mehr zu lesen als zu üben ;) . Meine Frage gilt der Bogenhaltung. Meiread Nesbitt (Geigerin der Celtic Woman) hält den Bogen etwas weiter vorne als gelehrt wird, eher an der Silberwicklung als am Frosch und am Leder. Ich tue mir mit dieser Haltung sehr leicht beim Spielen. Ist das zu forcieren oder eher nicht? Danke im Voraus. Rita

Reply

Stefan Maus June 23, 2009 at 13:04

Das ist eine Haltung, die im Folk häufiger zu beobachten ist.
Der Vorteil ist, dass es recht bequem ist, man kann an der Spitze spielen, ohne viel Druck auf die Finger ausüben zu müssen. (Hebelgesetze). Ich habe diese Haltung schon häufig in (irischen) Kneipen gesehen.
Der Nachteil ist, dass ich mich mit dieser Haltung einiger bogentechnischer “Schmankerl” beraube. Springbogen, also Spiccato und Sautillé sind nur schwer machbar, da wir uns der Sprungstelle des Bogens mit der Hand schon sehr nähern.
Schnelle Noten in der oberen Hälfte sind dagegen leicht machbar.
Ein weiterer Nachteil ist die Länge des zur Verfügung stehenden Bogens. Mein Frosch ist an der Stelle, an der ich anfasse. Je weiter ich zur Spitze greife, desto kleiner wird die nutzbare Bogenlänge.
Es kommt darauf an, was ich spielen will. Wenn ich ausschließlich Folk spielen möchte, kann ich mit dieser Haltung vielleicht glücklich werden, obwohl ich selbst mit meiner eigenen Haltung dasselbe erzielen kann. Wenn ich auch andere Dinge spielen möchte, also z.B. aus dem klassischen Bereich, werden viele Dinge erschwert oder sogar unmöglich gemacht.

Reply

Rita Heinrich June 23, 2009 at 17:53

Vielen Dank für die schnelle Antwort. Jetzt weiß ich, dass beide Haltungen etwas für sich haben und werde beide weiterhin anwenden und einüben, je nachdem was gespielt wird. Mir war wichtig zu wissen, ob man sich mit der verkürzten Haltung nicht eventuell die klassische Haltung vertut. Vielen Dank.

Reply

Doris Petzold August 4, 2009 at 0:35

Hallo Stefan,

herzlichen Dank für die genauen Beschreibungen von Haltung, Bogentechnik – das sind sehr wertvolle Hilfen.
Ich bin richtig dankbar, hier einen Ansprechpartner gefunden zu haben, denn schon lange versuche ich mich auf der Geige, mal mit Unterricht, mal wieder in Eigenregie, aber immer wieder gibt es Probleme mit Verspannungen, besonders die linke Halsseite und die linke Schulter. Oft sind es Schmerzen über den linken Arm bis in den linken Handrücken hinein. Kann man zum Geige Spielen zu alt sein – ich bin 54 – oder zu lange Arme haben – das wurde mir auch schon gesagt. Eigentlich versuche ich, entspannt zu spielen ….
Sicher ist es auch wichtig, dass die Hände, Muskeln etc. warm sind, nicht wahr? Vielen Dank für die Antwort.

Reply

Stefan Maus August 4, 2009 at 20:39

Am Alter liegt es sicherlich nicht. Zu alt kann man eigentlich kaum sein. So lange die Gelenke noch mitmachen (und das tun sie mit gerade einmal 54 normalerweise problemlos), ist in dieser Hinsicht “alles im grünen Bereich”.
Wenn die linke Halsseite und die Schulter verspannt sind, liegt es häufig an einer nicht optimal angepassten Schulterstütze. Stimmt dort alles? Ist sie hoch genug? Ist der Winkel korrekt?
Diese Art von Schmerz ist sehr unangenehm und kann einem das Geigenspiel gründlich verderben. Also sofort dagegen angehen!
Die beste Lösung ist, erst einmal zu testen, ob die Schulterstütze korrekt angebracht ist. Wenn sich die Geige von alleine hält, ist es schon einmal gut. Das muss aber klappen, ohne zu viel Druck auf den Kinnhalter auszuüben. Dieser Druck mit der Halsmuskulatur ist höchstwahrscheinlich verantwortlich für den Schmerz. Die Geige muss sich quasi von allein ohne weitere Hilfe halten, dann sollte auch nichts wehtun.
Wenn die Muskulatur warm ist, so hilft das schon beim Spiel, aber eine kalte Muskulatur sollte nicht einen derartig starken Schmerz hervorrufen.
Also: Haltung überprüfen, am besten vor dem Spiegel, und dann auch mit Fotos guter Geiger vergleichen. Hilary Hahn hat eine schöne Haltung, Julia Fischer auch. Das sollte dann eine Art Referenz sein.

