Um tiefer in die Materie Lagenspiel einsteigen zu können, müssen wir zunächst einmal fragen:
Was bedeutet es überhaupt, die “Lage” zu wechseln?
Wenn wir eine Tonleiter vorliegen haben, spielen wir, vereinfacht ausgedrückt, zunächst den ersten bis vierten Finger und wechseln dann die Saite, wo wir wieder von vorn anfangen.
Gehe ich eine Lage höher, rutsche ich mit dem ersten Finger an die Stelle, auf der zuvor der zweite Finger gesessen hat. Noch eine Lage höher befinde ich mich mit dem ersten Finger an der Stelle, auf der in der ersten Lage der dritte Finger saß usw.
Die Lagen haben also ganz offensichtlich etwas mit den Stufen der Tonleiter zu tun, in der ich mich befinde. Man bezeichnet das auch als Diatonik, wenn wir das Tonmaterial der Tonart nicht verlassen, im Gegensatz zur Chromatik.
Beim Lagenspiel und -wechsel bewegen wir uns also zunächst diatonisch hinauf und wieder herunter. Wir könnten ohne Probleme eine komplette aufsteigende Tonleiter spielen, in dem wir ausschließlich z.B. den ersten Finger auf ein- und derselben Saite benutzen. Jeder Ton wäre dann in einer anderen, der nächsthöheren Lage.
Woraus besteht jetzt ein Lagenwechsel?
Genaugenommen aus drei Segmenten: Einem Ton, einer Bewegung und noch einem Ton. Damit ist der Lagenwechsel komplett.
Die beiden Töne sind, für sich betrachtet, kein Problem. Damit bleibt die Bewegung das eigentlich interessante an einem Lagenwechsel, und genau dort werden die meisten Ungenauigkeiten und Fehler begangen.
Eine der Grundregeln beim Geigen ist, die linke Hand möglichst immer in derselben Stellung zu behalten. Die Finger möglichst über den Saiten, so dass wir sofort Zugriff darauf haben, der Abstand zwischen erstem und viertem Finger so, dass wir jederzeit eine saubere Quarte spielen können. Dieser Abstand 1-4 ist für uns quasi das Grundgerüst der Hand, zwischen dem sich alles andere abspielt.
Wenn wir dieses Grundgerüst verändern, bekommen wir sehr leicht ein Intonations- und Geläufigkeitsproblem, da wir ständig nachbessern müssen. Die Finger “passen” nicht mehr auf die richtigen Töne. Der Winkel unseres Handrückens zum Griffbrett muss ebenso erhalten bleiben, sonst treffen wir den vierten Finger nicht mehr. Wir müssten ihn sonst unterschiedlich stark strecken, je nachdem, wie sehr unsere Hand verdreht ist.
Es ist also offensichtlich sehr wichtig, unsere Handstellung unbedingt beizubehalten, auch und gerade wenn wir Lagenwechsel durchführen, um damit eine gleichbleibende Intonation zu gewährleisten.
Um diese Handstellung beizubehalten, müssen wir mehrere Punkte beachten.
Das Handgelenk sollte niemals eingeknickt werden.
Weder vor, noch während, noch nach dem Lagenwechsel. Noch in den 30er-Jahren wurde unterrichtet, dass sich das Handgelenk während der Lagenwechsel “geschmeidig wie eine Wasserpflanze” bewegen soll. Glücklicherweise ist man wieder von dieser Lehrmeinung abgerückt, und modernere Schulen sind seit einigen Jahrzehnten dazu übergegangen, das Handgelenk so zu lassen wie es ist, um eine zusätzliche Schwächung der Stabilität in der Hand bei der Lagenwechsel-Bewegung zu vermeiden.
Der Daumen rutscht gleichzeitig mit den anderen Fingern hinauf und herunter.
Dies ist ein sehr wichtiger Punkt, dem auch erst in den letzten Jahrzehnten die gebührende Beachtung geschenkt wurde. Ich selbst habe meinen Anfangsunterricht bei einem Geigenlehrer bekommen, der damals, Anfang der 70er-Jahre gerade pensioniert wurde. Er hat die Technik unterrichtet, die er selbst nach dem ersten Weltkrieg gelernt hatte. Er schob beim Hinaufgehen die Finger vorweg und zog den Daumen hinterher. Beim Heruntergehen schob er den Daumen vorweg und zog die Finger hinterher. Das war ein ziemlich aufwendiger und komplizierter Bewegungsablauf, den man im Laufe der Zeit wesentlich vereinfacht hat, wodurch Intonationseinbußen weiter reduziert wurden. Gänzlich falsch – heute wie damals – ist es, den Daumen irgendwo im Bereich der ersten Lage stehenzulassen und nur die vier Finger nach oben zu schieben. Der Daumen ist gewissermaßen unser Kompass, unser GPS für die Hand. Die Hand (das Gehirn) weiß, wo sie ist, in welcher Lage sie sich befindet, wenn der Daumen in der korrekten Position ist.
Der Lagenwechsel geschieht niemals ruckartig, wie vom Blitz getroffen, sondern immer weich und fließend, “schiebend”.
Das ist ein Fehler, den ich am häufigsten beobachte. Die Geiger hopsen in die Lagen, dass der Zuschauer vor Schreck förmlich zusammenzuckt. Diese Känguruh-Lagenwechsel (ich bitte, die alte Schreibung zu entschuldigen), sind mit der Hauptgrund dafür, wenn der Spieler technischen Schiffbruch erleidet.
In der nächsten Folge schauen wir uns an, wie wir unfallfrei in die unterschiedlichsten Lagen rutschen, um zukünftigen Schiffbruch von vornherein zu umgehen.













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Noch lese ich voll Unverständnis-ab morgen kommt wohl Licht ins Dunkel
Wo ist die Maus??
Ich finde, das Mäuse-Design ließ ein wenig die Seriosität vermissen, die ich mir erhoffte. Obwohl es vom Namen ganz gut passen würde.
Ich habe das Design meiner Frau gezeigt, die die Hände über dem Kopf zusammenschlug. Das hat wohl den Ausschlag gegeben…