Mit Schrecken habe ich festgestellt, dass ich zwar einen ganzen Haufen Artikel über alle möglichen Themen veröffentlicht habe, darunter ist aber nicht ein einziger über die Haltung des Instruments. Das hole ich hiermit schleunigst nach.
Grundsätzlich müssen wir bei der Haltung der Geige auf unsere Schultern achten. Kaum jemand läuft mit einer hochgezogenen und einer hängenden Schulter durch die Straßen. Dasselbe gilt für die Geigenhaltung.
Wenn wir also das Instrument ansetzen, sollten wir beide Schultern möglichst entspannt lassen:

Die linke Schulter bleibt so locker wie möglich und hebt sich lediglich so viel, wie ihr durch das Schultergelenk wegen des erhobenen linken Arms vorgegeben wird.
Hier ein Foto von der linken Seite:

Es sollte möglich sein, die Geige ohne Unterstützung der linken Hand zu halten, das Vibrato und die Lagenwechsel werden dadurch wesentlich vereinfacht. Der Kopf bleibt dabei entspannt und sollte in keiner Weise geneigt werden. Bei korrekter Einstellung der Schulterstütze ist das mit etwas Übung problemlos möglich.
Hier ein Foto von vorn:

Der Kopf bleibt relativ gerade und schaut geradeaus, die Geige zeigt in einem Winkel von etwa 45 Grad nach links. Durch den geraden Kopf wird gewährleistet, dass wir mittelfristig keine Probleme mit der Halswirbelsäule bekommen, der Winkel der Geige ermöglicht ein einfaches Streichen vom Frosch bis zur Spitze.
Hier ein Foto von der rechten Seite:

Auch hier ist wieder gut zu erkennen, dass der Kopf eine möglichst normale Haltung einnimmt, um Verspannungen zu vermeiden.
Es folgen noch drei Fotos, wie man es nicht machen sollte:

Die Geige zeigt in die Mitte, der Kopf schaut nach links. Abgesehen von der unbequemen Haltung des Kopfes ist es vor allem der Winkel der Geige, der die ganze Strichgeometrie negativ beeinflusst. Auf diese Weise ist es nur schwer möglich, gerade zu streichen. Der unglückliche Blick des Spielers unterstreicht diese ungeschickte Haltung…

Hier haben wir das andere Extrem. Die Geige zeigt fast über die Schulter und ist wie bei einem Raketenstart nach oben geneigt. Ausgesprochen schlecht. Durch den Winkel der Geige ist es fast unmöglich, an der Spitze noch gerade zu streichen, es sei denn, man würde die rechte Schulter nach vorn schieben. In diesem Fall beeinflusst ein Fehler auf der linken Saite massiv die gesamte rechte Seite.

Abschließend noch dieses Foto. Diese Haltung beobachte ich gelegentlich, wenn entweder gar keine Schulterstütze vorhanden oder die vorhandene Stütze verkehrt eingestellt ist. Von hinten sieht es eher aus wie beim Wrestling als beim Geigen.
In der nächsten Folge sehen wir uns einmal das Thema Schulterstütze an.
Technorati Tags: Geigenhaltung, Geigenunterricht, Musikunterricht












{ 4 comments… read them below or add one }
Stefan 10.09.08 at 17:33
Vielen Dank, vielen Dank!
Der Kopf ist jedoch nicht ganz grade nach vorne in der guten Haltung??
Stefan Maus 10.09.08 at 19:13
Nur mehr oder weniger…
Das wichtigste ist dabei, dass Du möglichst entspannt bist. Wenn dann der Kopf 5° nach links gedreht ist, so ist das nicht schlimm. Problematisch wird es erst dann, wenn der Kopf VERdreht wird, was man häufig beobachtet. Bequem soll es sein, denn die Haltung einer Geige ist schon ungewöhnlich genug mit dem eingedrehten linken Arm.
Yvonne 10.23.08 at 20:40
Hallo, erstmal ein Lob für diesen Beitrag!
Ich hab heute zum ersten Mal eine Violine in der Hand gehalten und bringe auch schon ein paar anstänige Töne raus. Nur mit der Haltung habe ich echt ein Problem. Ich weiss nicht ob’s am Kinnhalter liegt, aber ich kann die Geige nicht ohne Hände nur mit dem Kopf halten. Irgendwie ist sie mir zu schwer, und mit gerade ausgerichtetem Kopf hält da erst recht nichts. Ausserdem sehe ich die Saiten immer doppelt! Das linke Auge sieht den Geigenhals nicht im gleichen Winkel wie das rechte Auge und alles überlagert sich. Ich sehe also die Saiten “gekreuzt”, das verwirrt ziemlich. Ich habe alle Haltungen und Höhen probiert, es gibt eine Haltung, bei der ich nicht doppelt sehe, aber dort muss ich die Saiten mit nur einem Auge anstarren, und mit der Zeit habe ich schon fast angefangen zu schielen. Ich weiss echt nicht, was ich falsch mache…
Stefan Maus 10.25.08 at 17:18
Hallo Yvonne,
das freut mich natürlich riesig, wenn mein Blog so gut ankommt!
Es kann sein, dass es am Kinnhalter liegt, muss aber nicht. Am besten ab zum Geigenbauer und an Ort und Stelle ein paar Kinnhalter ausprobieren. Es kann auch an der Stütze liegen bzw. an einer nicht optimalen Befestigung der Stütze.
Es ist allerdings relativ normal, dass man am Anfang noch ein wenig unsicher ist und die Geige noch wackelig auf der Schulter liegt. Das rüttelt sich im allgemeinen nach den ersten Wochen zurecht. Wenn nicht, liegt es definitiv an der Stütze, dem Kinnhalter oder der Haltung generell.
Die Saiten solltest Du eigentlich überhaupt nicht anstarren. Dein Blick sollte in Richtung Noten gehen. Wenn überhaupt in Richtung Saiten, dann aus dem linken Augenwinkel zur Bogen-Kontaktstelle. Und die solltest Du nicht doppelt sehen, da sie nur aus dem linken Augenwinkel sichtbar ist. Bei dem rechten Auge ist die Nase im Wege - und das gehört so.
Also nochmal - ganz wichtig: Nicht ständig auf die Saiten starren. Du lernst sonst nicht, ausschließlich mit dem Gefühl zu streichen. Wenn Du überprüfen willst, ob Du gerade streichst, stell Dich lieber vor einen Spiegel, das ist viel sinnvoller, weil Du weder schielen, noch Deinen Kopf verdrehen musst.
Auch auf die Finger bestenfalls gelegentlich schauen, um zu überprüfen, ob, die Haltung korrekt ist. Auch hier geht der Rest mit Gefühl.
Und viiiiel Übung…