Reply

Doris Petzold August 6, 2009 at 9:02

Hallo Herr Maus,

herzlichen Dank für Ihre schnelle und ausführliche Antwort. Sie glauben gar nicht, wie ich mich freue über diesen Link und Ihren Geigen-(Haltung)-Blog. Ich dachte nämlich schon, ich müsste ganz aufhören zu spielen, habe auch meiner Gruppe (Folk4Fun) gekündigt … Aber mit Ihrem Tipp, die Schulterstütze wieder zu erhöhen, hatte ich gleich Erfolg. Allerdings habe ich es in den letzten Jahren auch geschafft, trotz hoher gut sitzender Schulter-stütze Druck aufzubauen auf dem Kinnhalter und zwar weil ich verzeweifelt versucht habe zu vibrieren und diesen Druck quasi als “Gegengewicht” eingesetzt habe, damit die Finger lockerer waren. Also das Geheimnis des Vibrato hat sich mir immer noch nicht erschlossen, obwohl meine drei Töchter – Heike ist die jüngste – es mühelos gelernt haben und einen schönen Ton auf ihren Geigen erzeugen können. Aber ich darf nicht zu viel wollen und jetzt, wo ich diese Seite gefunden habe, kann ich vielleicht wieder weiter daran arbeiten. Nun noch eine Frage an Sie:
Sie erwähnen Hilary Hahn, die zweifellos eine sehr schöne Haltung hat und wundervoll spielt.
Wie kann nun eine Anne-Sophie Mutter so virtuos – ohne Schulterstütze, das “Holz direkt auf der Haut” – musizieren?
Hat sie eine besondere Technik?
Vielen Dank für Ihre Antwort
Schöne Grüße aus Baden-Württemberg
Doris Petzold

Reply

Stefan Maus August 9, 2009 at 19:16

Es gibt immer wieder Geiger(innen), die in der Lage sind, auch mit ungewöhnlicher Haltung großartige Leistungen zu vollbringen. Anne-Sophie Mutter ist eine von ihnen. Sie zieht im Prinzip ihre gesamte linke Seite ein wenig nach oben und vermeidet dadurch eine zu hohe linke Schulter.
Ob das jetzt für Otto-Normalgeiger praktikabel oder gar nachahmenswert ist, steht auf einem anderen Blatt…

Reply

Heike Petzold August 5, 2009 at 14:01

Hallo Herr Maus,

ich bin zwar erst 10 Jahre alt aber ich spiele schon seit 7 Jahren Geige. ich finde es toll wie Sie das mit der Haltung der Geige beschrieben haben. Auch bei mir führt es manchmal zu Verspannungen und als ich 4 Jahre alt war habe ich die Geige richtig falsch gehalten. Ich bin wegen meiner Mutter auf die Seite hier gekommen undwollte auch etwas an sie mailen.
viele grüße
Heike

Reply

Stefan Maus August 5, 2009 at 22:56

Hallo Heike,
wenn Du schon seit 7 Jahren Geige spielst, bist Du ja schon ein richtiger Profi! :-)
Schön, wenn es Dir hier gefällt. Wenn Du irgendwelche Fragen hast, immer raus damit!

Reply

Heike Petzold August 6, 2009 at 21:32

hallo herr maus
ich danke viel mals für die schöne antwort!!!!!
viele grüße
Heike

Reply

Anonymous October 13, 2011 at 21:14

woher kommt die geige?

Reply

Doris Petzold August 19, 2009 at 18:36

Danke für Ihre Nachricht.
Die Erhöhung der Schulterstütze durch eine extra lange Schraube schien zunächst die ersehnte Lösung meiner Probleme zu bringen aber die anfängliche Freude ist einer erneuten schmerzhaften Verspannung gewichen. Ich nehme an, dass bei mir eine Grundverspannung in der Tiefenmuskulatur vorliegt, die ich spüre und nicht so richtig wegbekomme und jedes Mal, wenn ich es wieder versuche, rebellieren diese Muskeln …. Lockerheit ist ja doch bestimmt der Schlüssel zu einem schönen Geigenspiel …

