Ein ehemaliger Kollege rief mich neulich an und erzählte mir, wie er seit seiner Pensionierung die Zeit totschlägt. Die meiste Zeit verbringt er im Garten bei der Maulwurfsjagd. Er hat vor einiger Zeit eine Großpackung Böller erstanden, und jetzt werden die Nachbarn jeden Morgen von schweren Explosionen aus den Maulwurfshügeln geweckt.
Ob die Maulwürfe sich davon beeindrucken ließen, ist mir leider nicht bekannt, und auch ob bereits einige Strafanzeigen wegen Ruhestörung laufen, entzieht sich meiner Kenntnis.
Interessant fand ich seine Einstellung zu seinem früheren Beruf als Fagottist in einem größeren Kulturorchester. Am Tag nach seinem letzten Dienst im Orchestergraben packte er sein Fagott aus, sägte mit der Flex ein Stück ab und pflanzte Stiefmütterchen in sein Instrument. Das hat mich doch sehr erschüttert. Da sitzt einer über vierzig Jahre im Graben und kann tatsächlich von heute auf morgen seine gesamte berufliche Laufbahn abstreifen wie einen alten Schuh. Andererseits zeigt das auch die Einstellung einiger Berufsmusiker zu ihrer Tätigkeit.
Es
entspricht irgendwie so gar nicht der Vorstellung, die sich der durchschnittliche Konzertbesucher von dem Musiker auf der Bühne macht, der dort sitzt, wunderschöne Töne produziert, literweise Herzblut vergießt und versucht, den Intentionen des Komponisten so gut als möglich gerecht zu werden. In Wirklichkeit sitzt der dort, denkt daran, ob er seinen DVD-Recorder korrekt programmiert hat, ärgert sich über das schale Bier in der Kantine und zählt die Tage bis zur Pensionierung, wenn auch er endlich Stiefmütterchen pflanzen kann. In seinem Instrument, versteht sich.
Diese Begebenheit sei noch als kleiner Nachtrag zu “die Wahl der Qual” angefügt. Wer sich für das Leben eines Berufsmusikers interessiert, sollte einmal in das Weblog einer Orchestermusikerin hineinschauen. Sie ist eine Trompeterin, die dort ihren Alltag in einem Berufsorchester beschreibt.
Sehr lesenswert für alle, die überlegen, ob sie diese berufliche Laufbahn ergreifen sollten.













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Meine Frau und ich sind (leider?) keine Musiker, nur musikinteressiert.
Wir haben uns soeben über den Artikel scheckig gelacht.