Die Handhaltung

by Stefan Maus

Nach unserem Ausflug in die Tonleitern kümmern wir uns wieder um unsere Haltung. In letzter Zeit häufen sich die Anfragen bezüglich der linken Hand im allgemeinen und des Daumens und Zeigefingers im besonderen.
Wichtig ist, dass wir von einer möglichst lockeren Hand ausgehen. Jegliche Verkrampfung wäre schädlich für eine gute und bequeme Haltung. Wir halten unsere Hand möglichst ohne Anspannung:

IMG_1081.jpg

Dort legen wir die Geige hinein, wenn möglich, ohne viel an dieser Haltung zu verändern:

IMG_1084.jpg

Dadurch steht der Daumen mehr oder weniger gegenüber des Zeigefingers, je nach Anatomie unserer Hand. Der Daumen soll so locker wie möglich stehen, ohne nach oben oder nach unten verschoben zu werden.
Wie weit der Daumen nach oben oder nach unten ragt, hängt maßgeblich davon ab, wie lang er ist. Die Hauptsache dabei ist aber: Er ist locker.
Der Zeigefinger sieht folgendermaßen aus:

IMG_1086.jpg

Er hat an der Fingerwurzel leichten Kontakt zum Geigenhals. Keinesfalls sollten wir versuchen, ihn vom Hals wegzustrecken, da dadurch wieder eine zusätzliche Anspannung entstehen würde.
Nicht jede Hand wird exakt so aussehen wie die auf dem Foto. Jede Hand ist anders gebaut. Wenn sie aber locker gehalten wird, sollte sie zumindest so ähnlich aussehen, denn jegliche Verkrampfung würde Schwierigkeiten beim Vibrato, bei Lagenwechseln und bei der Intonation mit sich bringen.

Sollten Sie Fragen haben, über einen Kommentar würde ich mich freuen!

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{ 16 comments… read them below or add one }

Daniel April 6, 2009 at 17:33

Hey,
mal wieder ein supererklärender Artikel.
Hilft mir wieder unheimlich, dankeschön :-)

Reply

Valerie April 11, 2009 at 18:24

Habe Sie vielleicht auch einen Tip für folgendes Problem: Wenn man den Daumen zu fest als Gegengewicht zu den Greiffingern gegen den Hals presst und dadurch Verspannungen am Daumenballen verursacht. Ich habe mir das leider vor kurzer Zeit(ich weiß nicht wie, wahrscheinlich durch zu verkrampftes Doppelgriffe und Läufe üben )angewöhnt und kämpfe damit diese furchtbare neu erworbene Eigenschaft loszuwerden

Reply

Stefan Maus April 12, 2009 at 13:53

Das ist per Ferndiagnose immer sehr schwierig zu beurteilen, weil es manchmal auch an der Handhaltung liegen kann.
Ich rate aber dazu, dass Sie sich in diesem Fall auf grundlegende Übungen besinnen, um sich besser auf dieses Problem konzentrieren zu können.
Ich habe in diesem Artikel einige Übungen aufgeschrieben, die zwar primär für die Geschwindigkeit gedacht sind, jedoch zweckentfremdet werden können.
Dabei ist wichtig, dass Sie sich hundertprozentig darauf konzentrieren, nicht mehr zu stark zu drücken. Erst nach einigen Tagen konsequenten Übens würde ich wieder auf die regulären Tonleitern umschwenken.

Reply

Valerie April 13, 2009 at 17:43

hmm… danke. Ja, ich glaube ich halte meinen Daumen zu weit über das Griffbrett überstehend und wenn mich eine Stelle sehr fordert, beginne ich mit dem überstehenden teil des Daumens meinen Geigenhals zu umfassen, unterbewusst natürlich. Das hat mein Lagenspiel/Lagenwechsel sehr behindert und mein Vibrato wurde grauenhaft verkrampft! Jetzt will ich mir angewöhnen den Daumen nicht so hoch zu halten und mit ihm nicht den Geigenhals zu umfassen. Danke für die Tipps, ich werde die von dir vorgeschlagenen Übungen machen, damit ich mich voll und ganz auf mein “Problemchen” konzentrieren kann. So homophone Skalen aus Fleschs Skalensystem (in den unteren Lagen halt) gehen aber auch, oder? Damit ich nicht ganz an dem, was mein Lehrer von mir will(Präludium und Allegro/Kreisler, Flesch,bla bla bla,…), vorbeiübe :-)
Danke nochmals war eine coole und schnelle Hilfe

