Mysterium Lagenwechsel Teil 6

by Stefan Maus

In dieser Folge beginnen wir mit dem Violinkonzert e-Moll op. 64 von Felix Mendelssohn Bartholdy. Die abgedruckten Fingersätze stammen von Igor Oistrach. Ich habe zunächst keine Veränderungen vorgenommen, da sie auch mit normal-großen Händen spielbar sind. Mitunter sind die Fingersätze von Oistrach, Vater wie Sohn, problematisch. Bei beiden führten geradezu riesige Hände zu manchmal gewöhnungsbedürftigen Fingersätzen.

Mendel01
Im Original ist noch zusätzlich ein Takt Pause, den ich herausgeschnitten habe, da er für unsere Betrachtungen unwichtig ist.

Das Stück beginnt in der zweiten Lage, was den Vorteil hat, auf dem Anfangston leichter vibrieren zu können als auf dem vierten Finger in der ersten Lage.
Unser erster Lagenwechsel findet in Takt 2 statt. Wir müssen in die vierte Lage rutschen, gefolgt vom nächsten Lagenwechsel in Takt 3. Dort geht es in die sechste Lage (oder aber in die 5. Lage mit gestrecktem vierten Finger).
Ein sehr interessanter Lagenwechsel geschieht von Takt 4 zu Takt 5. Um weiteres Rutschen zu vermeiden, haben wir hier die Möglichkeit, den ersten Finger nach unten abzustrecken und uns gewissermaßen in die vierte Lage zu “schummeln”. An dieser Stelle eine sehr elegante Möglichkeit des Lagenwechsels, die absolut unhörbar ist.
Danach gehen wir in die dritte Lage, in dem wir den Finger quasi austauschen.

Nach unserem System aus den letzten Folgen sieht das in etwa so aus:

Mendel02

Ich habe die Lagenwechsel wieder mit punktierten Zwischentönen versehen. Rhythmisch gesehen ist es unerheblich, ob es jetzt doppelt punktiert, einfach punktiert oder irgendetwas dazwischen ist. Wichtig ist lediglich, dass der Zwischenton aus Intonationsgründen gegriffen wird. Während wir ihn greifen, verlangsamen wir den Bogenstrich, bis der Zwischenton fast unhörbar ist. Unhörbar wäre er nur, wenn wir den Bogen stoppten, was jedoch aus musikalischer Sicht inakzeptabel wäre. Es würde ein Loch entstehen.

Zeile zwei ist wieder sehr interessant. In Takt 2 (Zeile 2) zu Takt 3 bleiben wir in der dritten Lage und strecken den vierten Finger zum “e” nach oben. Direkt danach geht es wieder weiter in der dritten Lage. Wir sparen somit einen Lagenwechsel. Der Daumen bleibt dabei die ganze Zeit in der dritten Lage stehen. So gesehen findet gar kein Lagenwechsel statt.

In der nächsten Folge werden wir uns einigen anderen Lagenwechseln im Mendelssohn-Konzert zuwenden, die von anderen Fingern aus starten. Wir werden sehen – auch dabei gelten unsere bisher erarbeiteten Regeln.

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Julia Vieluf July 13, 2008 at 16:46

Ich finde Tipps bzw Vorschläge bzw Erklärungen zum spielen der Lagenwechsel sehr gut verständlich erklärt und veranschaulicht. Nun heißt es nur noch umsetzen und fleißig üben ;)

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