Wolf oder Kun?

by Stefan Maus

Wie wir bereits in diesem Beitrag gesehen haben, werden die meisten Menschen eine Schulterstütze benötigen. Hauptsächlich deshalb, weil ihr Hals nicht so kurz ist, dass sie problemlos das Instrument zwischen Schulter und Kieferknochen halten können, ohne die Schulter hochziehen zu müssen.
Sie sind also auf der Suche nach einer neuen Schulterstütze. Fast unausweichlich werden Sie auf zwei Hersteller stoßen: Die kanadische Firma Kun und das deutsche Produkt Wolf.
Während beide Firmen ausgezeichnete Schulterstützen herstellen, gibt es doch einige grundlegende Unterschiede, auf die ich hier etwas genauer eingehen möchte.

Leider hat die Firma Kun auf meine Anfrage, ob ich Fotos ihrer Website verwenden dürfe, nicht einmal geantwortet. Aus Gründen des Urheberrechts kann ich also nur Links zu den entsprechenden Produkten liefern.
Es geht in diesem Beitrag hauptsächlich um die beiden gängigsten Produkte der Hersteller:
Kun Original und
Wolf Forte Secondo.

Die Kun Original ist sehr leicht gebaut. Sie besteht aus Kunststoff und hat eine Auflagefläche aus schaumstoffähnlichem Material. Die Füße, die an der Geige befestigt werden, sind beschichtet, um eine Beschädigung des Lacks zu vermeiden.

Eine ähnliche Lösung sehen wir bei Wolf. Der große Unterschied besteht aber im Material der Stütze selbst. Während die Auflagefläche aus einem ähnlichen Material wie bei der Kun besteht, ist die Basis der Stütze aus Metall gefertigt und überdies deutlich größer und schwerer. Sie wirkt dadurch etwas “rustikaler”.

Beide Stützen sind vielfach verstellbar, wobei die Wolf in der Ausführung, wie wir sie im Musikgeschäft geliefert bekommen, für längere Hälse einstellbar ist. Ich vermute aber, dass beim Hersteller Kun auch Füße mit längeren Schrauben erhältlich sind.

Was sind die Vor- und Nachteile der beiden Stützen?
Wie ich eingangs erwähnte, ist die Kun eher leicht gebaut. Manche Geiger würden sagen “labil” oder zumindest weniger stabil. Das ist jedoch eine Frage des persönlichen Geschmacks und des direkten Vergleichs. Jemand, der vorher eine Wolf gespielt hat, wird die Kun als weniger stabil empfinden. Ein Eindruck, der sich allerdings schon nach wenigen Tagen der Gewöhnung verlieren wird.
Kuns leichtes Gewicht ist auf der anderen Seite aber auch ihre Stärke. Manches Mal merkt man als Spieler nicht einmal, ob man überhaupt eine Stütze verwendet. Die Wolf lässt einen niemals im Zweifel, dass man sie aufgesetzt hat.

Ein anderer Punkt ist die Größe der Auflagefläche. Je größer die Fläche ist, desto größer ist auch die Reibung auf der Schulter. Wolfs erheblich größere Fläche lässt sie fast wie angeschraubt auf der Schulter liegen. Ein Verrutschen ist kaum möglich, wodurch sie sehr geeignet ist für Anfänger und Spieler mit wenig Praxis. Bei der Kun ist die Gefahr größer, die Haltung zu verändern, weil die Stütze leichter auf der Schulter verrutscht.

Die Art der Einstellung ist bei beiden Produkten ähnlich. Aufgrund des leichteren Materials der Kun ist diese Stütze im ganz ausgefahrenen Zustand nicht so stabil wie die Wolf. Die Schrauben sind bei beiden aus Metall, die Befestigung dieser Schrauben aber ist bei der Kun ebenfalls aus Kunststoff, was sie etwas labiler erscheinen lässt.

Mein Rat lautet – wie Sie schon vermuten werden – probieren Sie beide aus. Beide sind sehr gut, ich persönlich würde für Anfänger und Geiger mit sehr langen Hälsen der Wolf Forte Secondo den Vorzug geben.

Um die Wahl noch ein wenig zu erschweren:
Haben Sie schon von der Kun Voce gehört? Sie vereint Kuns Leichtgewicht mit der Stabilität der High-Tech-Faser Carbon. Das ist auch die Stütze, die ich selbst verwende.
Der einzige wirkliche Nachteil ist der Preis. Als ich ihn zuerst hörte, hielt ich ihn für eine Unverschämtheit. Im Nachhinein muss ich jedoch sagen:
Sie ist ihren hohen Preis wert, und ich möchte mit keiner anderen Stütze mehr spielen.