Reply

Stefan Maus August 19, 2009 at 18:45

Es kann auch sein, dass die Stütze insgesamt zu weit in Richtung Kinnhalter verschoben ist. Auf diese Weise müssten Sie wegen der Hebelgesetze einen gehörigen Druck mit dem Kinn aufbauen, um die Geige halten zu können.
Haben Sie das einmal überprüft? Diese Grundverspannung müssen wir irgendwie in den Griff bekommen, möglicherweise liegt es daran. Und vielleicht auch daran, dass Sie mehr drücken als Sie unbedingt müssen, um die Geige zu halten. Oder Ihr Kopf ist nicht gerade. Oder Ihr Hals… Oder… Oder…
Gehen Sie nochmals Punkt für Punkt durch, üben Sie nicht zu lange am Stück. Lieber 10 Minuten und dann 1 Minute Pause als 6 Stunden und dann eine Stunde Pause.

Reply

Doris Petzold August 20, 2009 at 21:40

Vielen Dank für Ihre schnelle und detaillierte Antwort!
Ich werde die einzelnen Punkte durchgehen, auch werde ich den Kinnhalter mal gegen einen flacheren umtauschen, auf den geraden Hals und die entspannte Schulter achten und geduldig dran bleiben. Vielleicht stellt sich ja doch eine Veränderung zum Positiven ein.
Herzlichen Dank nochmals für die wertvollen Tipps und Ihnen viel Freude beim Spielen.
Doris Petzold

Reply

Franziska January 20, 2010 at 19:02

Vielen Dank für diesen Artikel!
Anfangs habe ich ohne Schulterstütze gespielt und habe mich immer gewundert, wie die an den Feinstimmern drehen können ohne die Geige mit der linken hand zu stützn. Jetzt hab ich Wolf und Kun durchprobiert und muss sagen- die Wolf ist für mich die Bessere. Jetzt ist meine Haltung endlich ganz richtig.

Reply

hg January 22, 2010 at 10:23

Hallo Herr Maus,

die freie Haltung der Geige wie im Bild 2 habe ich auch noch gelernt, aber mittlerweile frage ich mich, ob man vielleicht doch Abstand davon nehmen sollte. Wenn die Geige ohne Zuhilfenahme der linken Hand frei schweben soll, dann erfordert das immer einen gewissen Kraftaufwand von Hals und Schulter. Sicher, das führt zwar dazu, dass die Linke sich wirklich völlig frei (weil ohne Haltefunktion) am Geigenhals auf- und ab bewegen kann. Aber in der Realität spielt sich im Laufe der Jahre wohl doch eher eine Balance zwischen (überwiegender) Haltung an der Schulterstütze und (leichter) Abstützung durch die linke Hand ein. Meinen Sie nicht?

Freundliche Grüße

HG

Reply

Stefan Maus January 22, 2010 at 11:35

Wenn wir ab und zu die Linke Hand unterstützend einsetzen, ist sicherlich nichts dagegen zu sagen, solange wir nicht gerade vibrieren möchten oder einen Lagenwechsel durchführen.
Daher hatte ich in dem Artikel auch die Formulierung gewählt “Es sollte möglich sein, die Geige ohne Unterstützung der linken Hand zu halten”. Wenn sich die Geige ohne diese Unterstützung nicht hält, läuft irgendetwas falsch.
Die Schwierigkeit ist aber doch, ein gutes Vibrato einzusetzen, wenn wir die linke Hand dadurch behindern, dass wir mit ihr das Instrument stützen.
Durch das Eigengewicht des Kopfes auf dem Kinnhalter sollte sich normalerweise die Geige schon von allein halten, ohne dass zusätzlich Kraft aufgewendet werden muss. Aber das funktioniert nur, wenn auch die Schulterstütze richtig angepasst ist.

Reply

Oliver April 16, 2010 at 10:42

Hallo Herr Maus,
ich bin der Senior unter den Anfängern, da ich vor 2 Jahren im Alter von 42 Jahren das erste Mal eine Geige in der Hand hielt. Da ich mittlerweile auch in der dritten Lage spiele und auch Ihre Tonleitern übe, habe ich genau das Problem, dass die Geige wackelt oder sich eine Verkrampfung nach 2 Stunden üben einstellt. (Ich spiele täglich im Schnitt zwischen 1-3 Stunden.)