Reply

Ilona June 11, 2009 at 14:45

Habe gerade diesen Blog gefunden und bin sehr begeistert.
Meine 7-jährige Tochter spielt seit November letzten Jahres Geige und dies mit viel Begeisterung. Sie hat recht schnell gelernt (soweit ich das beurteilen kann) und spielt bereits mit 4 Fingern in der ersten Lage.
Nun meine Frage: bei der Haltung der linken Hand passiert es ihr, dass sie den zweiten Finger zu sehr kippt, also die obere Fingerkuppe regelrecht einknickt. Woran kann das liegen und welche Übung könnte sie machen, um dies zu vermeiden?

Reply

Stefan Maus June 11, 2009 at 18:58

Manchmal ist es so, dass in der Anfangsphase die Finger noch nicht kräftig genug sind. Vielfach ist es dann so, dass wir das erste Fingerglied einknicken. Das passiert auch gerne dann, wenn wir nicht den zweiten Finger spielen sondern bei stehendem zweiten den dritten mit dazunehmen.
Ich würde das Problem isolieren. Also z.B.
1-2-1-2-1-2 usw. spielen. Sowohl in der ersten als auch in der zweiten Griffart (also mit Halbton zwischen 1 und 2)
Dann würde ich den zweiten Finger setzen und den dritten dazunehmen. Also
2-3-2-3-2-3 usw. Auch hierbei wieder erste und zweite Griffart.
Anfangs nicht zu schnell, so dass Ihre Tochter darauf achten kann, dass der Finger ja nicht einknickt. Im Laufe der Zeit dann immer schneller werden.
Mit dieser Übung sollte sie es bei konsequentem täglichen Üben (nicht mehr als eine oder zwei Minuten) sehr schnell schaffen, sich das Einknicken abzugewöhnen und genügend Kraft aufzubauen, so dass der Finger rund stehenbleibt.
Das ganze dann auf allen vier Saiten und nie zu lange sondern mit kleinen Pausen üben. Dann wird es klappen.

Reply

Ilona June 13, 2009 at 13:22

Vielen Dank! Wir haben dies schon ausprobiert und es klappt sehr gut!

Reply

Martin Armoniac May 9, 2010 at 0:54

Hallo, Danke für die große Mühe, die hinter diesem Blog steckt. Mich würden noch Fingernägel interessieren. LG, Martin

Reply

Curry June 7, 2010 at 21:55

Toller Blog!

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Oliver July 19, 2010 at 22:42

Vielen Dank für die treffende Beschreibung. Ich habe ein Problem, dass vermutlich seltener ist. Meine Daumenspitze ist unterhalb vom Geigenhals, meine Handwurzeln praktisch immer parallel zum Griffbrett, meine Finger berühren nie den Geigehals – sondern schlagen im größeren Bogen auf die Saiten. So spiele ich in den ersten drei Lagen.
Nun versuche ich die hier beschriebene Idealhaltung, die ich auch auf Konzerten beobachte, nach zu machen. Ich komme aber nicht so richtig mit der Krümmung des Zeigefingers zurecht. Es tut schneller weh.
Haben Sie einen Tipp?

Reply

Oliver July 21, 2010 at 22:51

Habe meinen Handfehler, auch mit Ihren Bildern, behoben. Jetzt funktionieren auch Dinge besser, die mir vorher Schwierigkeiten bereitet haben, wi z.B. den ersten Ton am Griffbrettende genau zu treffen, die Geige nur mit dem Kinn zu halten.

