Das sagte kürzlich ein Schüler zu mir, der verzweifelt versuchte, das Konzert in Ungarischer Weise a-Moll von Rieding in einem Tempo zu spielen, das deutlich über einem Notendiktat liegen sollte.
Ähnlich wie ein Mittel- und Langstreckenläufer in regelmäßigen Abständen an seiner Grundschnelligkeit arbeiten sollte, muss ein Geiger, der wertvolle Übezeit einsparen möchte, an seiner Fingerfertigkeit feilen.
Es gibt dafür einige sehr gute Übungen, mit deren Hilfe wir unsere geigerische Grundschnelligkeit deutlich steigern können, so dass wir uns nicht während eines Stückes darum kümmern müssen, wie wir denn nun überhaupt die Finger so schnell wie gefordert bewegen können.
Hier haben wir die erste Übung: Wir stellen das Metronom zwischen 56 und 66 ein, nehmen den ganzen Bogen, und los geht’s.

Die ersten drei Takte sind noch relativ einfach, der vierte Takt wird schon schwieriger. Wenn wir den vierten Takt noch nicht bewältigen, können wir uns auf die ersten drei Takte beschränken und die Metronomzahl langsam steigern. Irgendwann wird es klappen.
Direkt danach kommt die zweite Übung:

Das Prinzip ist wie bei der ersten Übung, allerdings wird der vierte Takt schwieriger sein. Wir kommen leichter durcheinander.
Danach schieben wir die dritte Übung:

Wir sehen – es verändert sich nur die Reihenfolge der Finger. Bei der Reihenfolge gehen wir mathematisch vor:
1-2-3-4
1-2-4-3
1-3-2-4
1-3-4-2
1-4-2-3
1-4-3-2
Damit haben wir alle mit dem ersten Finger beginnenden Kombinationen durch. Wenn wir von einer Metronomzahl von 60 ausgehen, dauert das ganze etwas über drei Minuten, eine Investition, die sich auf Dauer auszahlen wird.
Gewiss, die Übungen sind trocken, aber sehr effektiv, und diese drei Minuten gehen im Nu vorbei, wenn man die Übungen konzentriert durchführt.
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Frage:
Wenn man noch nicht so schnell ist, dass man in drei Minuten mit den Übungen durch ist, weil meine Finger einfach nicht schritt halten können, wie soll ich dann vorgehen (mir ist schon klar, dass es nicht genau drei Minuten sein müssen!):
a) Ich pfeif auf die Trefferquote, denn ich trainiere ja die Geschwindigkeit!
b) Ich pfeif auf die Geschwindigkeit, denn ich trainiere ja meine Treffsicherheit in Kombination mit der Geschwindigkeit!
a) ist grundsätzlich schlecht, wenn man auf dem Instrument etwas erreichen will.
b) klingt vom Ansatz her besser.
Ich schlage Möglichkeit c) vor.
Durch die häufigen Wiederholungen wird sich die Intonation in der ersten Griffart von ganz allein einpendeln, so dass die Schwierigkeit in den höheren Tempi nicht die Sauberkeit sein wird sondern das “Nicht-Durcheinanderkommen”.
Anfangs notfalls nur zwei Geschwindigkeiten üben, dann geht das mit der dritten verhältnismäßig schnell. Das vierte Tempo wird länger dauern, je nachdem, wieviel Übung man bereits auf seiner Geige hat.
Habe das gerade für Bratschenschlüssel umgeschrieben und als tägliche Hausaufgabe auf meine Liste gesetzt. Bin aber beim 4. Tempo depressiv geworden (das kann ich nicht mal zählen…). Macht es Sinn, zunächst mit Metronom 40 oder so zu üben? Oder lieber erst die beiden ersten Tempi und dann immer mehr? Es verdoppelt sich halt immer sofort
(
Trotzdem: sowas brauche ich!!
Vielen Dank, lieber Stefan!
Zu a) habe ich auch schon festgestellt, dass es überhaupt nichts bringt. Ich fange dann immer wieder ganz von vorne an, wenn ich die Töne dann mal wirklich treffen will!
Von 4. halte ich auch erstmal Abstand! Für so etwas habe ich eine dunkle Ecke in meinem Geigenkasten!
Wähle ein Tempo, in dem Du die beiden ersten Tempi noch spielen kannst. Dann steigern bis etwa 66 oder 70. Dann fängst Du wieder unten an mit drei Geschwindigkeiten, zur Not auch mit 40. Bis Du wieder maximal 70 erreicht hast. Dann gehst Du auf vier Geschwindigkeiten. Aber das vierte Tempo ist wirklich schwer mit Ausnahme von 1-2-3-4 und 1-4-3-2.
Ich wollte immer schon sagen, dass diese einfachen Übungen wirklich genial sind. (ich habe es bis heute irgendwie übersehen, dass man auch hier Beiträge verfassen kann.)
Ich trommele normalerweise in umgekehrter Reihenfolge auf dem Schreibtisch, wenn ich z.B. Pferdegalopp mit den Fingern nachklopfen will: schnelles Abrollen der Finger vom kleinen Finger über Ring- Mittelfinger zum Zeigefinger hin. So erreiche ich mühelos hohe Geschwindigkeiten. Seitdem ich diese Übung gesehen habe, rolle ich die Finger andersrum ab. Es steigert die Geschwindigkeit auch auf der Geige.
Nicht nur obige muaster sondern Sevcik Nr. 1.
1. Tempo 1/4 = 60, danach steigern bis ca. 140. Nie schneller spielen als man wirklich kann. Wers kann soll auch versuchen, Finger wegzureißen wie bei Fingerpizzicato. Dann klingt es schön perlig.