Jetzt bin ich mit meiner Frau (Physiotherapeutin) Ihren Artikel zur Geigenhaltung durchgegangen und haben versucht, Ihre (Ideal)Haltung nachzuempfinden. Bisher habe ich tatsächlich den Fehler gemacht, dass der Kopf zu sehr geneigt war, da ich mit dem Kinn die Geige festgehalten habe und eventuell die Schulterstütze zu niedrig war. Aber ich konnte dadurch die Geige besser ohne den linken Arm halten – aber eben mit Kraftaufwand für die Halsmuskeln.
Bisher habe ich gedacht, dass die Geige mit dem Kinn festgehalten wird. Daraus ergibt sich eine ähnliche Stellung, wie in Ihrem vierten Bild.
Aus Ihren Bildern erkenne ich aber, dass Sie die Geige mit dem unteren, hinteren Kiefernknochen festhalten und nicht mit dem Kinn! Auch nur so kann der Kopf gerade nach vorne sein und die Geige links im 45 Grad-Winkel. Sehe ich das richtig?

Jetzt meine Frage: Halten Sie die Geige mit dem Kiefernknochen fest und liegt dabei der Knochen für Sie angenehm in der Mulde des Kinnhalters? (Meiner tut nämlich jetzt ziemlich weh, vom vielen ausprobieren.) Übrigens habe ich an meinen Geigen überall einen Guarneri -Kinnhalter.
Eine Idee: Was mir und anderen helfen würde, wenn Sie vielleicht mal die Oberfläche Ihres Kinnhalters mit einer leichten Lebensmittelfarbe bestreichen und man am Abdruck bei Ihrem Kinn sieht, womit Sie genau die Geige festhalten.

Reply

Lou May 16, 2010 at 16:55

Hallo,

ich spiele seit elf Jahren Geige, hatte acht davon Unterreicht bei einer sehr, sehr konservativen Lehrerin, die trotzdem nicht wirklich gut auf meine Haltung achtete. Ich habe das dann vor jahren mal selbst angesprochen, danach eine Schulterstütze bekommen. Ich habe nun heute seit Ewigkeiten mal wieder gespielt und echt Schmerzen in meiner rechten Schulter gehabt.
Ich glaube, meine Haltung ist in etwa so, wie auf dem letzten Bild, bzw. auf dem ersten der drei Bilder, die zeigen, wie man eben nicht das Instrument halten sollte.
Ich würde gerne wieder schmerzfrei spielen, was soll ich tun?

Ich wäre sehr dankbar über eine schnelle Antwort!

Reply

Lou May 16, 2010 at 16:56

Huch, Verzeihung, es war die linke Schulter, nicht die rechte.

Reply

Walter June 20, 2010 at 14:09

Vielleicht ist es zusätzlich zu den sehr guten Hinweisen hier wichtig zu betonen, dass die Geige nie allein zwischen Schulterstütze und Kinnhalter gehalten werden darf, sondern dass der untere Rand des Korpus immer auf dem Schlüsselbein aufliegt und die Schulterstütze die Geige nur mit der Schnecke etwas in die Höhe bringt.

Die Schulterstütze ist durch diesen Fehler bei vielen Amateuren zu hoch eingestellt und klemmt zu weit am unteren Rand, weshalb sie immer wegrutscht , denn sie muss die Längskräfte (beim Vibrato und Lagenwechsel) allein aufnehmen, statt diese Arbeit dem Kopf mit seinem Gewicht und dem Schlüsselbein zu überlassen. Vielleicht haben Sie das aber auch an anderer Stelle schon gesagt.
Beste Grüße

Reply

Harald November 10, 2010 at 10:57
Tabea November 24, 2010 at 19:08

Walter June 20, 2010 at 14:09
Vielleicht ist es zusätzlich zu den sehr guten Hinweisen hier wichtig zu betonen, dass die Geige nie allein zwischen Schulterstütze und Kinnhalter gehalten werden darf, sondern dass der untere Rand des Korpus immer auf dem Schlüsselbein aufliegt und die Schulterstütze die Geige nur mit der Schnecke etwas in die Höhe bringt. ……(Zitat von Walter)

Das Aufliegen auf dem Schlüsselbein hab ich sofort bei mir nachgeprüft, ja sie liegt auf. Ein superwertvoller Hinweis!!! Und die Schulterstütze selbst liegt fast mittig also fast an der breitesten möglichen Stelle der Geige. Zur Überbrückung eventueller weiterer fehlender Zentimeter bis zum Kiefer müsste dann der Kinnhalter herhalten, richtig?