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{ 8 comments… read them below or add one }

Rennbratsche March 8, 2009 at 18:01

Ich empfehle, sich auch mit der Wolf forte-primo zu beschäftigen. Im “Fabrikzustand” ist diese zwar schlichtweg unbrauchbar (für durchschnittliche Hälse), aber: die Wolf-Stützen haben den großen Vorteil, dass sie verbiegbar sind, so dass sie sehr differenziert an den Körperbau anpassbar sind. Die forte-secondo kann man zwar grundsätzlich auch verbiegen, aber durch die Verstellbarkeit, kommt man sehr leicht in die Gefahr, dass man die Geige mit dem nunmehr abstehenden Metallstift verkratzt.
Leider gibt es die forte primo nur für 3/4+4/4 Violinen. (Stimmt nicht ganz, es gibt sie auch für Bratsche, aber hier kommt auch wieder dieser Metallstift ins Spiel…)

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Nadja April 18, 2010 at 22:45

Hallo,

eine Alternative, über die ich per Zufall gestolpert bin, ist die handgefertigte Mach One Ahorn-Schulterstütze des kanadischen Geigenbauers Peter Mach. Natürlich muss auch die ausprobiert worden, aber nachdem ich jahrelang treue Wolf-Benutzerin war, bin ich von dieser STütze wirklich vom Hocker gehauen worden – leicht, unglaublich angenehm, drückt nicht und trotz allem sehr stabil und sicher. Nachteil: nur in der Höhe zu verstellen. Vorteil: der Preis liegt zwar über der Forte Seconde oder der Kun, aber doch weit unter der Kun Voce, sie ist ab ca. 59 Euro zu haben.

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Daniel January 30, 2012 at 1:11

Die neuen KUN sind an den Füßen mit einem Material beschichtet, daß den Lack der Geige angreift und abrubbelt. Außerdem sind die Neuen auch nicht mehr Rutschfest. Bei diversen Konzerten ist mir die KUN öfters verrutscht und ich musste während der (Solo)Konzerte “nachschieben”. Sehr ärgerlich! Wer hat ähnliche Erfahrung, und wer weiß Abhilfe?
Wo kann man reklamieren? Die Alten KUN-Füße hatten noch den unübertrefflichen Gummischlauch. Gute alte Zeiten!

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Heinz December 9, 2012 at 14:23

Hallo!
Ich habe mir eine neue Kun gekauft und diese rutschte mir auch ständig herunter. Ich dachte, esliegt am Lack der Geige. Ich konnte mir nciht vorstellen, dass ein Hersteller seine Produkte unbrauchbar macht =/ KUN adé. Jetzt spiel ich Wolf oder eine Kopie der Kun aus China. Die sind immer noch rutschfest =D

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Christian October 6, 2013 at 21:57

Die neuen Kun-Füsse hatten sowohl auf der Geige als auch auf Bratsche Spuren im Lack hinterlassen (Lack löst sich weg). Das geschah schon nach wenigen Tagen! Mein Geigenbauer reklamierte an einer Musikmesse am Kunstand, die Reaktion war arrogant. Es sei wohl mein Fehler!!! Sorry, bin Profi und montiere seit 30 Jahren Stützen… An unsachgemäßem Gebrauch liegt’s nicht. Bin auf Viola auf alte Füsse zurückgekehrt, auf Geige Spiele ich Pedi Carbonstütze (ähnlich Kun). Bin also nicht der einzige mit dem Problem. Gruss Christian

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Andreas May 14, 2015 at 21:07

Hallo,

ich hatte auch mal, trotz des stolzen Preises für ein wenig Plastik, eine KUN (die mit den einklappbaren Füßen), und sie ist mir ständig abgefallen. Dann habe ich mir interessenhalber mal eine Billigstütze aus China mit dem Namen “fom” bestellt, die aussieht wie die Kun, allerdings im Internet-Auktionshaus nur etwa 5,50,- incl. Versand kostet. Und war sehr positiv überrascht: 1A verarbeitet, stabiles Material, Füße einklappbar, und: ein absolut rutschfester Gummiüberzug über den Füßen, der bislang auch den Lack in Ruhe gelassen hat. Bei den harten Füßen der KUN hatte ich immer ein wenig Angst…
Achtung aber, es gibt auch Billigstützen für 2-3,-, die sind vollkommen unbrauchbar. Meine KUN habe ich vor einiger Zeit verkauft, bin mit der “fom” absolut zufrieden. Sie passt sogar zu meiner 16″ Bratsche, obwohl eingentlich für 3/4-4/4 Violine gemacht.

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Maria October 7, 2015 at 5:40

Hallo,
ich habe “leider” ein kurzes Hals und mit Wolf und Kühn Stützen bekomme sofort Nackenschmerzen. Derzeit benutze ich einen Schwamm überlege mir aber eine Stütze von Bonmusica anschaffen. Hat jemand damit Erfahrung?

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Maria October 18, 2015 at 17:34

Antworte auf meine eigene Frage: Bonmusica passt auf für kurzes Hals. Hab gekauft und ausprobiert. Bin sehr zufrieden.

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