Reisezeit

by Stefan Maus

“Wir bedanken uns, dass Sie mit Air Kasawumbu fliegen und wünschen Ihnen einen angenehmen Aufenthalt an Bord!”

Der Fluggast, der es bis hierher geschafft hat, fragt sich, ob sich dieses Willkommen auch an seine Geige richtetairport2, die irgendwo in den Weiten des Frachtraums verschwunden ist.
Polternd war sie beim Aufgeben des Gepäcks auf dem Laufband gelandet. Falsch herum, versteht sich. Die Angestellten des Flughafens, die die Gepäckstücke in den Flieger verfrachteten, ließen sie, für alle Fluggäste sichtbar, von ganz oben auf dem Gepäckwagen krachend auf den Beton fallen. Lachten sogar noch und taten so, als ob sie gleich Fußball damit spielen wollten.
Nach dem Flug stellt der Fluggast fest, dass seine Besorgnis durchaus berechtigt war. Starke Schäden an seiner teuren Geige machen ein Spielen unmöglich. Sie muss umgehend zur Reparatur, das Konzert am Zielort ist geplatzt, ebenso wie große Teile der Decke und der Saiten.

Fiktion? Ja, denn Air Kasawumbu existiert nicht.
Übertrieben? Keineswegs.
Ein komplettes Orchester war davon betroffen. Vor nicht allzu langer Zeit wollte dieses Orchester eine Reise von Deutschland in die USA antreten, um dort einige Konzerte zu geben. Um Schwierigkeiten mit einer großen deutschen Fluggesellschaft zu vermeiden, hielten sich die Verantwortlichen an die veröffentlichten Bestimmungen für Handgepäck und gaben ihre Instrumente auf. Buchstäblich, wie sich herausstellte.
Voller Entsetzen sahen die Orchestermitglieder zu, wie ihre Instrumente z.T. vorsätzlich auf dem Vorfeld beschädigt wurden, hatten aber immerhin die Geistesgegenwart, diesen Vorgang zu filmen, was die Beweisführung erheblich erleichtert, gerade wenn es um Vorsatz geht.
Die Rechtsabteilung der großen deutschen Fluggesellschaft sah das genauso und veranlasste ohne Probleme die Übernahme aller Kosten, obwohl die zerstörerischen Gepäckleute Angestellte des Flughafens waren und nicht der Airline.

airport

Mein Rat an alle Musiker, denen ihr Instrument lieb ist: Unbedingt die Geige mit in die Kabine nehmen, wenn irgend möglich. Beim Einchecken lautet die Frage normalerweise, wie viele Gepäckstücke der Reisende aufzugeben gedenke. In diesem Fall sollte man darauf hinweisen, dass aus Gründen des hohen Werts die Geige mit in die Kabine genommen wird.
Ich habe noch nie erlebt, dass es dabei Schwierigkeiten gab, egal wie exotisch die Fluggesellschaften auch gewesen sind. Ich bin ein einziges Mal auf einem asiatischen Flughafen bei der Sicherheitskontrolle zurückgeschickt worden, weil ein Anhänger fehlte, der meinen Geigenkasten als Handgepäck kennzeichnen sollte. Nachdem ich diesen Anhänger vom Gepäckschalter geholt hatte, gab es dann keine Einwände mehr, und ich konnte selbst dafür sorgen, dass mein Instrument fachgerecht transportiert wurde.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen guten Flug!

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