lg Tabea

Reply

Herbert March 3, 2011 at 12:55

Wenn Oliver sich mit 42 als Senior sieht, so möchte ich noch einen drauflegen: Ich bin 59 und habe im vergangenen Jahr meine Geige wieder in die Hand genommen. ‘Wieder’ deshalb, weil ich im Alter von 10 bis 14 Jahren schon einmal Geigenunterricht hatte, 4 Jahre Musikschule mit allem, was dazugehört (Noten- und Harmonielehre usw.). Die Musik der 60er Jahre hat mich dann aber zu Gitarre und Klavier ‘getrieben’, und entgegen dem Willen meiner Eltern und Lehrer habe ich die Musikschule abgebrochen.
Nun habe ich meine Geige wieder aus der Versenkung geholt und gemerkt, dass ein Neustart gar nicht so einfach ist. Neben anderen Dingen war z. B. die Haltung der Geige auch erst mal wieder sehr gewöhnungsbedürftig. Ich bin deshalb sehr froh, dass ich Ihre Seite gefunden habe mit all den vielen Tipps und Beiträgen, mit deren Hilfe ich eigentlich schon wieder ganz gut ‘in Übung’ bin. Ein großes Lob und ein Dankeschön an Sie, Herr Maus, und an alle die, die mit ihren Artikeln die Seite noch interessanter machen.

Viele Grüße
Herbert

Reply

Miles June 8, 2011 at 6:25

Sehr geehrter Herr Maus!

Sagen Sie mir bitte mal, wie man die Geige hält, wenn man damit jemanden Anderen einen über den Kopf hauen möchte. Ich denke – wie Sie es sicherlich schon geahnt haben – an Klarinettisten, die einfach nur Platz aufbrauchen, ohne etwas wertvolles für unsere Gesellschaft zu leisten. Da ist sicher doch jede mögliche Haltung erlaubt, Hauptsache: man erreicht sein Ziel. Den Bogen kann man anschliessend ebenfalls nützlich einsetzen oder? Freut mich sehr, Dein Blog entdeckt zu haben…

LG aus Santiago de Chile,
Miles

Reply

Henrik July 10, 2011 at 20:41

Hallo Herr Maus,

informativ und übersichtlich Ihr Blog, vielen Dank.
Ich spiele nun seit fast sieben Jahren Geige, habe mit 37 angefangen. Nun quäle ich mich seit einiger Zeit mit Verspannungen herum. Am Anfang lag es definitiv an einer falschen Haltung, die sich nun seit einigen Jahren verbessert hat. Zig Schulterstützen und Kinnhalter mussten auf den Prüfstand. Am Ende siegte der seitlich angebrachte flache Kinnhalter und die KUN-Stütze. Nun jedoch möchte ich auf Bratsche umsatteln, da mich der Klang fasziniert. Nun erlebe ich wieder, dass sich Verspannungen einstellen beim Bratschespiel. Ich habe zudem eine Skoliose im Brustwirbelbereich und eine leichte Lordose im Lendenwirbelbereich. Macht es überhaupt Sinn bei diesen Verformungen der Wirbelsäule weiterzuspielen? Wäre Cello das bessere Streichinstrument gewesen?

Viele Grüße

Henrik

Reply

Hanna August 16, 2011 at 18:06

Ich spiele schon seit zehn Jahren Geige ( bin jetzt sechzehn ) und bin auch ziemlich gut. Allerdings spiele ich seit neustem im Jugendsinfonieorchester mit in der ersten Geige, wo mich manche Stellen in den Konzerten fast umbringen.
Zum Beispiel müssen wir bei manchen Stellen in der vierten Lage E-Seite spielen und dann noch oktavieren…gibt es irgendwelche Tipps, damit ich nicht das Gefühl habe, meine Finger würden zerschnitten und ich einen sichereren Griff habe?
Ansonsten gibts halt noch mörderisch schnelle Stellen, aber da hilft wohl nur üben…^^

Reply

Lena May 23, 2012 at 20:56

Hallo..Ihr Alle!

Ich hatte heute meine erste Stunde geige und bin ganz stolz, dass ich die Grundtöne ganz gut getroffen hab. Hab mir dann Zuhause die Seele aus dem Leib geübt und stell jetzt fest dass mit der Zeit irgendwann der linke Arm “lahm” wird. ist das am Anfang normal? Oder ist das weil ich irgendwas falsch mache?

Liebe Grüße Lena

Reply

Birgit September 14, 2012 at 12:26

Wie sieht es mit den Beinen aus? Schließlich steht der Mensch ja nicht in der Luft ;-) Gibt es da Grundregeln, wie weit die Beine auseinander oder zusammen sein sollen? Soll ein Bein weiter vone als das andere stehen? Wie wird das Körpergewicht auf die Beine verteilt?