Reply

Patrick July 6, 2012 at 16:19

Hallo Stefan Maus,

vielen Dank für den guten Beitrag! Ich habe spät mit 45 mit Bratsche angefangen, spiele seit 3 Jahren und kann die Hand immer nur in der einfachen Position wirklich locker aufsetzen (wenigstens, wenn die Finger liegen bleiben sollen). Insbesondere Übungen auf der C-Saite induzieren Spannung in der Hand. Im Vergleich mit anderen Geigespielenden Mitmenschen ist mein Handrücken recht starr, vermutlich auch das Handgelenk. Nun habe ich wenig Informationen gefunden, wie sich Handrücken und Handgelenk an der Stellung der linken Hand beteiligen. Wissen Sie wie der Zusammenhang ist? Falls es einen gibt: Ich glaube ja gerne, dass junge Menschen beweglicher sind und das direkt mit Instrument üben können. Für uns festere: Gibt es hier Dehungsübungen oder andere Exzerzizien, mit denen man die Hand flexibel einstellt und vermeidet, dass Spannung entsteht?

Reply

Paul September 8, 2012 at 16:21

Hallo,

ich bin blutiger Anfänger auf der Bratsche und habe bisher nur auf leeren Saiten gespielt, um mich erstmal auf die Bogentechnik zu konzentrieren.
Fange jetzt mit dem Lagenspiel an und zwar in der vierten Lagen mit leichten Kontakt der linken Hand zum Bratschenkorpus. Dieser Umstand soll jetzt nicht irritieren. Meine eigentliche Frage: ich spiele das a’ auf der d-Saite mit dem Zeigefinger. Natürlich muss ich die linke Hand ganz leicht neigen, um mit dem Finger die Distanz zur d-Saite zu überwinden. Bei einem Wechsel von der leeren a’-Saite zum a’ auf der d-Saite entsteht nun folgendes Problem. Der Bratschenhals drückt ganz leicht in die Kontaktstelle zum Zeigefinger und dadurch ragt dieser ca. 1 Millimeter an der Kontatstelle ins Griffbrett hinein. Spiele ich nun die a’-Saite berüht diese den Zeigefinger und wird gedämpft. Ich habe schon überlegt, ob ich mit der linken Hand einen kleinen Abstand zum Hals einhalte. Habt ihr Tipps zu diesem Problem ?

Danke,
Paul.

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Alex January 14, 2013 at 22:09

Hallo,

Guter Beitrag. Ich hatte schon früher (als ich in meiner Jugend Geigenunterricht hatte) immer das Problem, dass ich meine linke Hand nie weit genug “verdrehen” konnte. Dies hat dann zur Folge, dass besonders beim Greifen mit dem 4. Finger auf den unteren Saiten der Ballen des Zeigefingers recht stark gegen den Hals gepresst wird. Um diesen Druck auszugleichen drücke ich dann unweigerlich mit dem linken Daumen dagegen. Dies führt zwangsläufig zu einer Verkrampfung der linken Hand.

Gibt es vielleicht spezielle Übungen, mit denen die “Drehfähigkeit” der linken Hand trainiert werden kann?

LG,
Alex

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Sabine January 22, 2013 at 18:03

Hallo Herr Maus,
Per Zufall bin ich auf Ihrer Seite gelandet.
Seit Weihnachten hat mich das Geige-Spielen gepackt und das mit fast 49 Jahren. Ihre Tipps in allen Bereichen sind extrem hilfreich für mich, da ich noch keinen Geigenunterricht habe. Was halten Sie von Musikschulen? Sind die für Erwachsene geeignet? oder kennen sie im Südwesten Deutschlands (Raum Lörrach/Waldshut) Geiger, die einer blutigen, nicht mehr ganz blutjungen Anfängerin Unterricht erteilen?
Vielen Dank für die tolle Arbeit, die sie hier leisten

Reply

Mitsou Manuela February 1, 2013 at 13:11

Hallo Sabine,

mein Mann und ich haben ebenfalls kurz nach Weihnachten mit dem “geigen” ohne Lehrer begonnen. Im Musikgeschäft, wo wir die Geigen gekauft haben, wurde uns gesagt, dass sie dort auch die Kontaktadressen von Geigenlehrern hätten. Vielleicht sollten Sie einfach mal dort nachfragen, wo Sie die Geige gekauft haben.
Viel Glück!
Mitsou Manuela

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