“Urlaub ist doof”!

by Stefan Maus

So ähnlich drückte sich einmal ein Dirigent aus, der in unserem Orchester nach den großen Ferien die erste Probe leiten musste. Der Klang des Orchesters entsprach ganz und gar nicht der Qualität, die er erwartet hatte, und er musste seinem Frust Luft verschaffen.

Die Sommerferien sind in manchen Bundesländern vorüber, einige haben noch eine kleine Gnadenfrist, aber so langsam finden sich wieder alle zu Hause ein und nehmen nach einigen Wochen das erste Mal wieder ihr Instrument in die Hand.
Doch was ist das?
Die Geige klingt nicht so recht, das Vibrato hat sich verflüchtigt, die Intonation ebenfalls, und irgendwie tut der Hals weh, was er vor den Ferien nicht tat. Und überhaupt – was ist mit unserer Schnelligkeit und Geläufigkeit passiert? Und wie fühlt sich die Schulter doch seltsam an?

Liebe Leserinnen und Leser, Sie sind nicht in Form!

Ernsthaftes Geigenspiel ist Hochleistungssport. Stellen Sie sich vor, ein Wladimir Klitschko stiege in den Ring, nachdem er zuvor drei oder vier Wochen am Hotel-Swimmingpool gelegen hätte, ab und zu unterbrochen durch den Genuss einiger Cocktails oder einer Portion Calamaris mit Pommes.
Ich persönlich würde diesen Kampf nur ungern sehen.

Nach drei Wochen Pause sind Sie aus dem Training!

Fangen Sie wieder vorsichtig an zu trainieren. In unserem Fall bedeutet das, wir dürfen nicht dort weitermachen, wo wir einige Zeit zuvor gestoppt haben.
Stellen Sie sich nicht am ersten Tag hin und spielen zwei oder drei Stunden.
Versuchen Sie nicht, um alles in der Welt sofort zu vibrieren.
Spielen Sie nicht im gleichen Tempo wie gewohnt.

Beginnen Sie besser mit langsamen Tonleitern. Das aber in kleinen Übeeinheiten von einigen Minuten. Danach machen Sie eine Pause von dreißig Sekunden oder einer Minute. Dann folgt die nächste Übeeinheit.
Nur so vermeiden Sie, zu verkrampfen, denn der Wille, alles genauso gut zu können wie gewohnt, ist dafür verantwortlich, dass wir diese Verkrampfungen aufbauen.
Schlagen Sie Ihrem eigenen Ehrgeiz ein Schnippchen, in dem Sie von Anfang an etwas völlig anderes tun, als Sie eigentlich am liebsten wollten, nämlich sofort wieder mit dem Brahms-Konzert, der Beethoven-Romanze oder ähnlichem loszulegen.
Lassen Sie sich doch Zeit! Der einzige Mensch, der Sie drängt, sind Sie selbst!

Halten Sie das zwei oder drei Tage durch, dazwischen eine kleine Übeeinheit mit Etüden o.ä., und Sie sind deutlich schneller fit als sonst, denn Sie umgehen die Probleme, die so viele andere haben:
Die Verkrampfungen, die uns so häufig nach den Ferien zu Verzweiflung treiben.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen (und vernünftigen) Trainings- Pardon- Übebeginn!

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{ 1 comment… read it below or add one }

Herald August 20, 2009 at 10:20

ich hatte zwar keinen Urlaub, aber ich kann das alles sehr wohl nachvollziehen.
Auch ein M. Schuhmacher musste lernen, dass man ohne Training nicht mehr das leisten kann, was einem mit Training fast wie selbstverständlich vorkam.

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