Wenn ich z.B. mein Gewicht auf das linke Bein verlagere, dann bildet meine Wirbelsäule sofort ein seitliches “S”, was ja sicher nicht gut sein kann.

Reply

Fabian Synonymus November 18, 2012 at 23:19

Also ich kann mit Abstand sagen, dass es besser ist, wenn die Geige keinen Großen Winkel zur Lunge hin hat. Um so näher um so pässer. Es sollte nur halt eben kein 10 Grad Winkel sein. Nur, ansonsten muss ja der Bogenarm derart ins leere gehe, wenn man an der spitze des Bogens spielt, dass die Schultern Spannungen aufbauen. Und die Geiger die so spielen haben ja dann bekanntlich auch die starken Schulterschmerzen. Ich denke, diese Weise hat mehr Vorteile, als nach Nachteile oder habe ich da etwas übersehen.

Reply

Dieter December 27, 2012 at 22:10

Herzlichen Dank vorweg, Herr Maus, für diese und die anderen Anleitungen!

Als Anfänger (seit ca. 1 Jahr) spiele ich (immer noch) ohne Schulterstütze, da ich damit nicht recht klar komme. Ich hatte mir (nach Lesen aller Pros und Cons) die Wolf Forte secondo wegen der mannigfaltigen Einstellmöglichkeiten besorgt.

Obwohl ich einen “normal” langen Hals habe, reicht mir die maximale Distanz auf der Seite des Brustbeins (beide Schrauben rausgedreht) nicht aus. Die linken Schrauben sind ganz reingedreht; die Geige liegt so, dass sie um die Längsachse um ca. 45° gedreht ist. Auf der Schulter liegt die Geige aber nicht fest. Die Schulterstütze rutscht nach vorne, d.h. die Geige dreht sich nach rechts unten weg. – Klemme ich zusätzlich meinen Daumen zwischen Brustbein und Schulterstütze, habe ich einen optimalen Sitz. Ich kann sogar ganz ohne Unterstützung der linken Hand durchs Zimmer maschieren ohne auch nur die geringste Angst, dass sie abrutscht und runterfällt!

Ich überlege, ob ich mir (habe ich auf Youtube gesehen) ganz
individuell selber eine Stütze aus Schaumstoff bastele …

Oder was mag ich ggf. bei der Einstellung der Wolf-Stütze falsch machen?

Herzliche Grüße
Dieter

Reply

Burkhard V. March 10, 2013 at 0:42

Hallo Stefan!
Mein Sohn (9) hat vor vier Wochen mit Geigenunterricht begonnen. Erst wollte ich ihn nur dabei begleiten, nun habe ich selbst auch angefangen.
Vielen dank für die ausführlichen Anleitungen, das ist viel mehr, als ich im Unterricht bislang gehört habe!

Gruß,
Burkhard

Reply

Jessica June 14, 2013 at 14:17

Hallo also ich hab meine achte Geigenstunde hinter mir, hab jetzt aber das Problem das wenn ich länger als 10 Minuten übe danach mein Nacken richtig fieß knackt. Der Kopf ist aber nicht verdreht und meine Schultern ziehe ich auch nicht hoch, zudem habe ich keine Schulterstütze da ich mit dieser Stütze meinen Hals einfach verdrehe ( mit der Lehrerin schon ausprobiert), deshalb spiele ich ohne ich finde es angenehmer, ja und jetzt wollte ich fragen woran das wohl liegen könnte? Ich bin mit meinem Latein am Ende und ich denke mit 17 ist das unnormal das der Nacken so laut knackt. Ich würde mich über eine Antwort freuen.
Jessi

Reply

poky September 28, 2013 at 20:43

unmöglich. bei mir liegt die geige nie so schön wie hier auf dem foto. rutscht einfach runter. habe wolf forte secondo

Reply

Ruth Wenner January 23, 2016 at 16:10

Ich sitze im Rollstuhl .
Ich habe 35 Jahre Cello gespielt und kann hete (h habe MS ) nur noch versuchen , , Geig zu lernen !
Aber kann nur ohne Stütze spielen ( Beine wären für den Bogen im Weg ! )
Wie funktionert dibrazto?

Danke ! Ruth Wenner

Reply

Smithf21 August 19, 2016 at 22:08

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Reply

Pharma529 August 20, 2016 at 12:28

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