Wie übe ich schnelle Passagen? Teil 1

by Stefan Maus

Gaaaanz langsam.

Wenn es nur so einfach wäre… Sicher, die wichtigste Bedingung für eine gute Intonation ist das langsame Üben. Die Schwierigkeiten beginnen jedoch für viele Geiger, wenn es darum geht, die vorhandene Sauberkeit ins jeweilige Originaltempo “hinüber zu retten”.

Es gibt ähnlich viele Übemethoden, wie es Geiger gibt. Einige haben sich allerdings herauskristallisiert, weil sie eine große Anzahl von Geigern erfolgreich angewandt haben. Eine davon will ich heute vorstellen.

Ivan Galamian hat sie in seinem Werk “Contemporary Violin Technique” in der Beilage “Rhythm and Bowing Patterns” sehr ausführlich abgedruckt, jedoch ohne eine Bedienungsanleitung mitzuliefern. Der Schüler, der noch nicht damit konfrontiert wurde, wird zunächst ohne fachkundige Anleitung etwas verloren sein. Ich hoffe, dass ich mit diesem Beitrag ein wenig den Nebel lichten kann.

Nehmen wir einmal an, wir werden mit der Etüde Nr. 2 von Kreutzer konfrontiert:

Bild-1

Wir haben so weit die Intonation ins Reine gebracht und wollen innerhalb von relativ kurzer Zeit möglichst ohne Qualitätsverlust auf Tempo kommen.
Eine der vielen Möglichkeiten sind die Vierergruppen aus o.g. “Rhythm and Bowing Patterns”. Dabei wird der gerade Takt (4/4) zu einem ungeraden (3/8). Durch die längeren Noten entstehen “Ruhepunkte”, wodurch die Intonation erhalten bleibt, durch die kürzeren Noten werden die Geläufigkeit und Schnelligkeit trainiert.

Bild-4

Diese Formel wird vier- oder fünfmal wiederholt, dann kommt die nächste Folge an die Reihe:

Bild-2

Wieder etwa vier- bis fünfmal, dann kommt die dritte Version:

Bild-3

Für die Hardcore-Über und rhythmusfesten Geiger unter uns ist die vierte Version sehr gut:

Bild-5

Das können wir natürlich noch weiterführen, aber in den meisten Fällen sind diese vier Rhythmus-Versionen ausreichend.

In unserem Fall der Kreutzer-Etüde handelt es sich um keine viertaktige Passage mehr sondern um ein komplettes Werk, das nur aus Sechzehnteln besteht. In solchen Härtefällen ist es sinnvoller, die Etüde in Abschnitte von einigen Takten zu zerlegen, um den Übeeffekt nicht zu verwässern.

Generell wichtig bei dieser Übemethode ist, alle Versionen am selben Tag zu üben, egal wie lang die Passage ist.
Ebenfalls wichtig ist, die einzelnen Formeln nicht häufiger als fünf- oder maximal sechsmal nacheinander zu spielen, da sonst das Gehirn buchstäblich auf Autopilot schaltet.
Ferner ist darauf zu achten, die exakten Striche und ggf. Bindebögen zu spielen, es wird sonst ein völlig anderes Stück geübt. Auch die Dynamik sollte mit dem Original übereinstimmen.
Des weiteren ist diese Übeweise am wirkungsvollsten unter der Zuhilfenahme eines Metronoms. Der Betrugsversuch an sich selbst wird dadurch am besten unterdrückt.

Technorati Tags: ,

Share and Enjoy:
  • E-mail this story to a friend!
  • Print this article!
  • StumbleUpon
  • Digg
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • blogmarks
  • MisterWong.DE
  • Technorati
  • TwitThis

Related posts

{ 2 comments… read them below or add one }

Wieser Gerhard May 1, 2013 at 19:38

Finde diverse Lektüren für mich hochinteressant. Nur wie komme
ich dran? Mein Drucker schafft nur die Noten aber nicht den Text
zu drucken? Was muss ich tun? Brauche ich eine Lizenz oder kann
ich alte Briefe kaufen? Was kostet ein Newsletter.

Reply

Joey December 28, 2013 at 10:32

Hallo Vorschreiber,
ins Word kopieren funktioniert bei mir ganz gut :)

Reply

Leave a Comment

Previous post: Die Stradivari auf dem Dachboden

Next post: CD-Tip